Ärzte auf Zeit

10. Februar 2010

Nicht bei jeder Berufsgruppe erwartet man, dass Personal auf Zeit eingesetzt wird. Zum Beispiel bei Ärzten im Krankenhaus. Was in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt, ist in unseren Nachbarländern oft schon gang und gäbe.

Dass der Bedarf an kurzfristigen verfügbaren Ärzten hierzulande vorhanden ist und zunehmend wächst, ist tatsächlich nicht von der Hand zu weisen: Die Jobportale im Internet sind voll von angebotenen Ärztestellen. Laut Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Vereinigung wird bis 2018 der Bedarf  bei fast 77.000 Ärzten liegen. Um diese Zahl zu bewältigen, ist der Einsatz von Ärzten als Zeitarbeitnehmer und Honorarärzten dringend notwendig – und ohne auch gar nicht zu realisieren.

Deutschland steckt allerdings, was den Einsatz von hochqualifiziertem Personal durch Zeitarbeitsunternehmen im medizinischen Bereich angeht, noch in den Kinderschuhen. Hier werden meist nur Pflege- oder Assistenzkräfte im Rahmen der Arbeitnehmerüberlassung eingesetzt sowie kaufmännisches Personal für die Klinikverwaltung.

Um auch die unmittelbare medizinische Versorgung trotz unbesetzter Arzt-Stellen zu gewährleisten, greift man auch in Deutschland immer mehr auf Honorarärzte zurück. Diese werden zumeist von sogenannten Facharztagenturen oder von spezialisierten Personaldienstleistern vermittelt.

Honorarärzte im engeren Sinne sind Ärzte, die ohne vertragsärztliche Zulassung oder eigene Praxis, sowie ohne einem gleichzeitig bestehenden Angestelltenverhältnis (darunter fällt auch eine Teilzeittätigkeit) nachzugehen, gegen ein vereinbartes Honorar in der stationären UND/ODER ambulanten Versorgung tätig sind. Honorarärzte können also in Kliniken, Praxen / MVZ, Forschungseinrichtungen, Institutionen, bei Rettungsdienstorganisationen u. v. m. projektbezogen und oft zeitlich begrenzt ärztlich tätig sein.“ (Quelle: Bundesverband der Honorarärzte)

Im europäischen Ausland, wie z. B. in den Niederlanden, in England, in Frankreich oder der Schweiz, gehören Leih- bzw. Honorarärzte schon längst zum normalen Klinikalltag. Sie werden eingesetzt zur kurzfristigen Überbrückung von Personalbedarf, zum Beispiel im Urlaubs- oder Krankheitsfall. Doch auch zur Gewährleistung der Notfallversorgung, gerade in ländlichen Gegenden, setzen Kliniken und Praxen in den europäischen Nachbarländern Honorarärzte ein. So werden in den Niederlanden beispielsweise komplette OP-Teams von befristet angestellten Chirurgen und Anästhesisten eingesetzt.
 

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