Es passt zu uns, darum machen wir das

2. November 2016

Beim Outdoor-Ausstatter Vaude sind Nachhaltigkeit und Familienfreundlichkeit oberste Maximen. Wie das glaubwürdig in die Tat umgesetzt wird, erklärt im Interview Miriam Schilling, Head of Human Ressources bei Vaude Sports in Tettnang.

Bei einem Anbieter im Outdoor-Sektor erwartet man Themen wie Natur und Nachhaltigkeit fast automatisch in der Öffentlichkeits-Darstellung. Wo verläuft für Vaude die Grenze zwischen Marketing und Selbstverständnis?

Schilling: In der öffentlichen Wahrnehmung mag das so scheinen. Aber in der Praxis ist Nachhaltigkeit alles andere als ein Automatismus. In vielen Firmen ist es nach wie vor ein Randthema, das punktuell bedient wird. Bei uns kommt Nachhaltigkeit aus dem tiefsten Selbstverständnis. Der Wunsch, einen sinnvollen Beitrag für Mensch und Natur zu leisten, treibt uns an. Ökologische und soziale Verantwortung ist bei Vaude tief verwurzelt und spielte schon bei unserem Firmengründer Albrecht von Dewitz eine wichtige Rolle. Seit seine Tochter Antje von Dewitz 2009 die Leitung übernahm, verfolgen wir eine ganzheitliche Nachhaltigkeitsstrategie, die in allen Unternehmensbereichen gelebt wird. Unsere Mitarbeiter gestalten diesen Weg voller Überzeugung und Leidenschaft mit.


Umweltthemen sind nur ein Teil des Wertekanons, mit dem ein modernes Unternehmen heute arbeitet. Welche weiteren Werte spielen für Vaude eine wichtige Rolle?

Schilling: Der größte Wert hier im Unternehmen ist das Vertrauen. Das gilt intern untereinander, aber auch nach außen zu unseren Geschäftspartnern. Wir unterstützen das durch flache Hierarchien und hoher Transparenz, zum Beispiel bei den Gehaltsstrukturen, ohne das gleich auf den Euro genau freizulegen. Auch die Berichte aus der Geschäftsführung gehen ungefiltert an Führungskräfte und Mitarbeiter, da wird nichts geheim gehalten. Zum Vertrauen gehört als zweiter wichtiger Wert der Respekt – für alle Menschen und unsere Umwelt.


Sie gelten auch als ausgesprochen familienfreundlich. Wie tief geht das?

Schilling: Sehr tief. Schon deshalb, weil wir ein familiengeführtes Unternehmen sind. Unsere Chefin hat selbst vier Kinder; als sie hier die Verantwortung übernahm, hat sie gleich unser „Kinderhaus“ gegründet. Dort können alle Mitarbeiter Betreuungsangebote für Kinder von 6 Monaten bis 10 Jahren anrufen, mitten auf dem Firmengelände. Die Nachfrage ist rege. Voriges Jahr hatten wir 29 Geburten bei 500 Mitarbeitern.


Eine hohe Zahl. Wie gehen Sie mit den Rückkehrern um?

Schilling: Das ist in der Tat eine große Herausforderung. Denn die meisten Mütter – wir haben übrigens auch einige Väter, die Elternzeit nehmen – ziehen bei der Rückkehr eine Teilzeitbeschäftigung vor. Das ist organisatorisch sehr anspruchsvoll und für ein mittelständisches Unternehmen mitunter ein richtiger Spagat! Aber es passt zu uns und darum machen wir das auch. Wir arbeiten hier mit fast jedem Arbeitszeitmodell, das man sich vorstellen kann, um uns auf individuelle Wünsche einzustellen.


Das klingt sehr fürsorglich-familiär…

Schilling: Familienfreundlichkeit ist kein Projekt. Das ist eine Einstellung. Sie spiegelt sich in der Führung und im Umgang miteinander. Wir sehen den Menschen nicht nur als Arbeitskraft, sondern ganzheitlich. Man passt aufeinander auf und achtet auch die Familie der Mitarbeiter, so entsteht ein echtes Gemeinschaftsgefühl. Es ist ganz normal, dass hier jemand seine Angehörigen in die Firma mitbringt. Ich selbst habe heute mit meiner Mutter hier zu Mittag gegessen.


