Lügen in der Bewerbung: Bekommt Pinocchio den Job?

Vorsorglich nehmen Personalverantwortliche die Angaben von Bewerbern besser genau unter die Lupe: Falsche Angaben im Lebenslauf schaden dem Unternehmen. Sie zu entlarven ist heute vergleichsweise einfach.

  • Von Aufhübschen bis Fälschen: Bewerbungen sagen nicht immer die Wahrheit.
  • Manipulationen sind kein Kavaliersdelikt, sondern oft sogar Urkundenfälschung.
  • Sorgfältiges Prüfen ist aktive Vorsorge gegen wirtschaftliche und Image-Schäden.


Aus einem Feriencamp in den USA wird ein Praktikum beim National Park Service. Der Aushilfsjob in der Kneipe nebenan schleicht sich als „empirische Forschungstätigkeit über die soziale Relevanz gastronomischer Nahversorgung“ in die akademische Qualifikation. Die „umfassenden Office-Anwendungskenntnisse“ basieren auf MS-DOS 2.0. Und der Besitz eines „Führerscheins Klasse BCE“ ist leider getrübt durch die Tatsache, dass dieser schon mehrfach wegen Alkoholkonsums entzogen wurde.

Enttarnen funktioniert auf mehreren Ebenen

Übertreibung, Vertuschung, Schönfärberei und Weglassung sind die vier häufigsten Bewerbungslügen. Anders als vor Gericht haben Unternehmer und Personalverantwortliche keine Vernehmungsbefugnisse, um derlei aufzudecken. Sie stehen allerdings auch nicht ganz wehrlos da. Jedoch sind sie gefordert, ihr Wissen auf dem Laufenden zu halten und bei der Prüfung der Kandidaten „die extra Meile“ zu gehen. Denn mit Blick auf die Körpersprache, mit einer ausgefeilten Fragetechnik und gewissen Grundfähigkeiten bei der Recherche lassen sich Lügen schnell enttarnen. Ob computergestützte Tools wie die neue Bewerbungs-Analyse-Software von SAP dagegen der Weisheit letzter Schluss sind, muss sich erst noch beweisen.

Fließende Grenze zwischen Kosmetik und Betrug

Fakt ist: Viele Bewerber versuchen ihre Bewerbungsunterlagen zu verschönern. Häufig überschreiten sie dabei ein zulässiges Maß – sind doch die Grenzen zwischen aufgehübschter Wahrheit und handfester Lüge fließend. Neben eher harmlosen Tricksereien wie im Niveau angehobene Sprachkenntnisse oder Vereinsmitgliedschaften oder Hobbys, die von geschätzten Soft Skills künden, haben konstruierte oder frei erfundene Schlüsselqualifikationen, Bildungsabschlüsse oder Aufgabengebiete für Arbeitgeber – und Arbeitnehmer – folgenschwere Konsequenzen.

Eingehende Prüfung empfohlen

„Neben den finanziellen Verlusten drohen Unternehmen bei der falschen Wahl ihrer Angestellten auch ernsthafte Imageschäden“, weiß Marcus Lentz, Geschäftsführer der bundesweit tätigen Wirtschaftsdetektei Lentz. „Insbesondere bei der Besetzung von wichtigen Positionen empfehlen wir daher eine eingehende Überprüfung von Unterlagen und Bewerber.“

Warnung vor „Mr. Perfect“

Dies sei vor allem dann angebracht, wenn die eingesandten Unterlagen wie maßgeschneidert für die ausgeschriebene Position wirken – und der Bewerber wie die einzige, perfekte Besetzung. „Verständlich“, meint Wirtschaftsermittler Lentz. „Schließlich muss man mit seiner Bewerbung meist innerhalb weniger Augenblicke die Aufmerksamkeit der Personaler erlangen.“ Deshalb hielten es wohl auch viele der Bewerber höchstens für ein Kavaliersdelikt, die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten der Nachfrage entsprechend zu „frisieren“.

Auch nachträglich ein Kündigungsgrund

Sie übersehen dabei, dass diese Lügen und Fälschungen in einem offiziellen Dokument des Geschäftsverkehrs festgehalten sind. Bei falschen Angaben bei fachlichen Qualifikationen, Bildungsabschlüssen, Zeugnissen und Noten sowie Tätigkeitsfeldern und Arbeitgebern kennen Arbeitgeber und Rechtsprechung kein Pardon: „Wer Bewerbungsunterlagen fälscht, riskiert die fristlose Kündigung – auch noch nach Jahren“, erklärt Marcus Lentz. Daneben drohen Geldstrafen und Schadenersatzleistungen. Werden Zeugnisse gefälscht, erfüllt das den Tatbestand der Urkundenfälschung, die mit bis zu fünf Jahren Haftstrafe bewährt ist. Rechtliche Konsequenzen dieser Dimension bedeuten zumeist das endgültige Karriereende.

Indiz für weiteres Fehlverhalten

Zudem drängt sich der Verdacht auf, dass jemand, der schon in der Bewerbung trickst, es auch an anderer Stelle mit der Ehrlichkeit locker angehen lässt: Das Thema Mitarbeiterkriminalität umfasst ein breites Spektrum von Lagerdiebstahl über Geheimnisverrat bis hin zu Veruntreuung im großen Stil und ist in vielen Unternehmen traurige Realität. Die finanziellen Schäden sowie der drohende Imageverlust, wenn die kriminellen Machenschaften öffentlich bekannt werden, treiben manches Unternehmen sogar an den Rand des Ruins. „In vielen Fällen hätte ein gründliches Screening der Bewerber den Arbeitgeber vor bösen Überraschungen bewahrt“, meint Lentz.