Fragen Vorstellungsgespräch

Die Aufregung vor einem Vorstellungsgespräch ist verständlicherweise oft groß, weil Bewerber nicht wissen, welche Fragen auf sie zukommen. Dabei ist es ganz einfach möglich, sich auf einige Fragen vorzubereiten. Machen Sie sich nicht zu viele Gedanken, sondern informieren Sie sich lieber im Vorfeld über typische Fragen im Vorstellungsgespräch. Viele Fragen sind nämlich nicht neu erfunden, sondern werden in fast jedem Bewerbungsgespräch gestellt. Sie werden sich viel sicherer fühlen, wenn Sie gut vorbereitet ins Vorstellungsgespräch gehen. Es ist kein Kunststück, gute Antworten auf Fragen zu geben, wenn man sich schon vor dem Bewerbungsgespräch mit den wichtigsten auseinandersetzt. So schaffen Sie es leicht, den Personaler im Bewerbungsgespräch von Ihren Qualitäten zu überzeugen.

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Fragetechniken im Bewerbungsgespräch

Mit den Bewerbungsunterlagen haben Sie das Unternehmen bereits über Ihre fachliche Qualifikation in Kenntnis gesetzt. Im Vorstellungsgespräch steht die Persönlichkeit im Vordergrund. Ihr Gesprächspartner will einschätzen, ob Sie ins Team passen und was für ein Mensch Sie sind. Dazu nutzen Personaler verschiedene Fragetechniken. Fragetypen, die auf Sie zukommen können, sind:

  • Offene Fragen
  • Persönliche Fragen / Psychologische Fragen
  • Stressfragen
  • Fangfragen
  • Hypothetische Fragen
  • Unzulässige Fragen
Vorstellungsgespräche erfolgreich führen
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Offene Fragen im Vorstellungsgespräch

Offene Fragen zeichnen sich dadurch aus, dass Sie möglichst neutral formuliert sind und keine bestimmten Antwortmöglichkeiten vorgeben. Sie werden von Personalern genutzt, um herauszufinden, wie Bewerber mit Herausforderungen und Problemen umgehen, oder um mehr über ihre Persönlichkeit zu verfahren. Im Bewerbungsgespräch wird sehr oft folgende offene Frage gestellt:

„Warum sollten wir Sie einstellen?“

Auf diese Frage können sich Bewerber gut vorbereiten, indem sie überlegen, welche ihrer Stärken besonders wichtig für die Stelle sind, ob Sie spezielle Erfahrungen für den Job vorweisen, welchen Mehrwert sie dem Unternehmen bringen und über welche Alleinstellungsmerkmale sie verfügen. Antworten Sie nicht zu knapp auf die Frage, nennen Sie drei bis vier gute Gründe, um Ihren Gesprächspartner zu überzeugen, dass Sie der Richtige für die Stelle sind. Außerdem sollte nicht einfach etwas wiederholt werden, was bereits in den Bewerbungsunterlagen steht. 

Eine gute Antwort auf die Frage ist zum Beispiel:

„Für mich spricht, dass ich lösungsorientiert arbeite und sehr gut mit Stresssituationen umgehen kann. Da ich bereits seit … Jahren in der Branche tätig bin, sind mir die Arbeitsabläufe vertraut, darüber hinaus habe ich eine Fortbildung in … absolviert, so dass ich über weitergehende Kenntnisse verfüge. Dadurch bin ich in der Lage, Optimierungspotenziale im Unternehmen zu erkennen und umzusetzen, wie zum Beispiel …“

Die Auslassungspunkte füllen Sie mit Ihren persönlichen Angaben, sie sind abhängig davon, welche Erfahrungen Sie aufweisen und auf welchen Job Sie sich bewerben. Neben guten Antworten gibt es solche, die Sie bei dieser Frage keinesfalls nutzen sollten. 

Zu den No-Gos gehören:

  • „Weil ich besser bin als die anderen Bewerber.“
  • „Weil ich den Job unbedingt brauche.“ 
  • „Das müssen Sie selbst doch am besten wissen, immerhin haben Sie mich zum Vorstellungsgespräch eingeladen.“

Eine weitere offene Frage, die regelmäßig in Bewerbungsgesprächen gestellt wird, lautet:

„Können Sie mir etwas über sich erzählen?“

Diese Frage hat es in sich, weil sie dazu einlädt, ausschweifend zu antworten. Lassen Sie sich nicht dazu verleiten, Ihr ganzes Leben vor dem Personaler auszubreiten. Auf der sicheren Seite sind Sie, wenn Sie sich auf Ihre wichtigsten beruflichen Stationen konzentrieren und vor allem auf Aspekte eingehen, die für die Stelle relevant sind. Stellen Sie dabei Ihre Stärken heraus und betonen Sie Ihre Motivation. Wichtig ist, konkrete Beispiele anzuführen.

