„Rauchfrei“ ist nicht nur ein Verbot

1. Februar 2016

Firmen, die das Rauchen während der Arbeit abschaffen wollen, stehen mehrere Lösungs-Ansätze offen.

Prinzipiell steht deutschen Arbeitgebern der Umgang mit dem Rauchen auf dem Firmengelände frei

  • Rauchen oder Nichtrauchen im Betrieb ist weitgehend Sache des Arbeitgebers
  • Gesundheitsschutz, Gleichbehandlung und Imagefragen sind die Treiber für Entscheidungen pro oder contra
  • Rauchentwöhnung bzw. Maßnahmen zur Kompensation von Rauch-Ursachen sind zielführende Schritte, um Konflikte zu lösen

Ein bisschen haben sie damals noch gezögert, die Airlines dieser Welt, aber dann ging alles ganz schnell: Das einzige, was nach der Jahrtausendwende bei einem Flug noch ungestraft qualmen durfte, war das Triebwerk. Ansonsten hieß es dann unisono rund um den Globus: Zigarette aus. Heute erinnern an jene Zeiten lediglich die Standard-Ansagen á la „Alle Flüge der Himmelhoch-Air sind Nichtraucherflüge.“

Rauch-Stopp wegen Korrosion und Klagerisiko

Den Fluggesellschaften fiel dieser Schritt aus mehrerlei Gründen leicht. Zunächst ließen sich dadurch die Wartungs- und Reinigungskosten für die Flugzeuge reduzieren; die Korrosionsschäden, die durch Rückstände des Rauchens verursacht wurden, gingen in die Millionen – zumal dadurch häufigere Wartungsintervalle nötig wurden. Noch mehr aber fielen mögliche Gesundheitsschäden des fliegenden Personals sowie mögliche Klagen von Mitreisenden ins Gewicht, die ihre Gesundheit gefährdet sahen. Ausgehend von entsprechenden Urteilen in den USA baute sich eine beachtliche Drohkulisse auf. Dort gab es auch ab dem 25. Januar 1990 das erste generelle Rauchverbot an Bord von Inlandsflügen.

Saubere Luft hilft beim Recruiting

Zwar sind die rechtlichen Risiken und Schadenersatzforderungen hierzulande nicht so gravierend wie jenseits des Atlantik. Aber für viele gastronomische Betriebe spielte das Abwägen zwischen Gesundheit und Wirtschaftlichkeit auch bei der Einführung des Rauchverbots in Kneipen, Lokalen und Restaurants eine Rolle. Bei der Suche nach Fachpersonal ist heutzutage die „reine Luft“ am Arbeitsplatz ein zugkräftiges Argument. Denn Nichtraucher fühlen sich von Arbeitsumgebungen abgestoßen, in denen sie passiv mitrauchen müssen.

Konflikt-Lösungen im Konsens

Prinzipiell steht es deutschen Arbeitgebern frei, ob sie das Rauchen am Arbeitsplatz oder auf dem Firmengelände erlauben oder untersagen. Es sei denn, Sicherheitsgründe sprächen dagegen wie z.B. an Tankstellen oder in Bergwerken. Wie in vielen anderen Bereichen der Arbeitsorganisation auch hat es sich jedoch eingebürgert, dass dieses Thema nicht mehr „top-down“ angeordnet, sondern im Konsens mit den Mitarbeitern gelöst wird.

Schadet Rauchen der Unternehmensbilanz?

Rauchen schadet der Unternehmensbilanz

Die Werthaltigkeit der Aufgabe steht außer Frage. Nicht nur wegen des Unmuts der belästigten Nichtraucher im Unternehmen generiert der blaue Dunst am Arbeitsplatz Nachteile für die Wirtschaftlichkeit der Firma. „Raucher fallen an ihrem Arbeitsplatz durchschnittlich 30 bis 40 Prozent häufiger durch Krankheit aus“, berichtete schon vor gut fünf Jahren Dr. Ulrike Roth, Arbeitsmedizinerin bei TÜV Rheinland. „Außerdem sind sie oft weniger produktiv als ihre nichtrauchenden Kollegen.“ Der Grund: Wer sich täglich die eine oder andere Zigarette gönnt, kommt am Ende des Arbeitstags schnell auf 30 bis 60 Minuten zusätzliche Pause.

Aufgabe für das Betriebliche Gesundheitsmanagement

Als geeigneter Ansatzpunkt, um das Thema anzugehen, hat sich – besser als papierene Betriebsvereinbarungen zur Pausengestaltung – für viele Firmen ein aktiv betriebenes „Betriebliche Gesundheits-Management“ (BGM) erwiesen. Darin stehen die Fragen ums Rauchen und ungewollte Mit-Rauchen gleichrangig mit Überlegungen zu gesteigerter individueller Fitness, gesunder Ernährung in der Kantine oder ergonomisch förderlichen Arbeitsplätzen.

Ausgleich schaffen für Stress und körperliche Belastung

Besonderes Augenmerk gilt dabei der Funktion des Rauchens zum Abbau oder zur Kompensation von Belastungen am Arbeitsplatz. So berichtet etwa die AOK über Beobachtungen, dass in körperlich und seelisch anstrengenden Jobs wie den Pflegeberufen, der Satz „Ich geh‘ mal eine rauchen“ sehr häufig zu hören sei. „Als Einstieg in die Raucherkarriere bei den Pflegenden gilt die Ausbildung“, schreibt die AOK in einem Report. „Mehr als die Hälfte der Gesundheits- und Krankenpflegeschülerinnen greift zum Glimmstängel.“

Verbote dienen keinem

Die Krankenkasse zitiert dazu Andrea Weskamm, Referentin für Prävention und Gesundheit beim Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK): „Die meisten nutzen das Rauchen als Stressbewältigung.“ Sie verweist auf die enorme Arbeitsverdichtung und belastenden Arbeitsbedingungen in der Pflege. In solchen Situationen ist mit Verboten keinem gedient; es bedarf grundsätzlicher Maßnahmen und Veränderungen, um das Problem an der Wurzel zu packen.

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