Vor zwei Jahren klagte noch mehr als jedes zweite Unternehmen über zu wenige Bewerber. Inzwischen hat sich die Lage deutlich entspannt, zeigt die Randstad-ifo-HR-Befragung für das vierte Quartal 2025.

Nur noch etwas mehr als ein Viertel der Personal suchenden Betriebe berichtet von einem Mangel an Bewerbungen. Gleichzeitig bleiben HR-Pläne für 2026 zurückhaltend, und Neueinstellungen werden für viele Unternehmen teurer: Vor allem mittelgroße Betriebe zahlen neuen Mitarbeitenden spürbar mehr Gehalt.

Die zentralen Ergebnisse:

  • Nur noch 28 % der Personal suchenden Unternehmen verspüren einen Mangel an Bewerbern (zum Vergleich: 37 % im Jahr 2024 und 54 % in 2023)
  • 33 % berichten hingegen von keinerlei Engpässen im Recruiting
  • Kleinbetriebe (36 %) sind stärker betroffen – große Unternehmen (rund 10 %) spüren kaum Mangel
  • 24 % der Unternehmen rechnen 2026 mit einem steigenden Personalbestand, 25 % mit Rückgängen. Besonders in der Industrie ist Zurückhaltung zu erkennen: 36 % der Betriebe planen dort mit weniger Beschäftigten, nur 22 % erwarten einen Zuwachs.
Randstad Infografik zum Bewerbermangel (2023-2025)
Randstad Infografik zum Bewerbermangel (2023-2025)

Fachkräftemangel ade? Nicht unbedingt

Vor allem in den Bereichen Technologie  (11 %) sowie Handwerk, Logistik und Vertrieb (jeweils 9 %) fehlen Bewerber. Damit liegen sie deutlich vor anderen Branchen wie Gastronomie (4 %) oder Architektur/Bau (2 %). In technischen Berufen hat der Engpass im Vergleich zum Vorjahr sogar zugenommen (von 7 % auf 11 % der Nennungen).

Das bedeutet: Trotz abnehmendem Bewerbermangel bleibt die Personallücke in einigen spezialisierten Berufsgruppen erhalten. Unternehmen müssen also selbst bei insgesamt zurückhaltender Personalplanung in bestimmten Bereichen weiter aktiv um Talente konkurrieren – oftmals mit höheren Gehaltsangeboten.

Höhere Gehälter bei Neueinstellungen

Rund ein Viertel der Unternehmen verfügt 2026 bei Neueinstellungen über einen zusätzlichen finanziellen Spielraum – ähnlich viele wie im Vorjahr. Im Durchschnitt liegen die Gehälter für neue Mitarbeitende aber um 7,6 % höher als die der Bestandsbelegschaft (Vorjahr: 7,1 %). Besonders auffällig ist die Lage im Mittelstand: Unternehmen mit 250 bis 499 Mitarbeitenden kalkulieren inzwischen für Neueinstellungen mit einem Gehaltsaufschlag  von 10,2 % – fast doppelt so viel wie noch im Jahr zuvor.

„Die Entspannung beim Bewerbermangel täuscht leicht darüber hinweg, dass es in vielen Bereichen nach wie vor eng bleibt“, sagt Susanne Wißfeld, Geschäftsführerin bei Randstad Deutschland. „Unternehmen stellen selektiver ein – und greifen dort, wo es nötig ist, tiefer in die Tasche. Gleichzeitig bleiben die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen angespannt, was sich in der moderaten Lohnentwicklung insgesamt widerspiegelt.“

Nur moderates Lohnwachstum im Gesamtmarkt

Unabhängig von den Aufschlägen bei Neueinstellungen planen 77 % der Unternehmen für 2026 mit steigenden Löhnen. Die erwartete durchschnittliche Erhöhung liegt allerdings mit 3,8 % leicht unter dem Vorjahreswert (4,2 %). „Angesichts einer erwarteten Inflation von rund zwei Prozent bedeutet das einen moderaten realen Zuwachs – aber keine kräftige Lohnbewegung“, sagt Susanne Wißfeld. „In vielen Unternehmen zeigt sich damit eine Balance zwischen wirtschaftlicher Vorsicht und der Notwendigkeit, attraktiv zu bleiben.“

 

Über die Randstad-ifo-HR-Befragung

Die vorgestellten Ergebnisse stammen aus der Randstad-ifo-HR-Befragung, die quartalsweise durch das ifo-Institut im Auftrag des Personaldienstleisters Randstad durchgeführt wird. Sie erschien bisher unter dem Namen Randstad-ifo-Personalleiterbefragung. Die Studie befragt 500 bis 1000 Personalverantwortliche in deutschen Unternehmen unterschiedlicher Größe und Branchen. Die bisherigen Randstad-ifo-HR-Befragungen (bzw. vormals Personalleiterbefragungen) finden Sie auf unserer Webseite. Jetzt Randstad-ifo-HR-Befragungen ansehen.

Zur Person
Susanne Wißfeld
Susanne Wißfeld

Susanne Wißfeld

Geschäftsführerin Business Area North East + Business Innovations & Concepts

Susanne Wißfeld sammelte nach dem Abschluss ihres Biologiestudiums Vertriebserfahrung im pharmazeutischen Außendienst. Ihre Laufbahn bei Randstad begann sie 1999 als Vertriebsdisponentin in Köln. Ab 2005 verantwortete sie als Distriktmanagerin den Distrikt Rhein-Mitte, bevor sie ab 2008 als Regionaldirektorin für die Regionen Mitte und Nord-West zuständig war. 2011 trat Susanne Wißfeld in die Geschäftsführung ein und verantwortete über zehn Jahre die Business Area South West, bevor sie im September 2022 den Bereich Business Innovations & Concepts übernahm. In dieser Funktion verantwortet sie die Entwicklung und das Vorantreiben von Innovationen für den deutschen Markt sowie die Umsetzung zentraler Konzepte. Seit Dezember 2024 ist sie zusätzlich für die Business Area North East zuständig.