Faktor Mensch vs. Faktor Papier

16. Januar 2015

Mit der Einführung von Energiemanagementsystemen soll der ressourcenschonende Umgang von Unternehmen mit Energie gefördert werden. Das Beispiel zeigt, wie wichtig Zertifizierung für Firmen auch in anderen Bereichen ist.

Weltweit haben sich bereits knapp 7.500 Unternehmen nach DIN EN ISO 50001 zertifizieren lassen, davon allein 3.500 in Deutschland. Die Norm hilft nachzuweisen, dass das Energiemanagementsystem einer Firma regelkonform arbeitet. Nach einer Auswertung des Verbands der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft, VIK, haben ein Viertel der Unternehmen ein Energiemanagementsystem nach der DIN EN ISO 50001 eingeführt und erfolgreich zertifiziert, Tendenz steigend.

Von einer Norm für die andere lernen

Gerald Menzler, Referent für Industrielle Energieversorgung beim VIK, führte dies beim TÜV NORD-Energieforum 2014 auf die Synergieeffekte zurück, die sich für Unternehmen ergeben, die bereits ein Qualitätsmanagementsystem nach DIN EN ISO 9001 implementiert haben. „Die Prozesse ähneln sich, was für die Nutzer oft einfacher ist, als sich in ein komplett neues System einzuarbeiten. Aber auch Nachhaltigkeitsaspekte werden immer wichtiger.“

Zertifizierungen wie DIN EN ISO 50001 gibt es für so gut wie jeden Unternehmensbereich. Sie dokumentieren grundsätzlich Managementsysteme in Unternehmen – im Kleinen wie im großen Ganzen. Werden sie unter die Lupe genommen, befassen sich die Prüfer von Zertifizierungs-Dienstleistern wie dem TÜV Nord oder dem TÜV Rheinland, so genannte Auditoren, nicht mit dem konkreten Produkt oder der technischen Anlage eines Unternehmens. Sie prüfen nicht die Sicherheit oder Funktionalität von Kinderspielzeug, Industrieanlagen, Autos oder Solarmodulen.

Konstante Qualität gewährleisten

Der Fokus liegt vielmehr auf den Prozessen und Systemen, die hinter dem Endprodukt stehen. Denn: Sind diese Prozesse und Systeme zielgerichtet organisiert – wie z.B. auf Basis der international anerkannten Qualitätsmanagementnorm ISO 9001 – wirkt sich das positiv auf die Arbeit eines Unternehmens aus und ist in der Regel eine wichtige Voraussetzung, um konstant gleiche Qualität von Produkten und Dienstleistungen zu gewährleisten und diese zu verbessern. Der Faktor Mensch spielt daher bei der Zertifizierung eine größere Rolle als der Faktor Papier.

Hat ein Unternehmen ein Managementsystem eingeführt, kann es dieses von Einrichtungen wie dem TÜV prüfen lassen. Nach erfolgreichem Prüfverfahren erhält es ein Zertifikat und ein Prüfzeichen. Die Prüfung und Zertifizierung von Managementsystemen werden einerseits nach national oder international anerkannten Normen (ISO/EN/DIN) vorgenommen, andererseits nach selbst entwickelten Prüfstandards des jeweiligen Dienstleisters - beispielsweise für Servicequalität oder nachhaltige Unternehmensführung.

Unternehmen sind besser koordiniert und effizienter

Standards und Normen wie etwa die weltweit gültige ISO 9001 für Qualitätsmanagement bieten Unternehmen eine professionelle Möglichkeit, Systeme und Prozesse zu implementieren und kontinuierlich zu verbessern. Ein Unternehmen, das seine Managementsysteme auf Basis von Standards und Normen aufgebaut hat, arbeitet in der Regel koordinierter, effizienter, sicherer und planvoller an der Umsetzung seiner definierten Ziele.

In vielen Branchen werden heutzutage einheitlich Standards erwartet, die eine hohe Sicherheit und Qualität in Produktions- und Lieferketten gewährleisten. Dies ist insbesondere dann zusätzlich relevant, wenn es sich um Branchen handelt, die international stark vernetzt arbeiten und über entsprechende Wertschöpfungsketten verfügen. Hier liefert das Zertifikat die Arbeitsgrundlage für heute und den Kurs für morgen zugleich.

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