Rauchen am Arbeitsplatz von A bis Z

10. Februar 2016

Die wichtigsten Fakten, Vorschriften, Gesetze und Angebote für Arbeitgeber auf einen Blick.

Wie wirkt sich Rauchen auf die Wirtschaftlichkeit im Unternehmen aus?

Eine Untersuchung der Ohio State University hat 2013 ergeben, dass Mitarbeiter, die rauchen, dem Unternehmen jedes Jahr rund 6.000 $ mehr an Kosten verursachen als jene, die nicht rauchen. Wegen der unterschiedlichen Voraussetzungen bei den Rahmenbedingungen (z.B. Krankenversicherung) sind die Kosten nicht eins zu eins umrechenbar; die Hamburger Wirtschaftswissenschaftler Michael Adams und Tobias Effertz haben das deutsche Äquivalent auf etwa 2.200 Euro berechnet. Dennoch liefern die erkannten Kostenfaktoren Hinweise auf kritische Faktoren.

  1. Ungefähr die Hälfte der Kosten wird durch Produktionsausfälle bei Raucherpausen verursacht, wenn diese nicht als Arbeitsunterbrechungen gewertet werden (z.B. um eine Gleichbehandlung der Nichtraucher herzustellen). Selbst wenn es so ist, entstehen noch Kosten durch das Wiederaufnehmen bzw. Abbrechen der Tätigkeit nach und vor der Pause.
  2. Zusätzliche Fehltage wegen der weniger robusten Gesundheit sowie verringerte Produktivität wegen mangelnder körperlicher Leistungsfähigkeit addieren sich zu ungefähr einem Sechstel der Zusatzkosten.
  3. Der Aufwand zum Schutz der Nichtraucher sowie zusätzliche bauliche und technische Einrichtungen machen den Rest der Kosten aus.

Das gern vorgebrachte Argument, die Raucherpausen seien wegen der dort geführten, in der Regel betrieblich ausgerichteten Gespräche und Diskussionen, von der Kostenseite her unschädlich, trifft nur eingeschränkt zu. Denn der Teilnehmerkreis ist eher zufällig, die Nichtraucher sind dabei ausgeschlossen und die Ergebnisse fließen in keinen kontrollierten Prozess ein.

Was sagt der Gesetzgeber?

Die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) schreibt in § 5 den Nichtraucherschutz verbindlich vor. Das bedeutet: Wer nicht raucht, ist durch den Arbeitgeber „wirksam“ vor den Gesundheitsgefahren durch Tabakrauch zu schützen. (§ 5 ArbStättV). Seit 1. September 2007 sind Arbeitgeber bei Bedarf sogar verpflichtet, ein allgemeines oder bereichsweises Rauchverbot zu erlassen.

Das Bundesnichtraucherschutzgesetz (BNichtrSchG) verbietet seit 2007 generell das Rauchen in öffentlichen Verkehrsmitteln und in Bundesbehörden.

In Arbeitsstätten mit Publikumsverkehr wie Gaststätten haben die Arbeitnehmer keinen generellen Anspruch auf Schutz vor den Folgen, die das Rauchen nach sich zieht. Arbeitgeber müssen dort nur solche Schutzmaßnahmen treffen, wie es die Natur des Betriebes und die Art der Beschäftigung zulassen. Auch dies ist in § 5 ArbStättV geregelt.

Weiterführende Informationen zum Nichtraucherschutz liefern u.a. die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZgA, sowie die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen DHS.

Ist Tabakkonsum eine Gewohnheit, eine Sucht oder krankhaftes Verhalten?

Die Abgrenzung zwischen Gewohnheit und Sucht ist relativ einfach zu treffen, wenn man einige Kriterien zugrunde legt, die in einer Broschüre der Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen DHS aufgeführt sind. Demnach ist die Diagnose „Abhängigkeit“ zu stellen, wenn innerhalb der zurückliegenden zwölf Monate drei der folgenden sechs Symptome aufgetreten sind:

  1. Starkes Verlangen oder Zwang, Tabak zu konsumieren.
  2. Verminderte Kontrolle über Tabakkonsum, erfolgloser Versuch oder anhaltender Wunsch, Gebrauch zu verringern oder zu beenden.
  3. Körperliches Entzugssyndrom bei Verringern oder Absetzen des Tabakkonsums.
  4. Toleranzentwicklung: Um eine Wirkung zu erzielen, sind zunehmend höhere Dosen erforderlich.
  5. Einengung auf den Tabakgebrauch: Zunehmende Vernachlässigung anderer Aktivitäten und Interessen zugunsten des Konsums.
  6. Anhaltender Konsum trotz des Nachweises von Folgeschäden (dazu können gehören: die substanzbedingte Leistungseinbuße, Organschädigungen oder psychische Veränderungen (Depression, Angst)).

