Ingenieure werden zur kostbaren Ressource

31. Juli 2012

Angesichts des wachsenden Mangels an verfügbaren Ingenieuren sind Unternehmen gefordert, neue Wege einzuschlagen, um sich deren Ideen- und Wissens-Potenziale verfügbar zu machen.

Zertifikatslehrgangs Windenergietechnik

Der 16. Juni 2012 geht in die Geschichte des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) ein. An diesem Tag haben die ersten Teilnehmer des Zertifikatslehrgangs Windenergietechnik ihre Abschlussprüfung absolviert. Sie dürfen jetzt den Titel „Fachingenieur Windenergietechnik VDI“ tragen. „Ich habe viel in den verschiedenen Modulen gelernt, obwohl ich aus diesem Bereich komme. Der Lehrgang ist sehr niveauvoll – auch für Fachleute“, berichtete Athanasios Dafnis, Oberingenieur am Institut für Leichtbau von der Technischen Hochschule Aachen. Neben Dafnis haben noch sieben weitere Ingenieure an der Prüfung teilgenommen. „Wir sind stolz auf unsere ersten Absolventen des Lehrgangs.“, berichtet Timo Taubitz, Geschäftsführer des VDI Wissensforums. „Sie haben sich dem hohen Niveau gestellt und alle Teilnehmer haben die Prüfung bestanden“.

Das ist auch gut so, denn nach Leuten wie Dafnis wird am Markt gerade intensiv gesucht. In Deutschland weht ein frischer Wind. Mit der Energiewende haben die Erzeugung von Strom aus regenerativen Quellen und die Produktion der dafür nötigen Technik einen zusätzlichen Schub bekommen. So kräftig fällt er mitunter aus, dass die betreffenden Unternehmen sich auf einmal einem unerwarteten Engpass ausgesetzt sehen: Es mangelt an erfahrenem technischen Personal, der Bedarf an kundigen Ingenieuren wächst mit jeder Bö. Eine Erfahrung, die auch in anderen Branchen um sich greift und nach neuen Lösungen bei dieser Form von Personalmangel verlangt. Zumal sich die Lage am Markt in absehbarer Zeit nicht entspannen, sondern eher weiter zuspitzen wird.

Die Fakten: In Deutschland sind 1,6 Millionen Ingenieure erwerbstätig. Allerdings ist nur etwa die Hälfte der Ingenieure in einem traditionellen Ingenieurberuf beschäftigt, fast jeder zweite arbeitet hingegen in anderen Bereichen: Sie haben unter anderem Hochschulprofessuren im technischen Bereich inne oder leiten Hochtechnologieunternehmen. Allein rund 79.000 gelernte Ingenieure sind als Manager in der Industrie tätig. „Damit ist der häufigste Bildungshintergrund von Geschäftsführern und Managern in der Industrie ein Studienabschluss in den Ingenieurwissenschaften und nicht etwa in den Wirtschaftswissenschaften“, analysiert Dr. Hans-Peter Klös, Geschäftsführer des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln. Er verweist auf weitere Zweitverwendungen: „Im Controlling oder im Vertrieb von High-Tech-Unternehmen finden sich zahlreiche Ingenieure, weil es hier wichtig ist, dem Kunden eine passende technische Lösung anbieten zu können. Auch in der öffentlichen Verwaltung kommen Ingenieure zum Einsatz, wie etwa in Bauämtern und Prüfbehörden.“

Ingenieurwissen ist auch in Führungspositionen immer stärker gefragt

Wegen dieser großen Zahl an Ingenieure, die ihr Talent anderweitig einsetzen, kann der heutige und künftige Ingenieurbedarf mit der gegenwärtigen Zahl an Ingenieurabsolventen nicht mehr gedeckt werden. „Sollen auch Berufe wie Maschinenbauprofessoren, Industriemanager oder technische Sachverständige zukünftig in gleichem Umfang wie bisher von Ingenieuren ausgeübt werden, so ergibt sich ein jährlicher Ersatzbedarf von 36.000 bis 41.000 Ingenieuren. Zusammen mit einem Expansionsbedarf aufgrund des technologischen Fortschritts und des gesamtwirtschaftlichen Wachstums von rund 40.000 Personen ergibt dies einen jährlichen Gesamtbedarf von 76.000 bis 81.000 Absolventen.“

Die Zahl der Erstabsolventen in den Ingenieurwissenschaften belief sich 2010 auf rund 50.000. In den nächsten fünf Jahren dürften die Absolventenzahlen nach Ansicht des IW sogar weiter steigen, denn aufgrund der doppelten Abiturjahrgänge und der Abschaffung der Wehrpflicht hat mit 116.000 eine Rekordzahl an Personen ein Ingenieurstudium aufgenommen. „Gegen Ende des Jahrzehnts werden die Studierenden- und Absolventenzahlen aber wieder sinken, da diese Einmaleffekte dann nicht mehr wirken werden“, ist Kös überzeugt. „Die bereits heute bestehenden Ingenieurengpässe werden sich dann wieder verschärfen.“ Mit der Folge, dass der Wettbewerb um die technischen Köpfe zunimmt und sich vor allem der Mittelstand nach der Decke strecken muss, um mit den großen deutschen und internationalen Unternehmen mitzuhalten – die wiederum von ihren Lieferanten und Partnern zunehmend entwicklerische und technische Vorleistungen fordern werden.