Eine gute Antwort sieht beispielsweise so aus:

„Bei meiner Abschlussprüfung im Ausbildungsgang … gehörte ich zu den besten meines Jahrgangs. Überdurchschnittliche Leistungen habe ich in den Fächern … und … erzielt. Anschließend habe ich … Jahre lang in der Firma … gearbeitet. Zu meinen Aufgaben gehörte die Kundenakquisition, ich habe während meiner Zeit dort … neue Kunden für das Unternehmen gewinnen können. Fortbildung war mir immer sehr wichtig, deshalb habe ich privat den Weiterbildungskurs … nach der Arbeit besucht. Meine Erfahrungen und Kenntnisse möchte ich in Zukunft bei Ihnen einbringen, da Ihre Marke sowohl meinen beruflichen als auch persönlichen Interessen entspricht. Bei der von Ihnen geplanten Expansion kann mein Wissen für Sie von besonderem Nutzen sein.“

Hobbys und Interessen, die für die Stelle relevant sind, können Sie in Ihre Antwort wohldosiert einbringen. Private Dinge wie Ihr Liebesleben, wie es Ihrem Haustier geht oder welche Computerspiele Sie besonders gern mögen, gehören nicht in die Antwort auf diese Frage.

Oft kommt in Bewerbungsgesprächen auch die folgende offene Frage vor:

„Wo sehen Sie sich selbst in fünf Jahren?“

Diese Frage wird gestellt, weil der Personalentscheider wissen will, wie die Karrierepläne der Bewerber aussehen – und ob sie in fünf Jahren immer noch den Job ausüben wollen, um den es im Vorstellungsgespräch geht. Die Antwort sollte darauf ausgerichtet sein, sowohl Zielstrebigkeit als auch die Bereitschaft zur langfristigen Bindung an das Unternehmen zu signalisieren. Eine gute Antwort ist zum Beispiel:

„Ich möchte mein Fachwissen beständig erweitern, während ich Berufserfahrung sammle. Mir ist wichtig, für ein Unternehmen zu arbeiten, in dem ich viel von den Kollegen lernen kann. Im Gespräch mit Ihnen habe ich den Eindruck gewonnen, dass Sie die gleichen Werte schätzen wie ich. In fünf Jahren möchte ich im selben Unternehmen wie heute arbeiten, aber verantwortungsvollere Aufgaben übernehmen.” 

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Persönliche und psychologische Fragen

Persönliche und psychologische Fragen nutzen Personaler, um mehr über die Persönlichkeit der Bewerber zu erfahren. Sie sind nicht konkret auf die Stelle bezogen und manchmal ganz schön knifflig. Doch mit ein bisschen Brainstorming und Überlegung werden Sie diese Fragen zur Zufriedenheit Ihres Gesprächspartners beantworten. Auch wenn manche psychologischen Fragen erst einmal etwas seltsam erscheinen: Lassen Sie sich davon nicht abschrecken. Konzentrieren Sie sich darauf, eine Antwort zu finden, die die meisten Menschen mit positiven Gefühlen verbinden. Eine psychologische Frage lautet zum Beispiel:

„Wenn Sie ein Tier wären, welches wären Sie und warum dieses?“

Mit Tieren werden bestimmte Eigenschaften verbunden, viele werden in Fabeln beschrieben. Der Fuchs gilt als schlau und listig, der Bär als gutmütig und naiv, der Hase als vorlaut und ängstlich, der Affe als eitel und intrigant. Sie finden im Internet Übersichtstabellen zu Tieren in Fabeln und ihren Eigenschaften. Damit schlagen Sie zwei Fliegen mit einer Klappe, denn Sie können ein passendes Tier raussuchen und haben direkt die passende Erklärung dazu.

