Mitarbeiter wollen „Mehr Sport, Chef!“

Bei den Angeboten für Gesundheit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz sehen die Beschäftigten beim Betriebssport die größten Defizite, so die aktuelle Umfrage des randstadkorrespondent.

  • Mit sport- und gesundheitsorientierten Angeboten lassen sich Mitarbeiter ansprechen und motivieren.
  • Bei der Unterstützung von sportlichen und gesundheitsfördernden Maßnahmen besteht in vielen Unternehmen noch Luft nach oben.
  • Der Grad des unternehmerischen Engagements für Sport und Gesundheit spiegelt sich in der Wertschätzung seines “Employer Brandings”.

Fahrsicherheitstrainings bekommen die einen, Kaffee, Tee und Pflanzen in den Räumen die anderen. Hier stehen Vergünstigungen bei Fitness-Studios auf der „Goodie“-Liste, dort Vorsorgeuntersuchungen und Schutzimpfungen. Manche erfreuen sich an Entspannungsräumen und „Stillen Büros“, manche an Tischkickern, manche an einem „Altbau mit vielen Treppen“. Es kam eine außerordentlich bunte Mischung zusammen, als der randstadkorrespondent jüngst seine Leserinnen und Leser fragte, mit welchen Maßnahmen ihr Unternehmen zur Verbesserung von Wohlbefinden und Gesundheit am Arbeitsplatz aufwartet.

Häufigstes Angebot: Flexible Arbeitszeiten

Jenseits der freien, individuellen Aussagen gab es drei eindeutige Schwergewichte bei den Angeboten, mit denen Firmen schon heute ihren Mitarbeitern den Aufenthalt in Büro, Fabrikhalle oder Werkstatt angenehmer machen. Am Ende hatten, bei erlaubter Mehrfachnennung, die flexiblen Arbeitszeiten mit 60,5% die Nase vorn vor „Gesunde Arbeitsplatzgestaltung, Ergonomie“ mit 57,5 Prozent und medizinischen Angeboten mit 53,1%. Seminare und Trainings sowie Sportangebote finden sich deutlich seltener im Portfolio (beide um die 30%), gesunde Ernährung, Suchtmittelentwöhnung und aktive Pausenangebote spielen nur eine untergeordnete Rolle. Jeder zehnte Befragte musste einräumen, dass seinem Unternehmen nur eins zum Thema einfällt: „Nichts“.

Sport, Ergonomie und Ernährung auf der Wunschliste

Umso spannender fiel die Gegenprobe aus: Mit einem Anteil von 42 Prozent war der Wunsch nach einem größeren Engagement des Arbeitgebers bei Sportangeboten am größten. Die gesunde Arbeitsplatzgestaltung und die gesunde Ernährung folgten mit leichtem Abstand (36 Prozent) in unmittelbarer Nähe. Allerdings zeigten sich auch hier mehr als zwölf Prozent der Befragten phlegmatisch, erwarten sie doch in keinem Bereich ein zusätzliches Engagement ihrer Firma. Bei den freien Antworten fiel eine Häufung beim Wunsch nach Umkleide- und Duschräumen auf, um den Weg zur Arbeit häufiger mit dem Fahrrad anzutreten und anschließend frisch den Job zu beginnen. Mehrfach wurde zudem sowohl eine ergonomische Alternative zum Sitzen im Bürostuhl angefordert – „Ich wünsche mir, wir könnten mehr im Stehen arbeiten“ – sowie ein Defizit an gesundheitsgerechter Führung moniert.

Angebote oft unbekannt

Auffälligkeit eins: Selbst dort, wo es seitens der Firma Angebote gibt, schlummern diese häufig im Verborgenen. Nur knapp 62 Prozent der Befragten gaben an, von ihrem Arbeitgeber aktiv auf betriebliche Maßnahmen zur Gesundheitsförderung hingewiesen zu werden. Auf die Frage, ob es sich aus Sicht der Befragten um Einzelmaßnahmen oder um Angebote im Rahmen eines betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) handele, votierten 28 Prozent für die individuelle und 52 Prozent für die ganzheitliche Strategie. Jeder fünfte wusste nichts über die Motive seines Unternehmens.

Mehr Bewegung und „Zeit dafür“

Auffälligkeit zwei: Nach dem Wunsch nach finanziellen Zuschüssen zu Fitness-Studios, Yoga-Kursen und dergleichen (52 Prozent) sprachen sich die meisten Befragten (36 Prozent) gezielt für mehr Betriebssport-Angebote aus, wenn sie sich eine größere Unterstützung ihres Unternehmens wünschen durften. Zumal drei von vier Antwortern sich zu „regelmäßigem Sport“ bekannten. Auch Bewegungspausen und spezielle Räumlichkeiten dafür fanden eine große (jeweils ca. 25 Prozent) Anhängerschaft. Wobei Anmerkungen wie „Zeit, die Angebote auch zu nutzen“ sowie eine „größere Wahlfreiheit bei den angebotenen Einrichtungen“ für Pendler auf vorhandene Defizite aufmerksam machten.

Argument für Arbeitgeberwahl

Dies ist vor dem Hintergrund vor allem jener Aussage bedeutsam, dass 56 Prozent der Umfrageteilnehmer glauben, dass Angebote zur betrieblichen Gesundheitsförderung sie bei der Wahl ihres künftigen Arbeitgebers beeinflussen. 24 Prozent verneinten diesen „Employer Branding“-Effekt, zwanzig Prozent zeigten sich unentschlossen.

Daten zur Umfrage

Insgesamt 2.120 Antworten kamen bei der Online-Befragung zusammen, die Ende April/Anfang Mai 2016 über die Bühne ging. Rund 30 Prozent der Teilnehmer kamen aus Großunternehmen mit mehr als 10.000 Beschäftigten, gut 33 Prozent aus Firmen mit 51 bis 500 Mitarbeitern. Mit fast 70 Prozent aller Antworten überwog der Dienstleistungssektor deutlich; knapp 30 Prozent der Responses kamen aus dem produzierenden Gewerbe, weniger als 5 Prozent aus dem verarbeitenden Gewerbe. Die am stärksten vertretene Altersgruppe waren mit 29,6 Prozent die 40- bis 49-jährigen; es kamen mehr Rückmeldungen von Frauen (55,2 Prozent) als von Männern.