Mittelstand bereitet sich intensiv auf verändertes Personalangebot vor

Schon jetzt bereiten sich Mittelständler auf dieses Szenario vor, so gut es geht. Dem „Mittelstandsreport 2012“ des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) zufolge stehen dort insbesondere in wissensintensiven Sparten die Zeichen auf Einstellung: „Die mittelständischen Informationsdienstleister vermelden mit einem Personalplanungssaldo von 40 Punkten eine Rekordeinstellungsbereitschaft (Verbesserung um 14 Punkte)“, heißt es dort auf Seite 17. „Ebenfalls äußerst expansiv planen die kleinen und mittleren IT-Dienstleister. Auch mittelständische Forschungs- und Entwicklungsdienstleister, Werbeagenturen und Unternehmensberatungen suchen in überdurchschnittlichem Maße Personal. Das ist nicht zuletzt Ausdruck eines größeren Mangels an qualifizierten Fachkräften.“ Und weiter stellen die DIHK-Experten fest: „Fast durchweg weist der Mittelstand expansivere Personalpläne als Großunternehmen auf, so in der Industrie und bei den Dienstleistern. Kleine und mittelständische Unternehmen sehen größere Schwierigkeiten bei der Personalrekrutierung als Großunternehmen; sie spüren den Mangel an Fachkräften stärker und sind bestrebt, ihre qualifizierte Stammbelegschaft zu halten.“

Eine Alternative, um ihren Bedarf an Ingenieuren zu decken, finden die Unternehmen inzwischen auch bei Dienstleistern, die projektbezogen und befristet Ingenieursdienstleistungen anbieten. Das funktioniert auf zwei Wegen: Beim einen werden klassische Entwicklungs- und Engineering-Ausgaben ganz oder teilweise an spezialisierte Unternehmen ausgelagert. Davor scheuen gerade Mittelständler naturgemäß zurück, bedeutet dies doch, auf einen Teil des eigenen Knowhow zu verzichten und die unmittelbare Einflusssphäre zu verkleinern. Beim anderen Weg werden passend zum jeweiligen Projekt Ingenieure auf Zeit ins Haus geholt, die in Zusammenarbeit mit dem eigenen Personal eine Aufgabe lösen.

Was Mittelständlern entgegenkommt: Ein solches Vorgehen macht nicht nur Aufwand und Kosten besser plan- und kalkulierbar, sodass sich Spitzen leichter abdecken und kurzfristige Änderungen sicher abfedern lassen. Auf diesem Weg kommt auch immer wieder frisches Wissen ins Haus, das die bestehenden Ressourcen ergänzt und erweitert. Das ist schon deswegen von Vorteil, weil die Aufgaben, denen sich Ingenieure stellen müssen, immer komplexer werden. Bei einer Erhebung des VDI im Juni 2012 gab mehr als die Hälfte der über 600 befragten Ingenieure an, Komplexität täglich und hauptsächlich im beruflichen Umfeld wahrzunehmen. 84,1 Prozent der Teilnehmer nehmen Komplexität zudem als kontinuierlich steigend wahr. Die wesentlichen Aspekte dabei sind die gegenseitige Abhängigkeit von zu lösenden Fragestellungen sowie die Beurteilung der zugehörigen Auswirkungen. Da der wirtschaftliche Erfolg gerade des Mittelstands auf innovativen Produkten und wettbewerbsfähiger Produktion basiert, zu denen Ingenieure die Ideen und das Wissen liefern, ist es wichtig, dass gerade sie mit der steigenden Komplexität zurechtkommen. Großen Nachholbedarf sehen die VDI-Experten daher bei Fragen der Ausbildung und vor allem beim Thema Erfahrungsaustausch. Und die sind nicht nur bei der Windenergie wertvoll, sondern überall, wo die Kräfte der Physik dazu bewegt werden sollen, vernünftige Arbeit zu leisten.

Als Personaldienstleister, der für die Entwicklung und Realisierung von High-End-Lösungen steht, engagiert sich Randstad Professionals in den Bereichen Engineering, IT-Services und Management Solutions. Auf der Basis von mehr als 35 Jahren Erfahrung unterstützt das Unternehmen seine Kunden bei der erfolgreichen Umsetzung ihrer Projekte im In- und Ausland. Expertise und umfangreiches Fachwissen sind die Grundlage dafür, gemeinsam mit Kunden neue Produkte, neue Prozesse oder neue Fertigungsverfahren zu entwickeln. Mit Experten-Know-how in allen Engineering-Disziplinen, im Projektmanagement und in der technischen Beratung ist Randstad Professionals dafür qualifiziert, unterschiedlichste Aufgaben in den bedeutenden Industrie- und Innovationsbranchen zu übernehmen.

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