Kultur der Vielfalt wirkt auch im kleinen Maßstab

1. April 2017

Auch wenn der Begriff „Chancengleichheit“ von vielen Unternehmen als politischer Eingriff in die betriebliche Autarkie empfunden wird: Tatsächlich öffnet das Prinzip die Türen zu wirtschaftlichen Vorteilen.

Kultur der Vielfalt wirkt auch im kleinen Maßstab
  • Abschied von Vorurteilen und Aufbau von Wertschätzung ergibt produktiven Wandel in der Organisationskultur.
  • Vielfalt bedeutet, mit unterschiedlichen Herangehensweisen und Arbeitsstilen umzugehen sowie verschiedene Sozialisierungen zu akzeptieren.
  • Moderne Führungsmodelle sowie interkulturelle und interdisziplinäre Teams erhöhen das wirtschaftliche Potenzial im Unternehmen.

Eine größere Chancengleichheit am Arbeitsplatz ist nicht nur ein Mehrwert für die Gesellschaft insgesamt und jeden einzelnen Menschen. Sondern sie birgt auch wirtschaftliche Vorteile für Organisationen. Dies ergibt sich aus der Arbeit in den „Vielfaltswerkstätten“, veranstaltet von der Unternehmensinitiative Charta der Vielfalt e.V. Dort diskutieren Unternehmen, Verbände, öffentliche Institutionen und Vereine die besonderen Chancen und Herausforderungen einer vielfältigen Belegschaft.

Chancengleichheit am Arbeitsplatz setzt sich aus zahlreichen Aspekten zusammen: unter anderem einer fairen Vergütung und Behandlung, Maßnahmen gegen den „glass ceiling“-Effekt und flexible Arbeitsmodelle, die verschiedenen Lebensphasen aller Beschäftigten gerecht werden wollen. Die stärkste Wirkung geht nach Auffassung der Charta-Initiative von einem Wandel in der Organisationskultur aus. Die Akzeptanz von Unterschieden innerhalb der Belegschaft und ein vorurteilsfreier und wertschätzender Umgang mit allen Betriebsangehörigen und Geschäftspartnern gehören zu einer vielfältigen Arbeitswelt dazu.

Um einen nachhaltigen Wandel in der Organisationskultur zu erreichen, müssen gezielte Maßnahmen in Unternehmen und Institutionen getroffen werden. Erfolgreiches Diversity Management basiert vor allem darauf, die spezifischen Bedürfnisse von allen Beschäftigten zu kennen, um ihr Arbeitsumfeld entsprechend zu gestalten. „Vielfalt bedeutet, mit unterschiedlichen Herangehensweisen und Arbeitsstilen umzugehen, verschiedene Sozialisierungen zu akzeptieren und Unterschiede wertzuschätzen. Nur so sind Organisationen gut für die Herausforderungen der Arbeitswelt der Zukunft ausgerüstet,“ erklärt Aletta Gräfin von Hardenberg, Geschäftsführerin der Charta der Vielfalt e.V.

Um dieses Thema ging es unter anderen während der Workshops der Vielfaltswerkstatt in Stuttgart, die von der Unternehmensinitiative Charta der Vielfalt e.V. im Rahmen des 2. baden-württembergischen Diversity Kongresses im Herbst 2016. „Diversity Management ist längst nicht mehr nur ein Thema für große Unternehmen“, erklärte Katrin Schütz, Staatssekretärin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau des Landes Baden-Württemberg. „Gerade für kleine und mittlere Unternehmen bietet sich die Chance, das wirtschaftliche Potenzial durch strategisches Generationenmanagement, moderne Führungsmodelle sowie interkulturelle und interdisziplinäre Teams zu erhöhen.“

Mitveranstalter der Vielfaltswerkstatt in Stuttgart war das langjährige Charta-Vereinsmitglied Daimler AG. Das Unternehmen setzt sich für einen ganzheitlichen Diversity-Ansatz ein, denn Chancengleichheit führt nach seiner Auffassung nicht nur zu einer positiven Veränderung innerhalb der Gesellschaft, sondern ist auch ein Erfolgsfaktor für Unternehmen. Diesen Mehrwert fasste Dr. Dirk Jakobs, Head of Global Diversity, Daimler AG, wie folgt zusammen: „Damit wir unsere Kunden verstehen und auch zukünftig die Herausforderungen unserer Branche am besten meistern, brauchen wir leistungsfähige Teams. Wenn wir die vielfältigen Talente und Kompetenzen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nutzen und fördern, schaffen wir die Voraussetzung für eine erfolgreiche Zukunft.“

Diese Einstellung gewinnt vor einer aktuellen Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) in Zusammenarbeit mit dem Verein Charta der Vielfalt an Bedeutung: Demnach sind zwei von drei Unternehmen in Deutschland auf absehbare Veränderung durch eine vielfältige Arbeitswelt nicht vorbereitet. Dabei ist sich zugleich eine große Mehrheit von 65 Prozent der Tatsache bewusst, dass die Einbindung unterschiedlicher Lebensmodelle, kultureller Perspektiven und Erfahrungen dem eigenen Unternehmen Vorteile bringt. Und drei Viertel der Unternehmen erkennen, dass eine vielfältig zusammengesetzte Belegschaft die Offenheit und Lernfähigkeit, und damit auch die Zukunftsfähigkeit sicherstellt.

Ana-Cristina Grohnert, Vorstandsvorsitzende des Vereins und Personalchefin bei EY sieht in diesen Zahlen ein Alarmsignal für viele Unternehmen in Deutschland. „Die Digitalisierung und die Globalisierung verlangen von uns, dass wir vielfältiger denken und schneller lernen“, so Grohnert. Sie warnt: „Der Wettbewerbsfaktor Vielfalt wird unterschätzt. Wer nicht in der Lage ist, eine vielfältige Belegschaft aufzubauen, der wird den Kontakt zu gesellschaftlichen und technologischen Trends und somit Kundenbedürfnissen an den Märkten verlieren“.

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