Betriebsruhe: Verordnete Ferien machen wenig Laune

5. März 2013

Maximale Regelungswut und organisatorische Einschränkungen lassen den Wert eines ausschließlich an betrieblichen Bedürfnissen orientierten Urlaubs gegen Null gehen. Betriebsferien gehören in dieses Spektrum. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt.

Zeiten, in denen erfahrungsgemäß das Telefon schweigt, Lieferanten und Dienstleister im Urlaub sind und Kunden an alles Mögliche denken, aber nicht an neue Aufträge, werden gern zum pauschalen „Zusperren“ genutzt. Häufig geschieht dies im Hochsommer, fast immer zwischen Weihnachten und Neujahr. Wer diese Pause nicht gerade für die Inventur nutzen will, für den lohnt es sich im Zweifelsfall, den Betrieb ganz zu schließen – um mit der gesamten Mannschaft voll einsatzfähig zu sein, wenn das Geschäft im neuen Jahr wieder an Fahrt aufnimmt.

Mitspracherecht für den Betriebsrat

Doch kann man als Arbeitgeber einfach beschließen, dass alle Mitarbeiter in den Urlaub gehen? „Gibt es einen Betriebsrat, müssen Betriebsferien mit diesem abgestimmt werden. Er hat ein Mitspracherecht sowohl zu der Frage, ob überhaupt und auch wie lange der Betrieb geschlossen wird“, so Anne Kronzucker, Rechtsexpertin der D.A.S. Rechtsschutzversicherung.

Auch in Firmen ohne Betriebsrat empfiehlt sich ein informelles Verfahren, in dem solche Betriebsferien kommuniziert, nicht diktiert werden. Außerdem sollte der Betriebsurlaub nur einen Teil des Jahresurlaubs der Mitarbeiter umfassen und bereits zu Beginn des Urlaubsjahres festgelegt sein, so dass die Arbeitnehmer Planungssicherheit haben. Auf jeden Fall ist der Umfang der angeordneten Urlaubstage begrenzt. Das Bundesarbeitsgericht etwa sieht eine Obergrenze bei drei Fünfteln der zustehenden Urlaubszeit – der Rest müsse frei verfügbar bleiben.

Kein Vorgriff aufs kommende Jahr

Problematisch wird es dann, wenn der Arbeitnehmer schon seinen Jahresurlaub komplett genommen hat und das Unternehmen kurzfristig entscheidet, zum Jahresende noch Betriebsferien abzuhalten, z. B. weil die Auftragslage dazu einlädt. Dann kann nämlich nicht den betroffenen Arbeitnehmern sozusagen im „Vorgriff“ Urlaub des folgenden Jahres auf diese Ferien angerechnet werden. Denn laut Bundesurlaubsgesetz ist Urlaub grundsätzlich an das Kalenderjahr gebunden.

Software erleichtert die Organisation

Ein Einstiegs-Werkzeug in eine Urlaubsplanung, die wenigstens auf der organisatorischen Seite einige Hürden beseitigt, liefern inzwischen diverse Softwarehersteller: Digitale Helfer für die Urlaubsplanung gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Sie machen für die Verantwortlichen zwar die Arbeit leichter und übersichtlicher. Sie bieten aber nach wie vor keine Lösung für die (zwischen)menschlichen Aspekte dieser Aufgabe. Weitere Tipps finden Sie auch unter "Wissen kompakt: Urlaubspläne – gefährlicher Streichfaktor"

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