Der Randstad Betriebsrat der Business Area North hat zum 5. Mal zur Veranstaltungsreihe „Talk & Lunch“ eingeladen. Zum Thema „Arbeitswelt 4.0. Digitalisierung im Betrieb“ diskutierten in Gelsenkirchen zahlreiche namhafte Experten, darunter auch Rainer Schmeltzer (SPD), Minister für Arbeit, Integration und Soziales in Nordrhein-Westfalen. Einig war man sich am Ende, dass in Deutschland mehr in Ausbildung und Bildung investiert werden müsse.

Digitalisierung als Chance verstehen

Die Digitalisierung und Technologisierung schreiten immer schneller voran. Prognosen, wie sich diese auf die Wirtschaftswelt und den Arbeitsmarkt auswirken werden, sind ganz unterschiedlich. Fest steht: Die Entwicklungen werden das Arbeiten verändern. Prof. Dr. Dr. Dieter Spath, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft, gab dazu einen Überblick und riet, die Digitalisierung als Chance zu sehen.

Breitbandausbau und digitale Aufrüstung der Schulen

Minister Rainer Schmeltzer stellte die Aktivitäten der Nordrhein-Westfälischen Landesregierung vor, bei denen schon beim Nachwuchs angesetzt wird. So geht es etwa beim Investitionsprogramm „Gute Schule 2020“, unter anderem auch um die zeitgemäße digitale Ausstattung der Klassenzimmer. Digitalisierung umfasse alle Lebensbereiche und alle Branchen; sie reiche tief hinein in das Privatleben der Menschen.

Aus Sicht des Ministers „genügt es deshalb auch nicht, das Thema nur unter dem Blickwinkel der Infrastruktur zu betrachten. Es geht insbesondere um faire und gute Arbeit 4.0, um die Einhaltung von Arbeitsschutz, Beschäftigungsdatenschutz und Gesundheitsschutz. Es geht um die Bezahlung von auskömmlichen Löhnen, trotz zunehmend ungleichmäßiger Arbeitsverteilung. Und es geht um Mitbestimmung der Beschäftigten in den Unternehmen.

Dafür hat die Landesregierung bereits viele wichtige Maßnahmen angestoßen und gestaltet den Prozess weiter gemeinsam mit den verschiedenen Ministerien, aber auch mit allen Sozialpartnern, der Wissenschaft sowie den Bürgerinnen und Bürgern. Ziel der Landesregierung sei es, „dass die Wirtschaft in NRW von der Digitalisierung profitiert und gleichzeitig die Beschäftigungsfähigkeit sowie die Teilhabechancen auf dem Arbeitsmarkt erhöht werden“.

Höchstarbeitszeit für mehr Zeitsouveränität

Wo schnelles Internet verfügbar ist, ist es in vielen Branchen bereits möglich, flexibel und ortsunabhängig zu arbeiten. Johannes Vogel, FDP-Generalsekretär in NRW, forderte dies auch in Sachen Arbeitszeitgesetz zu berücksichtigen. „Das Arbeitszeitgesetz passt so nicht mehr in die heutige Zeit, es ist 22 Jahre alt. Es schreibt zum Beispiel starre 11 Stunden Pause zwischen der letzten E-Mail am Abend und dem Arbeitsbeginn am nächsten Morgen vor. Wir sollten auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit umstellen und so allen mehr Selbstbestimmung durch Zeitsouveränität ermöglichen. Das könnte vor allem auch eine enorme Chance zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf sein."

Technologisierung erfordert Weiterbildungen

Technologisierung braucht aber auch Menschen, die damit umgehen können und wissen, wie sie die digitalen Kanäle effektiv nutzen. Dr. Christoph Kahlenberg, Leiter der Randstad Akademie, betonte deshalb die Wichtigkeit von Fort- und Weiterbildung im digitalen Zeitalter. Hier sollten Unternehmen dafür Sorge tragen, dass ihre Mitarbeiter wissen, wie sie mit den digitalen Kanälen und deren Inhalten umgehen.

„Die Arbeitgeber müssen ihre Mitarbeiter mitnehmen und die Voraussetzungen für kontinuierliches Lernen schaffen. Der Mitarbeiter selbst muss die Bereitschaft mitbringen, diesen Weg mitzugehen. Dann haben alle die Chance, unabhängig von ihrer Qualifikation, von der Digitalisierung zu profitieren“, so Dr. Christoph Kahlenberg.