4 ¾ Tipps: Erfolgreich Talente vergraulen

Die wahren Werte erkennen – das ist die Kunst einer wirkungsvollen Talent-Förderung im Unternehmen. Wer Talente lieber wieder loshaben möchte, kommt mit kleinen kommunikativen Kniffen schnell zum Ziel. Ironie ist, wie die Formulierung dieser Tipps zeigt, der zuverlässigste darunter.

Die vorzeitige Entwaffnung. „Wir haben da im Unternehmen den Meister M. Der macht seit Jahrzehnten nichts anderes als das, was Sie gerade gelernt haben. Von dem können Sie sich garantiert noch einiges abschauen.“ Das hört sich am Ende eines erfolgreich verlaufenen Vorstellungsgesprächs nach großzügigem Wissenstransfer an. Das tatendurstige, erfolgshungrige Talent versteht: „Was Sie mitbringen mag ja an der Fachschule oder Uni ganz prima klingen. Aaaaaaber: Da gibt’s schon einen bei uns, der wird Ihnen erst einmal haarklein verklickern, wo’s langgeht. Werden Sie erst einmal so gut wie der, dann sehen wir weiter.“ Weil sich damit selbst bescheidene Hoffnungen auf Eigeninitiative zerschlagen, wird der erwartungsfrohe High-Potential seine Energie dann doch lieber andernorts zum Tragen bringen.

Das widerrufene Versprechen. „Ich weiß, ich hatte Ihnen einen freien Tag zugesagt. Aber leider brauche ich Sie jetzt doch, weil der Kunde XY kurzfristig zu Besuch kommt. Den kennen Sie einfach am besten.“ Derlei ist erlaubt. Einmal immer, zweimal kann vorkommen, beim dritten Mal wird’s kritisch, weil ein Prinzip erkennbar ist. Wobei freie Tage noch das kleinere Übel sind - verglichen mit beruflichen Perspektiven wie Zuständigkeiten, Mehrverantwortung oder Weiterqualifikation. Das Prinzip dahinter lautet „Ich verspreche gern etwas, solange es mich nichts kostet. Sobald ein Preis erkennbar wird, mache ich einen Rückzieher.“ Echte Talente erkennen daran, dass sie auf Dauer nicht mit Fortschritten, sondern mit weiteren Unwägbarkeiten und durchkreuzten Plänen rechnen müssen und ziehen von selbst den Schluss-Strich.

Das vergiftete Lob. „Das haben Sie prima hinbekommen. Für den Anfang ganz nett. Normalerweise machen wir das bei uns aber so…“ Da hat einer mal gehört, dass Loben bei den Mitarbeitern positive Energien freisetzt und sie zu mehr Leistung anstachelt. Das hat er verstanden und gleich ins Repertoire seines Baukastens „Führung für Fortgeschrittene“ übernommen. Vor lauter Freude übers frisch Gelernte spart er sich den zweiten Schritt: Wie man Vorschläge eines Mitarbeiters konstruktiv kanalisiert. Beim Talent kommt die Botschaft so an: „Hast du nicht kapiert, wie hier der Laden läuft – oder willst du nicht? Noch einmal und du bist raus.“ Da ist das Talent dann lieber gleich raus.

Die missbrauchte Nebensache. „Sie haben doch neulich diese Power-Point-Präsentation gemacht, die bei allen so gut ankam. Ich habe da ein Positionspapier, das ich übermorgen vorstellen soll. Bauen Sie mir doch auch etwas Hübsches. Das kostet Sie ja nur ein paar Minuten.“ Diese Sätze lassen sich rechtfertigen, wenn die angesprochene Person als PP-Spezialist im Unternehmen angestellt ist. In allen anderen Fällen signalisiert er: „Was du eigentlich machst, ist mir schnurz. Aber was du da im Office zusammen zauberst, macht mich richtig neidisch. Wenn du deine Ruhe haben willst, dann lass‘ mich gut aussehen.“ Wenn nicht gleichzeitig regelmäßig das tatsächliche Können und die Leistung des Talents angesprochen werden, kann man sich auch „Bitten“ sparen wie: „Sie sind doch mit einem Russen verheiratet. Können Sie das mal für mich übersetzen.“ Oder: „Auf dem Weg zur Bushaltestelle kommen Sie doch am Kiosk vorbei. Nehmen Sie für mich doch Wiwo, Gala und TV-Movie mit. Das Geld gebe ich Ihnen morgen.“ Wenn derjenige morgen wiederkommt.

Die Peitsche. Der eine macht lustvoll zeitlichen Druck, der andere tobt sich lautstark auf dem Trommelfell auch. Wieder andere legen die Latte für Erfolg unerreichbar hoch, strafen Fehler öffentlich und gnadenlos ab oder zerstören selbstherrlich Ideen ihrer „Untergebenen“. Funktioniert prima: Jenseits arbeitsrechtlicher Konsequenzen führen solche despotischen Extremhandlungen in den Ruin a) persönlicher Glaubwürdigkeit, b) anerkannter Führungspersönlichkeit, c) nachhaltiger Produktivität und d) des Unternehmens.