Hochsensibilität ist keine Krankheit

8. November 2017

Der Grad zwischen Leistungsdruck und Überlastung ist schmal – noch viel schmäler bei Menschen, die hochsensibel sind.

Hochsensibilität ist keine Krankheit

Circa 20 Prozent der Weltbevölkerung sind hochsensibel. Hochsensibilität bedeutet, dass manche Menschen Sinnesreize und Emotionen viel stärker wahrnehmen als andere. Diese sogenannten Reizüberflutungen werden ausgelöst durch die verstärkte Wahrnehmung von Geräuschen, Düften und Lichteinwirkungen. Schwer vorstellbar für diejenigen, die nicht davon betroffen sind. Deshalb werden Hochsensible fälschlicherweise oft als überempfindlich, zartbesaitet, Mimosen oder gar als psychisch krank dargestellt. 

In der Psychologie und Medizin hingegen spricht man bei Hochsensibilität von einem Persönlichkeitsmerkmal. Birgit Trappmann-Korr, Sozialpsychologin, erklärt es beispielsweise so: „Hochsensible Personen nehmen mehr Informationen aus der Umwelt auf und das zudem in tieferer Qualität.“ Vergleichbar mit einem Computer – je größer die Menge an zu verarbeitenden Daten, desto höher die Leistungserbringung. Bei Hypersensiblen besteht dabei die Gefahr, dass sie aus genau diesem Grund schneller überlastet sind als Nicht- Betroffene.  

Ein weiteres Merkmal ist Empathie – die Fähigkeit, Gefühle anderer intensiv wahrzunehmen. Oftmals auch ohne ein einziges Wort mit ihrem Gegenüber gesprochen zu haben. Sie können die Gefühlslage anderer bereits beim Betreten eines Raums wahrnehmen, oft reicht schon ein einziger Blick auf die andere Person. Das kann so stark ausgeprägt sein, dass sie die Emotionen ihrer Mitmenschen wie ein Schwamm aufsaugen. Sie lassen sich schnell von schlechten Stimmungen herunterziehen oder können die eigenen Gefühle von denen anderer nicht trennen. 

Mit Esoterik und besonderen Gaben hat das wenig zu tun. Die Medizin belegt, dass die Bereiche, die im Gehirn der Sinnesverarbeitung dienen, bei hochsensiblen Menschen stärker ausgeprägt sind und aktiver arbeiten als bei Nicht-Betroffenen. 

Was kann ich tun?

Sie kennen jemanden, der hypersensibel ist? Dann ist es wichtig, die Diagnose zu akzeptieren und im Alltag zu berücksichtigen. Das bedeutet nicht, dass Betroffene mit Seidenhandschuhen angepackt werden müssen. Man muss ihnen lediglich den Raum zum Rückzug gestatten, um notwendige Ruhepausen von den alltäglichen Reizüberflutungen zu gewähren. Betroffenen helfen wiederum Meditation und Entspannungstechniken, die sich einfach im Alltag unterbringen lassen.

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