„Ganzheitliche“ Sicht des Menschen – ist das nicht mindestens so anspruchsvoll wie Nachhaltigkeit?

Schilling: Keine Frage. Aber gar nicht so schwierig, wie manche glauben. Wir sind zum Beispiel sehr aktiv auf unserer internen Kommunikationsplattform, die ähnlich aufgebaut ist wie Social Media Kanäle. Das ist offen für jeden und für alle Themen – und für Kritik. Darin, dass das funktioniert, spiegeln sich auch die Werte Respekt und Transparenz.


Wie kommunizieren Sie dieses Wertegefüge an die Mitarbeiter? Lässt sich so etwas auch lernen, schulen, trainieren?

Schilling: Wir glauben an den Y-Menschen, diese junge, aktive, gestaltungswillige Generation. Die bringt die besten Voraussetzungen mit, um Unternehmenswerte mit Leben zu füllen. Die braucht man keine Regeln auswendig lernen lassen.


Was erwarten Sie von Mitarbeitern an Eigeninitiative auf diesem Gebiet, wie viel können oder müssen Sie als Arbeitgeber vermitteln?

Schilling: Wir sehen das so, dass ein Arbeitgeber gute Rahmenbedingungen schaffen muss, um gutes Arbeiten möglich zu machen. Und wir müssen Spielräume bieten, in denen sich jeder optimal entfalten kann. Das fängt - von organisatorischen Einschränkungen in der Produktion und Logistik einmal abgesehen - bei der individuellen Gestaltung des Arbeitsplatzes an. Unter diesen Umständen entwickelt sich unsere Wertewelt sehr gut.


Welche Rolle spielen bzw. welche Aufgaben haben Vorgesetzte in diesem Zusammenhang?

Schilling: Jede Führungskraft ist verantwortlich dafür, dass die passenden Rahmenbedingungen geschaffen und gehalten werden. Sie entwickelt auch die geeigneten Strategien zusammen mit ihrem Team. Aber wenn Sie auf die Vorbildrolle abzielen, die in diesem Zusammenhang gern angeführt wird: Bei Vaude sollte jeder ein Vorbild sein, nicht nur Führungskräfte. Denn beim Thema Nachhaltigkeit kommen wir nur voran, wenn sich alle einbringen.


Wie wichtig ist diese Ausrichtung für das Recruiting und dessen Nachhaltigkeit?

Schilling: Fast jede Initiativbewerbung, die wir erhalten, führt als Grund unsere Ausrichtung und unsere Werte an. Genau deswegen wollen Menschen bei uns arbeiten, obwohl Tettnang kein metropoler Hotspot ist. Ich denke, das spricht für sich.


Gibt es eine „Vaude-Formel“ mit der Sie sich im Bereich Nachhaltigkeit, Werte, Familienfreundlichkeit von anderen unterscheidbar machen?

Schilling: Wer wir sind und wie wir als Unternehmen leben und arbeiten, das ist inspiriert und getrieben von unserer Überzeugung, für Mensch und Natur verantwortlich zu sein. Antje von Dewitz, die diese Werte selbst sehr authentisch lebt, spielt dabei eine wichtige Rolle. Unsere Mitarbeiter schätzen an Vaude, dass sie sie selbst sein dürfen und mit ihrer Aufgabe einen sinnvollen Beitrag leisten können, der über unser Unternehmen hinausgeht. Damit schaffen wir eine hohe Lebensqualität am Arbeitsplatz, ein Klima, in der jeder einzelne Mitarbeiter seine Fähigkeiten voll entfalten kann. Das macht wirklich Freude. Lesen Sie es doch einfach mal bei http://arbeiten-bei-vaude.de/ nach, dem Blog unserer Mitarbeiter.

Infos zur Person Miriam Schilling

Miriam Schilling

Miriam Schilling ist seit Herbst 2015 „Head of Human Resources" bei Vaude Sport in Tettnang. Zuvor war sie bei einem medizinischen Versorgungsdienstleister tätig. In ihrer Position berichtet sie direkt an die Vaude-Geschäftsführerin Antje von Dewitz. Der Outdoor-Ausrüster Vaude wird als modernes Familien-Unternehmen geführt. Der nach eigenen Angaben umweltfreundlicher Outdoor-Ausrüster beschäftigt derzeit rund 500 Mitarbeiter.

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