Karriereplanung: Viele Hürden auf der Laufbahn

5. Dezember 2016

Beschäftigte, die vorankommen wollen, müssen nicht nur auf Qualifikationen achten, sondern auch Hindernisse überwinden, die in der Struktur und Strategie der Arbeitgeber liegen. Das zeigen die Ergebnisse der aktuellen Umfrage des randstadkorrespondent.

  • Personalentwicklung mittels Karriereplanung ist in vielen Firmen noch unterentwickelt oder kein Thema
  • Angebote für flexible Arbeitszeit empfinden viele Beschäftigte als Hürde fürs berufliche Vorankommen
  • Für eine bessere berufliche Weiterentwicklung sind Mitarbeiter zum Arbeitgeberwechsel und längeren Arbeitswegen bereit

Teilzeitarbeit, Elternzeit, Auszeit für häusliche Pflege – in vielen Unternehmen, gerade den familienfreundlichen, gilt dies als Ausweis eines gesteigerten Verständnisses für Mitarbeiter. Doch die Sache scheint einen Haken zu haben. Offenbar müssen Mitarbeiter, die diese Angebote in Anspruch nehmen, häufig mit einem Karriereknick rechnen. Auf jeden Fall aber stellt sich ihnen die Frage „Laufbahn oder Hürdenlauf?“. Denn bei der aktuellen Umfrage des randstadkorrespondent zur Zufriedenheit mit Karrierechancen gaben 63 Prozent der Befragten an, dass sich ihrer Meinung nach Teilzeitarbeit negativ auf die berufliche Weiterentwicklung auswirkt. Bei Elternzeit und häuslicher Pflege waren es jeweils gut 50 Prozent.

Bremsklötze sind weit verbreitet

Weil Mehrfachnennungen erlaubt waren, wird die Bandbreite möglicher Hürden gut erkennbar: Auch beim Alter über 50 sieht es mit dem Schritt nach oben auf der Karriereleiter nach Überzeugung der Befragten schlecht aus. Fast 57 Prozent von ihnen sehen darin eine nur schwer zu überwindende Hürde. Gewerkschaftsarbeit hindert nach Ansicht von 32 Prozent einen angestellten Beschäftigten am Vorwärtskommen, gut 30 Prozent sehen das bei Quotenregelungen so und nur 27 Prozent empfinden ein Sabbatical als Bremsklotz bei Beförderungen.

Arbeitgeber bleiben bei Karriereplanung oft passiv

Wie die Antworten an anderer Stelle der Umfrage zeigen, steckt hinter diesen überraschend hohen Hürden allem Anschein nach ein strukturelles Problem in vielen Unternehmen:

  • Fast sechs von zehn Befragten (57,8 Prozent) gaben an, dass sie von ihrem Unternehmen bei der Karriereplanung nicht persönlich unterstützt und gefördert werden.
  • Ob ihnen bei Feedbackgesprächen Karriereperspektiven und persönliche Weiterentwicklungsmöglichkeiten gezeigt werden, beantworteten jeweils rund 40 Prozent mit „Ja“ und mit „Nein“. Aber in 20 Prozent der Fälle gibt es gar keine Feedbackgespräche.
  • Während sich bei der Einschätzung der persönlichen Karrierechancen beim aktuellen Arbeitgeber die Außenpositionen „sehr gut“ und „sehr schlecht“ mit je 6 Prozent in etwa die Waage halten, schlägt in der Mitte mit 36 Prozent „weniger gut“ und 16 Prozent „eher schlecht“ der Zeiger stark ins Negative. Mit gut 37 Prozent stellt „gut“ indes den größten Anteil.

Hierarchien stark ausgeprägt

Einen Schlüssel zum Verständnis der Zustände liefern die Antworten auf zwei weitere Fragen. Die eine befasste sich mit den hierarchischen Zuständen in den Unternehmen. Mehr als die Hälfte der Befragten bewerten die entsprechenden Strukturen bei ihrem Arbeitgeber als „stark hierarchisch“ (20 Prozent) oder „stark ausgeprägt“ (37 Prozent). Nur bei 15 Prozent sind sie „flach“ und bei gerade einmal 2 Prozent „durchlässig“. Diese Medaille hat zwei Seiten: Auf der einen machen Hierarchie-Stufen eine Karriere (und deren Ende) ziemlich präzise planbar, auf der anderen erschweren sie eine flexible Gestaltung der Laufbahn.

Spätere Weichenstellung nicht ausgeschlossen

Die andere erhellende Antwort befasste sich mit der Durchlässigkeit des Unternehmens für Arbeitnehmer, die ihre Chance in einem anderen Bereich der Firma sehen. Knapp über 50 Prozent der Befragten sehen diese Möglichkeit bei ihrem aktuellen Arbeitgeber als vorhanden an, aber bei jedem fünften (22 Prozent) fehlt sie. 28 Prozent wissen nicht, ob in ihrem Haus derlei möglich ist – auch das ein gewichtiges Defizit bei Mitarbeiterbindung und -entwicklung, das sich durch eine durchdachte Personalstrategie ausgleichen ließe.

Zufriedenheit durch Arbeitsklima

Die gute Nachricht für Führungskräfte und Personalverantwortliche: Trotz der genannten Hürden und Störeffekte fühlen sich mehr als 60 Prozent ihrer Mitarbeiter mit der momentanen beruflichen Situation sehr oder meistens zufrieden. Bei den Faktoren, die dazu beitragen, sind die Vorlieben annähernd gleich verteilt, wobei eine gewisse Begeisterung für das Arbeitsklima erkennbar ist (Wert 1,26 auf der Skala von 1 „sehr wichtig“ bis 10 „unwichtig“). Dahinter liegen „anspruchsvolle Aufgaben“ (1,70) und „Gehalt“ (1,72) in etwa gleichauf. „Möglichkeiten zum Home Office“ mit einem Wert von 2,79 liegen abgeschlagen hinten. Wechselbereitschaft ist hoch

Nachdenklich machen sollte Arbeitgeber – vor allem jene, die beim Employer Branding noch mit sich hadern – die Tatsache, dass mehr als 54 Prozent der Arbeitnehmer bereit sind, den Arbeitgeber zu wechseln, um ihre Karriere voranzubringen. Nur gut 21 Prozent antworten hier mit „Nein“, 25 Prozent sind unentschieden. Die Beschäftigten würden zugunsten einer solchen Entscheidung sogar Nachteile in Kauf nehmen, insbesondere „längere Pendlerzeiten“ (75 Prozent). Immerhin gut 36 Prozent wären zu einem Umzug in eine andere Stadt oder in ein anderes Bundesland bereit. Auch beim Gehalt würden zwar viele (29 Prozent) Abstriche in Kauf nehmen; für die absolute Mehrheit (53 Prozent) käme dies nicht in Frage.

Die aktuelle Umfrage „Karriere: Laufbahn oder Hürdenlauf?“  wurde im Oktober und November 2016 online durchgeführt. Insgesamt haben sich 1.477 Teilnehmer geäußert, in gleicher Stärke weiblich und männlich. Jeweils rund 30 Prozent der Antworten kamen von Beschäftigten mit und ohne Personalverantwortung sowie in Leitungsfunktionen, rund 5 Prozent aus Geschäftsführung und Vorstand. Die Hälfte der Befragten gab als aktuelle Lebenssituation „in Beziehung mit Kindern“ an. Zwei Drittel der Antwortenden ist in Dienstleistungsunternehmen beschäftigt.

 

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