Meinungsmacher zum Thema „Integration“

25. April 2012

Sie kennen sich aus. Sie beziehen Position. Sie tragen zur Meinungsbildung bei. Zeitgenossen, die etwas zu sagen haben, äußern pointierte Gedanken zu Themen, die im aktuellen Heft eine Rolle spielen.

Zeitarbeit als Sprungbrett

„Menschen mit Migrationshintergrund haben es schwer auf dem Arbeitsmarkt. Die Gründe sind vielfältig: Oftmals sind es geringere Sprach- und Fachkenntnisse, die als Integrationshemmnis wirken. Zeitarbeitsfirmen können Perspektiven eröffnen und ein Sprungbrett in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis sein. Mithilfe von Zeitarbeit können sich Menschen mit Migrationshintergrund zum ersten Mal eine Existenz aufbauen. Es gilt, Potenziale zu entdecken und diese gezielt zu fördern. Denn der Kampf um gut ausgebildete Fachkräfte wird immer härter, allein in der Zeitarbeit gibt es 50.000 freie Stellen zu besetzen.“

Thomas Hetz ist Hauptgeschäftsführer des Bundesarbeitgeberverbandes der Personaldienstleister (BAP). Bei der Präsentation einer Studie seiner Organisation im Herbst 2011 sagte er, Migranten seien „eher Integrationshebel statt Integrationshemmnis“.

Unterschiede sind kein Störfaktor

In deutschen Unternehmen ist Homogenität viel zu häufig ein Ideal. Dabei sind wir alles – aber nicht gleich. Der eine macht alles auf den letzten Drücker, der andere ist total durchstrukturiert. Das Ergebnis kann gleich gut sein. Ob einer früh oder spät mit der Arbeit anfängt, ist egal. Hauptsache, alle Mitarbeiter sind zu Kernzeiten präsent. Und was einige in vierzehn Stunden arbeiten, machen andere in acht. Der eine geht früh, der andere spät. Beides ist in Ordnung. Diversity meint also viel mehr als die erfolgreiche Integration von verschiedenen Arbeitskulturen. Es geht um eine Grundhaltung, die Unterschiede nicht als Störfaktor begreift. Sondern als Grundlage wirklich guter Arbeit, wie sie jedem Einzelnen entspricht, sodass jeder seine Fähigkeiten optimal entfalten kann. Deshalb gilt auch hier: Anders denken – anders handeln!

„Frauen gehen shoppen, Männer einkaufen“, so die lakonische Überschrift zu einem Vortrag von Nicola Fritze, die sich als Coach und Referentin zum Thema „Gender-Management“ einen Namen gemacht hat. Sie befasst sich intensiv mit dem Umgang mit Klischees und ist der Überzeugung: „Lieber auf neuen Pfaden stolpern, als auf alten Wegen auf der Stelle treten.“

Kooperation ersetzt Gehorsam

Integration 2012 bedeutet „Thinking Y“! Führungskräfte und Personalverantwortliche müssen umdenken, wenn sie die gut qualifizierten Jungen holen und halten möchten. Generation-Y-Mitarbeiter (nach 1980 Geborene) denken schneller und modularer als frühere Generationen, fordern sehr viel Freiraum bei ihren Aufgaben und hohe Werte von ihren Führungskräften. Sie wollen sowohl Spaß als auch hohe Sinnhaftigkeit bei der Arbeit und bevorzugen flache, unkomplizierte Strukturen. Loyalität und Gehorsam gehören nicht mehr zu ihren Werten, stattdessen sind sie top in Kooperation und im Teilen von Wissen. Unternehmen, die jetzt handeln und Führungs- und Personalarbeit Y-gerecht gestalten, sind attraktive Arbeitgeber, die sich auch unter den Jungen die Besten aussuchen können. Die Herausforderung besteht dann nur noch im Integrationskonzept, das 50 + und 30 – zu einem erfolgreichen Team werden lässt.

Christa Mesnaric ist Inhaberin der Unternehmensberatung Michl Group, die sich unter anderem mit Trainings in den Bereichen Führung und Soft Skills sowie Expertenberatung in Change-Prozessen befasst. Sie sagt: „Meine Mission ist die Leistungssteigerung bei gleichzeitiger Erhöhung der Freude an der Arbeit. Ich glaube, dass nur beides zusammen langfristig zu Erfolg führt.“

Illustration: Daniel Althausen

investor relations