Mit Facebook, Twitter und XING zu neuen Fachkräften?

17. Juli 2011

Neben den traditionellen Kanälen gewinnen auch die Sozialen Netzwerke immer mehr an Bedeutung bei der Suche nach neuen Mitarbeitern. Für Ausbildungsberufe und den Einstieg in den Beruf kommt man nicht umhin, die traditionellen Kanäle zu ergänzen.

An Facebook & Co. kommt besonders die jüngere Zielgruppe nicht mehr vorbei. Weltweit nutzen rund 750 Millionen Menschen Mark Zuckerbergs Social Network, knapp 19,5 Millionen Nutzer zählt der Dienst alleine in Deutschland. Besser noch: Rund 96 Prozent der 14- bis 29-Jährigen sind laut Bitkom-Studie Mitglied in einem sozialen Netzwerk. Das klingt nach einem fantastischen Potenzial, um abseits der traditionellen Human-Resources-Kanäle wie Stellenanzeigen und Personalmessen nach neuen Fachkräften Ausschau zu halten und sich einer neuen Zielgruppe gegenüber zu positionieren.

Kein Wunder also, dass Karrierepages auf Facebook wie Pilze aus dem Boden schießen. Allerdings – und das zeigt die Praxis – richten sich die Arbeitgeberangebote in erster Linie an Auszubildende. Sucht man nach Unternehmen, die sich speziell Fachkräften gegenüber als potenzieller Arbeitgeber präsentieren, wird die Luft schon etwas dünn. Das mag an der vermeintlich jungen Zielgruppe liegen, die sich auf Facebook trifft. Immerhin zählen rund 45% der Nutzer zur Altersgruppe unter 24 Jahren und sind damit allenfalls der Gruppe der „Fachkräfte von morgen“ zuzuordnen. Doch darf man gleichzeitig nicht übersehen, dass sich fast ebenso viele (rund 41%) in der Gruppe der 25- bis 44-Jährigen finden – und somit durchaus eine interessante Zielgruppe darstellen.

Traditionelle Recruiting-Methoden mit Sozialen Netzwerken verbinden

Für Unternehmen wie Lufthansa, BMW oder Bertelsmann ist es keine Frage, sich in den sozialen Netzwerken zu präsentieren, um so die Attraktivität als potenzieller Arbeitgeber zu erhöhen. Sie setzen dabei nicht nur auf einen einzelnen Kanal, sondern sind in der Regel parallel auf Facebook, YouTube und Twitter mit eigenen Inhalten vertreten. „Wir müssen im Social Web vertreten sein, dort, wo die Zielgruppe ist, um in einen Dialog zu treten“ sagt Gero Hesse, verantwortlich für Dienstleistungen im Personalwesen bei Bertelsmann im Interview mit Spiegel Online. Rund 4.000 Fans zählt der Medienkonzern auf seiner Facebook-Karrierepage, gut 1.300 folgen dem Jobkanal auf Twitter.


Bei BMW setzt man auf die Kombination von Facebook und rund 20 karrierespezifischer Twitterkanäle – und ist mit mittlerweile über 29.000 Fans zur größten deutschen Karriereseite gewachsen. Matthias Melcher, aus dem BMW-Karriere-Facebook-Team, führt den großen Erfolg auf eine zielgruppengenaue Vermarktung der Seite zurück: „Bevor wir mit „BMW Karriere“ online gegangen sind, hatten wir ein klares Konzept, vom genauen Setup der Seite bis hin zur Vermarktung. [...] Dabei haben wir auf bereits bestehende Kommunikationskanäle zurückgegriffen, aber auch neue Wege wie Facebook Ads genutzt.“
Dass ein guter Auftritt im Social Web alleine nicht zum Erfolg führt, sondern auch die althergebrachten Recruiting-Methoden noch zielführend sind, hat man beim Motorsägenhersteller Stihl erkannt. Das schwäbische Familienunternehmen sucht zwar durchaus bei Facebook, Twitter und Xing nach neuen Fachkräften, mit entscheidend sei aber letztendlich die Leistung, die das Unternehmen neuen Mitarbeitern bieten könne. „Die Ingenieure, die bei uns anfangen, können ziemlich schnell ganzheitlich Verantwortung übernehmen“, erklärt Stihl-Personalchef Markus Dörle im Zeitungsinterview. Schließlich konkurriere man bei den Fachkräften mit den Autobauern und Zulieferern in der Region und setzt deshalb bewusst auf Abgrenzung zu den großen Konzernen. „Überspitzt gesagt: Bei uns machen die jungen Ingenieure eine komplette Säge und nicht nur das Rücklicht oder einen Außenspiegel“. Die Attraktivität von Stihl als Arbeitgeber zeigt sich dann auch auf Facebook: Mit gut 5.200 Fans liegen die Waiblinger weit vor den Karriereseiten beispielsweise der Deutschen Telekom oder der Deutschen Bahn.

Das Social Web mit Facebook, Twitter, YouTube, Xing, LinkedIn, StudiVz und zahllosen weiteren Communities ist für Unternehmen auf Mitarbeitersuche also nicht mehr wegzudenken. Doch wie steht es um die traditionellen Karrierewebsites? Sind diese ein Auslaufmodell – oder gar überflüssig? Keineswegs, konstatiert man bei ThyssenKrupp. Der Großkonzern ist nicht auf Facebook präsent, versucht jedoch über Twitter Interessenten auf die eigene Karrierewebsite zu locken. Mit Erfolg, Maike Kattenstroth, Personalerin bei ThyssenKrupp sagt, über 800.000 Visits verzeichne die Seite jeden Monat.
Wegzudenken ist die „klassische“ Karrierewebsite also keineswegs. Das belegt auch eine Umfrage der Studenteninitiativen Market Team sowie MTP. Unter 600 Studenten „gefällt“ nur 23 Prozent die Anwerbung über Facebook. Xing ist eher akzeptiert, das Gros der Interessenten steuert die Informationsseiten der Unternehmen jedoch lieber direkt an.

 

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