Was tun gegen den Gender Pay Gap?

17. Januar 2019

Das Entgelttransparenzgesetz sollte den Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern in Deutschland reduzieren. Ein Jahr nach Inkrafttreten hat sich aber kaum etwas geändert. Was können wir noch gegen den Gender Pay Gap tun?

Arbeitnehmer dürfen laut Entgelttransparenzgesetz, „kurz“ EntgeltTranspG, erfragen, wie viel ihre Kollegen verdienen. Davon versprachen sich die Gesetzgeber transparentere Gehälter und gerechtere Bezahlung. Doch die Bilanz nach zwölf Monaten ist ernüchternd, wie eine aktuelle Randstad-Studie zeigt: Nur in knapp 10% der deutschen Unternehmen wollten Angestellte wissen, wie viel ihre Kollegen verdienen und nur jede 7. Anfrage hat tatsächlich zu einer Gehaltsanpassung geführt. 

Das Gesetz hatte nicht den erhofften Effekt. Deshalb zeigen wir Alternativen, wie die Politik, Unternehmen und Angestellte effektiver gegen Lohnungleichheit vorgehen können.

Für die Politik: Gehälter bedingungslos offen legen

2007 trat in Dänemark der „Equal Pay Act” in Kraft, nach dem Unternehmen mit mehr als 35 Mitarbeiter/innen und mindestens zehn Angestellten des jeweiligen Geschlechts alle Gehälter nach Geschlechtern offen legen müssen. Anders als beim deutschen Entgelttransparenzgesetz sind die Daten für jeden einsehbar und nicht an eine Anfrage von Mitarbeitern gebunden.

Durch das Gesetz ist der Gender Pay Gap tatsächlich um durchschnittlich 7% gesunken. Unternehmen, die von dem Gesetz betroffen waren, zahlten ihrer weiblichen Belegschaft größere Gehaltserhöhungen als Unternehmen, die nicht zu Transparenz verpflichtet waren.

Für Unternehmen: Die Augen nicht verschließen

Häufig ist der Gender Pay Gap für den einzelnen schwer zu erkennen. Führungskräfte, die nur auf ihr eigenes Team schauen und dort keine Ungleichheiten finden, begehen einen Fehler. Die größten Unterschiede kommen erst zum Vorschein, wenn man abteilungs- oder standortübergreifend nachforscht, wie es einige große Unternehmen schon vormachen. Zwar ist es unangenehm, interne Missstände aufzudecken und dafür auch noch Zeit und Geld zu investieren. Langfristig bringt Engagement für Gender Equality aber wirtschaftliche Vorteile und macht Unternehmen zu attraktiveren Arbeitgebern.

Für Angestellte: Initiative zeigen

Etwa ein Drittel der Arbeitnehmer in Deutschland hat das Gefühl, beim Lohn zu kurz zu kommen. Das vor dem Chef zu beweisen ist aber oft unmöglich. Stattdessen ist der direkte Weg, das Heft selbst in die Hand nehmen und das eigene Gehalt neu zu verhandeln. Wenn das nicht den erwarteten Erfolg bringt und Sie sich sicher sind, dass Sie diskriminiert werden, bleibt noch der Gang zum Betriebsrat oder der Geschäftsleitung. Vor Gericht zu ziehen, wie es eine Journalistin des ZDF getan hat, sollte der letzte Ausweg sein.

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