Wann und in welchem Umfang dürfen Arbeitgeber eingreifen?

Außerhalb der gesetzlich gezogenen Raum- und Schutzgrenzen haben Arbeitgeber keine rechtliche Grundlage, um Mitarbeitern das Rauchen zu verbieten. Alle entsprechenden Initiativen sind ausschließlich freiwilliger Natur. Ein geeigneter und wirkungsvoller Hebel ist das „Betriebliche Gesundheitsmanagement“ mit seinen Leistungen. Dort ist es möglich, Mitarbeitern Maßnahmen zur Entwöhnung beim Rauchen anzubieten.

Schon 2008 haben Experten des TÜV Rheinland ein entsprechendes Programm speziell für Unternehmen entwickelt, die ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den Abschied von der Zigarette erleichtern wollen. Das Programm unter dem Titel „HappyEnd“ wurde von Sabine Bätzing, der damaligen Drogenbeauftragten der Bundesregierung und heutigen Ministerin für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie Rheinland-Pfalz, unterstützt: „Ich begrüße das neue Konzept, weil es jedem Betroffenen konkrete Hilfestellung beim Weg aus der Sucht bietet und sie dort erreicht, wo sie einen Großteil ihrer Zeit verbringen: am Arbeitsplatz. Gleichzeitig können Unternehmen dadurch ihrer Verantwortung gerecht werden und Anreize für Mitarbeiter schaffen, mit dem Rauchen aufzuhören“, so Bätzing.

Mit der Verankerung eines solchen Programmes im Unternehmen sollten auf jeden Fall begleitende Kommunikations- und Organisationsschritte erfolgen, schreibt die Diplom-Pschologin Verena Bonn schon 2004 in dem Diskussionspapier „Arbeitsdroge Tabak“ der Gesellschaft für Betriebliche Gesundheitsförderung, Berlin: „Darüber hinaus ist es wichtig, dass Raucher das Nichtrauchen als eigenständigen Wert erkennen und nicht als das bloße Fehlen von Rauchen. Das Nichtrauchen an sich ist eine Ressource, die befreit und zu einem besseren Körpergefühl führt. Prinzipiell sollten sich Unternehmen darüber klar sein, dass erfolgversprechende Rauchentwöhnung nicht nur eine Veränderung für den Einzelnen darstellt, sondern auch Veränderungen im Unternehmen mit sich zieht und ziehen sollte.“

Woher bekommen Unternehmer Beratung und Unterstützung?

Vorteilhaft sieht die Finanzierung solcher Programme aus: Seit 2009 besteht Freibetrag für Arbeitgeberleistungen zur Betrieblichen Gesundheitsförderung, wonach jährlich Leistungen bis 500 Euro steuer- und sozialversicherungsfrei je Arbeitnehmer gewährt werden. Voraussetzung ist, dass sie der Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustands dienen (§3 Nr. 34 EStG). Die Kosten einer Betrieblichen Raucherentwöhnung sind damit als Betriebsausgabe steuerlich absetzbar. Allerdings müssen sie vom Arbeitgeber zusätzlich zum geschuldeten Arbeitslohn erbracht werden. Eine Umwandlung von Arbeitslohn ist nicht möglich.

Die Betriebsberater der diversen Krankenkassen verfügen über einschlägiges Wissen sowie ausführliche Unterlagen, die eine Firma bei ersten Schritten und folgenden Maßnahmen unterstützen. Entsprechende Hinweise und Einstiegsinformationen finden sich auf den Webseiten z.B. von AOK, Barmer und DAK. Da alle diese Organisationen auch beim Betrieblichen Gesundheitsmanagement generell engagiert sind, haben die Krankenkassen auch die nötigen Kenntnisse für das Beantragen der jeweiligen Fördermittel.

Eine praxisorientierte Einstiegshilfe in das Thema bietet die Broschüre „rauchfrei am Arbeitsplatz!“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZgA. Sie steht kostenlos zum Download im Internet bereit und enthält eine Fülle an Informationen zu gesundheitlichen Folgen des Rauchens und Passivrauchens, zu den gesetzlichen Regelungen zum Nichtraucherschutz, zur Raucherberatung und Rauchentwöhnung und zur Realisierung von rauchfreien Arbeitsplätzen. Tipps sowie Arbeits- und Kommunikationshilfen machen die Broschüre zu einem wertvollen Ratgeber für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Betrieben.

Eine hilfreiche Handreichung stellt zudem das ifb - Institut zur Fortbildung von Betriebsräten zum kostenlosen Download im Internet bereit: eine Musterbetriebsvereinbarung zum Nichtraucherschutz.

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