Gute Fehlerkultur vermeidet Schuldzuweisungen

Die Furcht vor Strafe oder Bloßstellung verhindert vielfach einen gewinnbringenden Umgang mit Fehlern. Durchdachte Vermeidungsstrategien helfen, derlei zu vermeiden.

Fatalismus bei Fehlern wirkt verhängnisvoll

Ich irre, also bin ich, schrieb Augustinus, und Benjamin Franklin war der Meinung, die Geschichte der menschlichen Irrtümer sei interessanter als diejenige ihrer Erfindungen; doch wenn wir uns irren und Fehler machen, ärgern wir uns und fühlen uns peinlich berührt. Am unangenehmsten sind uns die Fehler, die uns geschäftlich unterlaufen, denn auf dieser Ebene ist das Publikum in der Regel größer als im privaten Kreis. Dass diese Einstellung verhängnisvoll ist, demonstriert Jan Hagen in seinem Buch „Fatale Fehler“ auf faszinierende Weise anhand einschlägiger Beispiele aus der zivilen und militärischen Luftfahrt. Ebenso eindrucksvoll beschreibt er, wie dort nach und nach ein einschlägiges Fehlermanagement entwickelt wurde, die Widerstände, die auf dem Weg dahin überwunden werden mussten, und die langsame aber letztlich erfolgreiche Generierung jener sachlichen, fehlerdiagnostischen Kultur, die heute jedes moderne Unternehmen braucht.

Sicherheits- und Gesundheitskultur hilft Fehler vermeiden

Vom Führungsstil des Chefs ist auch der Umgang der Mitarbeiter mit Fehlern abhängig. Diese Aussage hebt der Branchenreport Handel 2016 der DAK-Gesundheit und der Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik hervor. Wenn eine gute Fehlerkultur vor herrsche, müsse niemand Fehler verschweigen. Tatsächlich meldet aber jeder siebte Mitarbeiter Unfälle oder Beinaheunfälle nur widerwillig, weil er befürchten muss, für Fehler beschuldigt zu werden. Die Art der Mitarbeiterführung und der Umgang mit Fehlern sind aus Sicht von DAK und BG entscheidende Aspekte der Sicherheits- und Gesundheitskultur. Sie seien fast ebenso wichtig für eine positive Unternehmenskultur, wie der Stellenwert, den Sicherheit und Gesundheit im Betrieb genießen. Ein hoher Stellenwert beeinflusst die Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten stärker positiv als der Schulabschluss oder das Alter.

„Aus Fehlern lernen" wie Mediziner

Durch einen offeneren Umgang mit Fehlern soll die Patientensicherheit erhöht werden - das ist das Ziel des seit 2005 bestehenden Aktionsbündnisses Patientensicherheit. Gemeinsam mit dem Bundesgesundheitsministerium, der Bundesärztekammer und dem AOK-Bundesverband hat das Bündnis die Publikation „Aus Fehlern lernen“ entwickelt. In der Broschüre schildern 17 Autorinnen und Autoren aus ärztlichen, pflegerischen und therapeutischen Berufen Situationen, in denen ihnen Fehler unterlaufen sind. Sie legen dar, was sie selbst aus den Fehlern gelernt haben und inwieweit andere daraus lernen können. Ihre Erfahrungen lassen sich weitgehend direkt auf Betriebe anderer Branchen übertragen.

Stiftung sammelt und analysiert Bürokratie-Fehler

„… das Sichtbarmachen konkreter Bürokratie-Erlebnisse befördert eine konstruktive Fehlerkultur und stellt den Schlüssel zu allen Bürokratie-Problemen dar“, sagt Till Bartelt, Vorstand der gemeinnützigen Werner-Bonhoff-Stiftung in Berlin. Diese motiviert unternehmerische Menschen durch ihr Mitmach-Projekt „bureaucratic transparency“ schon seit dem Jahr 2005, mit ihren Erfahrungen eine Bürokratie-Therapie anzutreiben. Der von der Bundesregierung eingesetzte Normenkontrollrat zum Abbau von Bürokratie bedient sich inzwischen der Bonhoff-Methode und will das Bürokratie-Erlebnis der Bürger als kostbaren Rohstoff nutzen. Die Qualitätskontrolle der staatlichen Verwaltung dürfe dem Staat erfahrungsgemäß nicht allein überlassen bleiben: Aus diesem Grund ist es das Anliegen der gemeinnützigen und in jeder Hinsicht unabhängigen Stiftung, nachhaltige Konflikttransparenz zu schaffen. Das geschieht durch die Fallschilderungen, die überprüft und allgemein in der Online-Fallsammlung zugänglich gemacht werden. Sie dokumentieren bürokratische Hürden aus der unternehmerischen Praxis. Die Darstellungen dienen als Lehr- und Anschauungsmaterial sowohl für den unternehmerischen Nachwuchs als auch für Politik und Verwaltung.