Feedback: Übung macht den Feedback-Meister

Zwischen erfolgreichen und gescheiterten Kritikgesprächen liegt vielfach nur ein Mangel an Struktur und Training im Umgang mit Fehlern oder Irritationen.

Feedback

„Feedback braucht persönlichen Raum.“ So lässt sich in einem Satz zusammenfassen, was Nadine Krauss und Florian Rustler im aktuellen Ratgeber „Future Fit Company“ für eine fortschrittliche Feedback-Kultur empfehlen. Anders als bei formalen Rückmeldungen oder solchen, die per Mail oder auf anderem technischen Weg kommuniziert werden, lassen sich aus ihrer Sicht dabei Missverständnisse am besten vermeiden oder ausräumen.

Angst vor Konfrontation

Ihren Lesern liefern die beiden Berater – Krauss zudem noch Volljuristin – einen praxisnahen Leitfaden, der Führungskräften die Angst vor der Konfrontation nehmen soll. Denn darin besteht aus Sicht der Autoren ein wesentliches Hindernis auf dem Weg zur konstruktiven Auseinandersetzung mit Kritik: „Mit gewöhnlichem Feedback und dem Aufdecken von Unzulänglichkeiten wird Macht verbunden und gelebt“, schreiben sie. „Die Angst sitzt tief, dass wir angegriffen werden und alles auf uns zurückfällt.“

Gespräche schrittweise anlegen

Solche Konflikte bauen sich, so die Erfahrung von Krauss und Rustler, vor allem dann auf, wenn die Beteiligten ihre Auseinandersetzung unstrukturiert angehen. Wie ein roter Faden ziehen sich daher Empfehlungen durch das Buch, wie Kommunikation, Diskussion und – bei Bedarf – auch Konflikte so angelegt werden, dass sie schrittweise ablaufen. Dabei brechen sie aus dem bekannten Checklisten-Schema aus und bauen lieber auf Erkunden, Erklären und Erfahrungen machen. Dabei betrachten sie nicht nur Feedbackgespräche, sondern zum Beispiel auch Gehaltsmodelle oder Kreativprozesse.

Räume gestalten Gespräche

So, wie sich Unternehmen heute beim Gestalten und Anordnen von Arbeitsplätzen an neuen Strukturen orientieren, empfehlen die beiden Autoren dies auch für die Führungs- und Kommunikationskultur. Sie gliedern den Betrieb, die Abteilung, das Team in mehrere Räume: „Individuell“, „Zwischenmenschlich“, „Strukturell“ und „Operativ“. Ihren Lesern geben sie dazu ein gedrucktes Navi an die Hand. Sie schaffen Orientierung in vermeintlich unauflöslich verwobenen Strukturen und liefern praktische Anleitung, wie sich voneinander trennen lässt, was man auch getrennt betrachten sollte. 

Kommunikation legt die Grundlagen

So entwickelt sich aus einem Fallbeispiel ein Leitfaden: Im Kundengespräch kommen Zweifel auf, ob bei Ausfällen die Termine zu halten sind. Die Kundin hatte damit wegen Schwangerschaften im eigenen Team zu kämpfen. Der männliche Berater will die Sorge entkräften und verspricht, notfalls werde er einspringen. Die weibliche Beraterin empfindet sich durch diese Bemerkung als „Ausfallgefahr“. Im Teammeeting gehen anschließend beide dem Problem auf den Grund – und entdecken die Wurzel unter anderem in ihrem Kommunikationsverhalten. 

Gemeinsame Sprache hilft

„Wir brauchen die Fähigkeit, eine gemeinsame, wertungsfreie und aufrichtige Sprache zu sprechen, sowie die Fähigkeit, auch Dinge aktiv und ehrlich anzusprechen,“ resümieren die Autoren. Mit den Trainingsplänen, die sie für unterschiedliche, alltägliche Anlässe und Prozesse an die Hand geben, mögen sie nicht allen Eventualitäten vorbeugen. Aber sie helfen, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, woran es hakt.

Wertschätzung macht den Unterschied

Grundsätzlich raten Krauss und Rustler als Experten für innovative Formen der Zusammenarbeit, beim Feedbackgeben immer auf eine Atmosphäre der Wertschätzung zu achten und positives und negatives Feedback zu kombinieren. Oberster Leitsatz ist dabei immer: „Der Ton macht die Musik.“ Bei der Frage, wie persönlich das Feedback geben werden darf, kommt es auf Faktoren wie die Teamstruktur und Offenheit an, aber auch, wie groß die Routine im Feedbackgeben schon ist. Übung sei mithin zentral, um solche Situationen zu meistern.

INFO
Future Fit Company – Individuelle Trainingspläne für Macher, Entscheider und Veränderer. 224 Seiten, Verlag Murmann – Haufe. ISBN 978-3-648-12559-5