Eine gute Antwort auf die Frage ist zum Beispiel:

„Ich wäre ein Fuchs, weil ich auch in schwierigen Situationen durch Nachdenken immer schnell eine praktikable Lösung finde.“

Auf keinen Fall sollten Sie dagegen antworten:

„Ich wäre eine Katze, weil ich dann den Großteil des Tages schlafen kann.“

Zu den persönlichen Fragen, die am häufigsten im Bewerbungsgespräch gestellt werden, gehören die folgenden:

„Welche Stärken haben Sie?“
„Welche Schwächen haben Sie?“
„Welche Soft Skills haben Sie?“

Bei einer richtig guten Antwort zählen Sie nicht nur verschiedene Eigenschaften auf, sondern nennen auch Beispielsituationen. Die Frage nach den Schwächen zielt darauf ab, zu prüfen, ob der Bewerber sich selbst reflektieren kann. Wichtig ist zu zeigen, dass Sie an Ihren Schwächen arbeiten. Eine gute Antwort auf die Frage “Welche Stärken haben Sie?” ist beispielsweise:

„Meine Zielstrebigkeit und Kommunikationsstärke waren mir bei meiner Arbeit im Vertrieb bereits oft nützlich. Ich konnte so manchen Kunden zurückgewinnen, der bereits abgewandert war. Die Gespräche mit den Kunden habe ich als Grundlage genutzt, um Verbesserungen im Qualitätsmanagement anzuregen.”

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Stressfragen

Mit Stressfragen bauen Personalentscheider Druck auf, um zu sehen, wie Sie in dieser Situation reagieren. Bei solchen Fragen gilt: ruhig bleiben und sachlich antworten. Ausreden helfen nicht weiter, stattdessen sollten Sie die Wahrheit möglichst positiv darstellen. Eine typische Stressfrage im Vorstellungsgespräch ist:

„Warum wurden Sie gekündigt?“

Die Frage ist leicht zu beantworten, wenn Sie unverschuldet Ihren Job verloren haben, wie bei einer betriebsbedingten Kündigung. In diesem Fall erklären Sie die Situation einfach ehrlich, zum Beispiel so:

„Das Unternehmen musste aus wirtschaftlichen Gründen Stellen abbauen. Leider war auch ich davon betroffen.“

Schwieriger ist die Frage zu beantworten, wenn Ihnen selbstverschuldet gekündigt wurde. Aber auch für diesen Fall gibt es Lösungen. Was Sie allerdings auf keinen Fall machen sollten: schlecht über das Unternehmen oder Ihre ehemaligen Vorgesetzten reden. Damit erwecken Sie zum einen den Eindruck, dass Sie uneinsichtig sind, zum anderen nehmen die Personaler dann berechtigterweise an, dass Sie auch über ihr Unternehmen zukünftig schlecht reden könnten. Stattdessen sollten Sie bei der Antwort Ihre berufliche Neuorientierung in den Mittelpunkt stellen:

„In der Vergangenheit hatte ich eine kurze Krise, was sich in meinen Leistungen niedergeschlagen hat, was ich heute sehr bedaure. Ich möchte mich beruflich verändern, um meine Fähigkeiten voll zu entfalten. Ich bin überzeugt, dass die Stelle in Ihrem Unternehmen sehr gut zu mir passt.“

Eine weitere typische Stressfrage im Vorstellungsgespräch ist:

„Warum haben Sie eine Lücke von … Monaten im Lebenslauf?“

Viele Lücken lassen sich schlüssig erklären, welche das sind, können Sie in unserem Ratgeber zum Schreiben des Lebenslaufs nachlesen. Ansonsten gilt: Haben Sie Mut zur Lücke, verleugnen Sie sie nicht, sondern versuchen Sie, die Lücke ins Positive zu drehen, zum Beispiel indem Sie erwähnen, dass Sie dadurch viel neue Kraft geschöpft haben – eine Auszeit wie ein Sabbatical nehmen sich heutzutage viele.

Vorstellungsgespräch Tipps
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Fangfragen

Auf Fangfragen fällt man schnell herein, denn sie klingen zunächst harmlos, haben es aber in sich. Dennoch müssen Sie sich keine Sorgen machen, denn wenn Sie sich das Ziel dieser Fragen bewusst machen, umschiffen Sie gekonnt jedes Hindernis. Eine der beliebtesten Fangfragen in Bewerbungsgesprächen lautet:

„Wie stehen Sie zu Überstunden?“

Viele Bewerber wollen es im Vorstellungsgespräch recht machen und bekräftigen deshalb, dass sie gerne zu Überstunden bereit sind – und schon sind sie in die Falle getappt. Denn eines sollten Sie auf diese Frage keinesfalls antworten:

„Mit Überstunden habe ich überhaupt kein Problem. Auch bei meiner letzten Stelle habe ich oft Überstunden gemacht.“

Die impliziert nämlich, dass Sie kein gutes Zeitmanagement haben, weil Sie die Arbeit nicht in der dafür vorgesehenen Zeit geschafft haben. Außerdem könnte Ihr Gesprächspartner den Eindruck gewinnen, dass Sie kein Durchsetzungsvermögen und kein intaktes Privatleben haben. Eine gute Antwort vermittelt, dass sie gut organisiert, aber auch flexibel sind:

Mit dem letzten Satz sagen Sie indirekt, dass Überstunden in einem gesunden Maß bleiben und ausgeglichen werden sollten, ohne dabei aber eine direkte Forderung zu formulieren. Das kommt gut bei Personalentscheidern an.

