Vorsprung für Qualitätsanbieter

Das Marktforschungs- und Analyse-Unternehmen Lünendonk hat seine diesjährige Marktübersicht zu Zeitarbeit und Personaldienstleistungen vorgelegt. Autor Hartmut Lüerßen erläutert die Hintergründe der aktuellen Entwicklung.

Der Markt für Zeitarbeit und Personaldienstleistungen in Deutschland ist im Jahr 2014 nach Schätzungen des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens Lünendonk um 7,7 Prozent auf 24,0 Milliarden Euro (2013: 22,3 Milliarden Euro) gewachsen. Dabei hat sich die Zahl der Zeitarbeitnehmer nach zwei Jahren Rückgang stabilisiert und stieg der Schätzung nach um durchschnittlich 2,6 Prozent an. Die Top-25-Zeitarbeitsunternehmen steigerten ihre Umsätze trotz eines engen Kandidatenmarktes ebenfalls um 7,7 Prozent. Das zeigt die aktuelle Lünendonk®-Liste 2015 „Führende Zeitarbeits- und Personaldienstleistungs-Unternehmen in Deutschland“.

Gestiegene Komplexität der Dienstleistung

„Das Wachstum im Markt ist vor allem auf die Tariferhöhungen zurückzuführen“, erklärte Hartmut Lüerßen, Partner von Lünendonk und Studienautor gegenüber dem randstadkorrespondent. „Durch die gestiegene Komplexität der Dienstleistung und die Unsicherheit vieler Kunden im Zusammenhang mit der korrekten Projektumsetzung bei verschiedenen Vertragsformen haben Qualitätsanbieter, die das Vertrauen ihrer Kunden genießen, Wettbewerbsvorteile.“

Gleichzeitig sind die Markterwartungen der Anbieter trotz guter Konjunkturdaten für das laufende Jahr 2015 wenig optimistisch. Durchschnittlich rechnen die 25 größten Anbieter lediglich mit einem Umsatzwachstum im Markt von 3 Prozent. „Die geplanten Regulierungen zur Arbeitnehmerüberlassung hinsichtlich einer Höchstüberlassungsdauer von 18 Monaten und Equal Pay nach neun Monaten verunsichern Anbieter und Auftraggeber gleichermaßen“, so Lüerßen.

Datenlage bei Deckelung „noch dünn“

Was die Branchenzuschlagstarife angeht, sind nach Lüerßens Angaben noch keine Trends erkennbar, welche Branchen von der dort geregelten Deckelung am stärksten betroffen sind. „Die Datenlage zu dieser Frage ist noch relativ dünn. In der Metall- und Elektroindustrie melden die Zeitarbeitsunternehmen jedoch die höchsten Fallzahlen, bei denen die Deckelung greift. Das sind bis zu zwei Drittel und mehr der Fälle. Dabei erreichen die Zeitarbeitnehmer im Laufe ihres Einsatzes das Niveau der internen Vergleichslöhne, bevor die höchste Stufe der Branchenzuschläge greift.“

Lüerßen bekräftigte gegenüber dem randstadkorrespondent den Eindruck, dass die Zuschläge als Annäherung an Equal Pay vom Markt angenommen sind: „Dass die Kundenunternehmen die Branchenzuschläge akzeptiert haben, lässt sich anhand der stabilen Nachfrage und den gestiegenen Pro-Kopf-Umsätzen der Zeitarbeitnehmer gut nachvollziehen.“ Betrachte man die teilweise sehr hohen Quoten von Deckelungsfällen, also Kundensituationen, bei denen die Zeitarbeitnehmer im Laufe ihres Einsatzes das Niveau der internen Vergleichslöhne erreichen, bevor die höchste Stufe der Branchenzuschläge greift, werde die Annäherung an Equal Pay ebenfalls deutlich. „Von den Kunden wird die Annäherung an Equal Pay demnach akzeptiert. Die Zeitarbeitnehmer profitieren sehr dadurch.“

Mehr Kompromissbereitschaft gefragt

Für den Kandidatenmarkt in der Zeitarbeit sieht Lüerßen „derzeit kein Anzeichen dafür, dass sich die Lage entspannt.“ Die Arbeitslosenquote sei gering, die Nachfrage auf gutem Niveau. „Für die Anbieter kommt es daher verstärkt darauf an, die Kandidaten zu vermarkten, mit denen sie im Rekrutierungsprozess stehen. Die Kunden sollten sich auf mehr Kompromissbereitschaft einlassen. Ansonsten kann es lange dauern, den ,perfekten‘ Kandidaten zu finden.“

Lünendonk®-Studie 2015

Die detaillierte Lünendonk®-Studie 2015 „Führende Zeitarbeits- und Personaldienstleistungs-Unternehmen in Deutschland“ basiert auf der der Befragung über Strukturen, Strategien, Planungen und Restriktionen der 25 führenden und 35 weiterer mittelgroßer und kleinerer Zeitarbeits- und Personaldienstleistungs-Unternehmen in Deutschland. Sie ist ab Ende Juni verfügbar und kann zum Preis von 1.750 Euro (PDF-Datei) unter http://www.luenendonk-shop.de bestellt werden. Hartmut Lüerßen. Er ist Partner von Lünendonk und Studienautor.