„Alle Aspekte ins Auge fassen“

12. Februar 2014

Wenn es um Datensicherheit und Schutz vor Wirtschaftskriminalität geht, helfen punktuelle Maßnahmen wenig. Es sind ganzheitliche Betrachtungsweisen gefragt, wie sie Dr. Henrike Postberg, Teammanager Social Affairs & Data Protection bei Randstad in Köln, im Interview erläutert.

Spionage und Sabotage als Formen von Wirtschaftskriminalität richten großen Schaden an. Welchen Stellenwert misst Randstad hier der Vorbeugung zu?

Dr. Henrike Postberg: Die Sicherstellung geeigneter Präventionsmaßnahmen zur Verhinderung von Wirtschaftskriminalität bildet für Randstad, insbesondere aufgrund unseres Dienstleistungsportfolios und unserer Marktposition, einen Hauptschwerpunkt unserer täglichen Arbeit. Sie zieht sich wie ein roter Faden durch sämtliche Unternehmensbereiche bei Randstad. Denn im Fall der Fälle hätten wir nicht nur den Schaden im eigenen Haus zu tragen, wir würden uns im Verhältnis zu unseren Geschäftspartner einem erheblichen Haftungsrisiko ausgesetzt sehen.

Müssen Sie den Aspekt besonders beachten, dass Randstad durch die Mitarbeiter im Kundeneinsatz letztlich „Fremde“ ins beauftragende Unternehmen bringt?

Dr. Henrike Postberg: Ja, insbesondere, wenn wir Mitarbeiter in sehr sensible Bereiche des Kundenunternehmens überlassen oder der Kunde schon aufgrund der Eigenart seines Betriebes hohen Sicherheitsstandards unterliegt. Dann werden in Abstimmung mit den Personalverantwortlichen des Kunden bereits für die Auswahl geeigneter Mitarbeiter entsprechende Kriterien festgelegt und notwendige Maßnahmen, wie Schulungen und Unterweisungen, vereinbart.

Was sind die Bereiche, die Sie besonders im Auge haben? Die IT? Oder eher die Produktion?

Dr. Henrike Postberg: Gemäß der Natur unseres Geschäfts „produzieren“ wir täglich personenbezogene Daten von Bewerbern, Mitarbeitern und Geschäftspartnern, womit sich Sicherheitsfragen zunächst auf den IT-Bereich unseres Hauses konzentrieren. Wenn man sich jedoch vor Augen hält, wie und wo es zu Wirtschaftskriminalität kommt, muss das Unternehmen in der Gesamtheit betrachtet werden.

Das bedeutet?

Dr. Henrike Postberg: Neben einer permanenten Mitarbeiteraufklärung können Maßnahmen, die nicht primär auf die Verhinderung von Wirtschaftskriminalität gerichtet sind, zusätzlich vorbeugen. Ich denke hier zum Beispiel an Führungsthemen wie die Motivation, die Zufriedenheit und die Bindung von Mitarbeitern. Ein Mitarbeiter, der sich mit seinem Arbeitgeber identifiziert und sich in seinem Unternehmen wohl fühlt, wird eher bestrebt sein, Gefahren für das Unternehmen abzuwenden.

Mit welchen Maßnahmen begegnen Sie dieser Herausforderung?

Dr. Henrike Postberg: Um unser Unternehmen vor kriminellen und schadhaften Angriffen zu schützen, haben wir mit einer Reihe von Sicherheitsprogrammen und Guidelines sehr hohe Standards definiert. Auf deren Einhaltung werden unsere Mitarbeiter bereits mit Unterzeichnung des Arbeitsvertrages und dann regelmäßig durch Schulungen auf die Themen Antikorruption, Code of Conduct, IT-Sicherheit, Datenschutz und fachbereichsspezifisch verpflichtet. Darüber hinaus beschäftigt sich für die gesamte Randstad Gruppe das interne Projekt „IRIS („Initiative for Randstad's Improved Security“) mit Inhalten zum Thema Sicherheit bei Randstad, das durch einen nationalen Sicherheitskoordinator betreut wird.

Welche Rolle spielt Datenschutz vor diesem Hintergrund? Immerhin verfügt Randstad mitunter über wertvolle Informationen zu Strukturen und Prozessen seiner Kunden ...

Dr. Henrike Postberg: Nicht nur durch die steigenden gesetzlichen Anforderungen sondern auch dem Anspruch als Marktführer, dieses Thema für unsere Kunden und Geschäftspartner zu professionalisieren, nimmt der Datenschutz inzwischen eine bedeutende Rolle bei Randstad ein. Eine Reihe getroffener Maßnahmen ist durchaus erwähnenswert, da wir uns hiermit deutlich vom Markt abheben. Randstad ist seit 2011 aktives Mitglied in der Gesellschaft für Datenschutz und Datensicherheit (GDD). Hier nutzen wir den Austausch mit anderen Mitgliedern, um Ansätze für strategische und tagesgeschäftsrelevante Fragestellungen im Umgang mit personenbezogenen Daten zu finden.

Lassen Sie das auch extern prüfen?

Dr. Henrike Postberg: Ebenfalls 2011 entschloss sich die Geschäftsführung, alle Randstad Prozesse, in denen Geschäftskunden-, Mitarbeiter- und Bewerberdaten verarbeitet werden, extern durch den TÜV Rheinland überprüfen und zertifizieren zu lassen. Aus der Datenschutzanalyse ergab sich die Gewissheit für uns und unsere Kunden, dass alle Prozesse datenschutzkonform gestaltet sind. Die Überprüfung findet nun regelmäßig alle zwei Jahre statt.

ZUR PERSON

Dr. Henrike Postberg (34) ist Volljuristin und seit 2007 bei Randstad Deutschland beschäftigt. Seit 2010 ist sie betrieblich bestellte Datenschutzbeauftragte.

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