„Ich organisiere meine Arbeitsabläufe so, dass ich meine Aufgaben in der dafür vorgesehenen Zeit bewältigen kann. Allerdings weiß ich, dass in jedem Job immer einmal etwas Unvorhergesehenes passieren kann und Flexibilität erforderlich ist, um zum Beispiel für einen Kollegen einzuspringen. Herausforderungen spornen mich an. Das Thema Überstunden habe ich bereits meiner Familie besprochen und wir sind uns einig, dass es Phasen gibt, in denen mehr Zeit in den Beruf investiert werden muss, und Phasen, in denen mehr Zeit für das Private bleibt. Die Work-Life-Balance sollte stimmig sein.“

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Hypothetische Fragen

„Was würden Sie tun, wenn …“ – so oder ähnlich beginnen hypothetische Fragen oft. Mit diesen Fragen findet Ihr Gesprächspartner heraus, wie Sie in einer bestimmte Situation handeln würden, die so tatsächlich im Unternehmen eintreten könnte. Die Schwierigkeit bei solchen Fragen ist, dass es eine sehr große Bandbreite an möglichen Antworten gibt. Es gilt, eine herauszufiltern, die lösungsorientiert ist. Eine hypothetische Frage im Vorstellungsgespräch lautet beispielsweise:

„Was würden Sie tun, wenn es einen Konflikt im Team gibt?“

Unter Konflikten an der Arbeit leidet die Effizienz, außerdem können sie sich negativ aufs Betriebsklima auswirken. Deshalb sollten sie im Vorstellungsgespräch keinesfalls antworten:

„Ich würde den Konflikt ignorieren und mich weiter auf meine Arbeit konzentrieren.“

Berichten Sie stattdessen von einer Situation, in der Sie einen Konflikt gelöst haben. Dies muss nicht unbedingt an der Arbeit gewesen sein, sondern Sie können auch ein Beispiel aus einem Verein nehmen. Dabei sollten Sie Eigenschaften wie Einfühlungsvermögen und Kompromissbereitschaft hervorheben. Eine gute Antwort auf die Frage lautet zum Beispiel:

„In meinem Verein gab es einmal einen Konflikt unter zwei Mitgliedern. Ich habe zunächst mit beiden Parteien gesprochen und eine Mediation vorgeschlagen. Die Mitglieder waren einverstanden und haben bei dem Gespräch zunächst ihre Sicht der Lage vorgetragen, dabei habe ich darauf geachtet, dass sie sachlich blieben. Anschließend haben wir gemeinsam nach einem Kompromiss gesucht. Da ich gute Erfahrungen mit dieser Methode gemacht habe, würde ich sie bei einem Konflikt im Team anwenden.“

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Unzulässige Fragen

Manchmal stellen Personaler sogenannte unzulässige Fragen, die Bewerber nicht beantworten müssen. Hier gilt das Recht auf Privatsphäre. Bewerber haben sogar das „Recht zur Lüge“, wenn ihnen eine solche Frage gestellt wird – es sei denn, sie ist relevant für den Job. Eine unerlaubte Frage ist beispielsweise:

„Sind Sie schwanger?“

Diese Frage müssen Bewerberinnen in der Regel nicht wahrheitsgemäß beantworten. Aber es gibt Ausnahmen: Bringt die Stelle eine Gefährdung für die Schwangere oder das ungeborene Kind mit sich, muss die Frage wahrheitsgemäß beantwortet werden. Macht die Bewerberin das nicht, kann der Arbeitgeber den Vertrag im Nachhinein anfechten. Eine Schwangerschaft lässt sich allerdings auf Dauer nicht verbergen, so dass es oft günstiger ist, ausweichend auf die Frage zu antworten. Fliegt die Lüge später auf, kann dies das Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmerin stören. Eine kluge Antwort in diesem Fall ist zum Beispiel: 

„Falls mein Mann und ich doch noch irgendwann Kinder wollen, wird er eine berufliche Auszeit nehmen und sich um das Kind kümmern. Das haben wir so besprochen.“

Mehr über Fragen, die sie nicht beantworten müssen, erfahren Sie in unserem Ratgeber zu unzulässigen Fragen im Vorstellungsgespräch. Wenn Sie Unterstützung beim Schreiben der Bewerbung und weiteren Angelegenheiten in der Bewerbungsphase brauchen, hilft Ihnen unser Bewerbungsratgeber weiter.

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