Offene Tür für Rückkehrer

Das „Betriebliche Eingliederungsmanagement“ wandelt sich von der Pflicht zur Chance, um bewährte Arbeitskräfte und ihr Wissen im Unternehmen zu halten. Mit Blick auf ältere Arbeitnehmer wird das Thema künftig an Bedeutung gewinnen.

  • Arbeitnehmern, die länger als sechs Wochen oder wiederholt arbeitsunfähig sind, sollen möglichst frühzeitig wieder im Betrieb arbeiten können.
  • Unternehmen entwickeln dafür im Rahmen ihres Gesundheitsmanagements individuelle Maßnahmen
  • Die erfolgreiche Eingliederung rückkehrender Mitarbeiter reduziert die Kosten für Neueinstellungen und Einarbeitungen.

Bei Mitarbeitern, die längere Zeit krank sind, fehlt ihrem Unternehmen nicht nur deren Arbeitskraft. Auch die sozialen Strukturen in Teams, Arbeitsgruppen und Prozessen verändern sich dadurch. Gleichzeitig geht den unfreiwillig Abwesenden ein Teil ihres vertrauten Alltags und der damit verknüpften menschlichen Beziehungen verloren. In solchen Situationen den Draht nicht abreißen zu lassen und den Tag der Rückkehr vorzubereiten, bietet sich daher an.

Ursachen finden und Potentiale sichern

Der Gesetzgeber hat daraus sogar eine Pflicht gemacht. Seit dem 1. Mai 2004 verlangt er von Arbeitgebern ein „Betriebliches Eingliederungsmanagement“ (BEM). Damit soll Arbeitnehmern, die länger als sechs Wochen oder wiederholt arbeitsunfähig sind, geholfen werden, möglichst frühzeitig wieder im Betrieb arbeiten zu können. So steht es in § 84 des Sozialgesetzbuchs (SGB IX). Grundsätzlich geht es beim BEM darum, den Ursachen der Arbeitsunfähigkeitszeiten von Beschäftigten nachzugehen und Möglichkeiten zu finden, wie sich weitere Arbeitsunfähigkeitszeiten vermeiden oder wenigstens verringern lassen.

Folgen körperlicher Belastung

Das Eingliederungsmanagement gewinnt zunehmend Gewicht – und Brisanz – dadurch, dass Belegschaften tendenziell immer älter und damit auch anfälliger für die Folgen anhaltender körperlicher Belastung wird. Unternehmen, die ein ganzheitliches Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) betreiben, integrieren daher das BEM dort. Dies geschieht nicht zuletzt vor dem Hintergrund, sich die Erfahrung und das Anwendungswissen betrieblicher Abläufe von Arbeitskräften zu sichern. Die vermeintlich lästige, bürokratische Pflicht erweist sich dabei schnell als betriebswirtschaftlich vorteilhaft.

Demografischer Faktor kommt zum Tragen

„Das demografiebedingt knapper werdende Erwerbspersonenpotenzial sorgt dafür, dass die im Unternehmen vorhandenen Beschäftigten im Laufe der nächsten Jahre weiter an Wert gewinnen werden“, bringt es die Initiative Gesundheit und Arbeit im iga.report 24 auf den Punkt. Dort heißt es weiter: „Soll der Wert dieser Ressource – die Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit der erwerbstätigen Menschen – erhalten oder gesteigert werden, sind Initiativen auf unterschiedlichen betrieblichen und überbetrieblichen Handlungsfeldern notwendig – dies insbesondere mit Blick auf die verlängerte Lebensarbeitszeit im Zuge der schrittweisen Einführung der Rente mit 67.“

Vorteile für Wirtschaftlichkeit

Zudem zieht das Unternehmen Vorteile aus dem BEM, weil eine erfolgreiche Eingliederung rückkehrender Mitarbeiter zum Beispiel die Kosten für Neueinstellungen und Einarbeitungen reduziert. „Unter Umständen“, so der iga.report, „kann es auch kostspieligen Gerichtsverfahren aus dem Wege gehen, die nicht selten im Zusammenhang mit krankheitsbedingten Kündigungen angestrengt werden.“

Gesteigerte Attraktivität als Arbeitgeber

Neben den rein praktischen Gründen erzeugt der imagefördernde Effekt solcher Maßnahmen auch Pluspunkte bei der Arbeitgeberattraktivität. Unternehmen, die Wert auf langfristige und nachhaltige Beschäftigungsverhältnisse legen, gehen daher bei ihren BEMs über die gesetzlichen Forderungen hinaus und machen sie zum integrierten Bestandteil ihrer Personalentwicklung.

Für jede Betriebsgröße umsetzbar

Für Betriebe unterschiedlicher Größe rät der Arbeitskreis „Gesundheit im Betrieb“ im hessischen RKW (RKW Rationalisierungs- und Innovationszentrum der Deutschen Wirtschaft e. V.) dazu, eine „breite Akzeptanz auf individueller und betrieblicher Ebene“ herzustellen.

  • In größeren Betrieben sei die Einrichtung eines entsprechenden Arbeitskreises zu empfehlen, an dem mehrere Mitarbeiter und ein Vertreter des Betriebsrats teilnehmen.
  • In mittleren Betrieben bestehe die Möglichkeit, eine Vertrauensperson mit der Durchführung der entsprechenden Maßnahmen zu beauftragen.
  • In kleinen Betrieben kümmere sich in der Regel der Arbeitgeber selbst um die Durchführung, da er ohnehin in regelmäßigem Austausch mit seinen Mitarbeitern stehe.

Teilnahme für Betroffene freiwillig

Diese Akzeptanz ist vor allem unter einem Aspekt bedeutsam, auf den der Dachverband Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) aufmerksam macht: „Das gesamte BEM-Verfahren beruht auf dem Prinzip der Freiwilligkeit der Teilnahme und kann daher nur mit Zustimmung des Beschäftigten durchgeführt werden. Dieser kann jederzeit seine Einwilligung widerrufen. Eine Ablehnung des BEM darf dem Betroffenen nicht zum Nachteil ausgelegt werden. Sobald der Beschäftigte nicht mit der Einleitung eines BEM-Verfahrens einverstanden ist, seine Zustimmung zurückzieht bzw. sich nicht an den notwendigen Maßnahmen beteiligt, endet das Verfahren.“ In einem umfassenden Leitfaden hat die DGUV zahlreiche weitere Aspekte des BEM praxisnah aufgearbeitet. Außerdem stellt der AOK-Arbeitgeberservice Informationen zur Verfügung.