Recruiting: Arbeitgeber im Wettbewerb

31. August 2009

Unternehmen, die hoch qualifizierte Fachkräfte suchen, greifen gerne zu einem ganz besonderen Mittel, um auf sich aufmerksam zu machen: Sie nehmen an Arbeitgeberwett­bewerben teil. Lohnt sich der Aufwand?

Eine lange Liste verzeichnet viele Firmennamen in unterschiedlichen Kategorien: Etwa die „hundert innovativsten Mittelständler“, „die hundert besten Arbeitgeber“ oder schlicht „Deutschlands beste Arbeitgeber“. Alle diese Unternehmen haben eines gemeinsam: Sie haben an einem Wettbewerb teilgenommen und sind dabei für ihre Personalarbeit ausgezeichnet worden. Und fast alle nutzen den Preis oder eine gute Platzierung auch mehr oder minder offensiv für Bewerbermarketing und Recruiting. Die Frage bleibt: Was bringt, was nutzt die Teilnahme an einem solchen Wettbewerb und „rechnet“ sie sich wirklich?

Mehr als 20 solcher „Personal Awards“ haben Professor Dr. Ewald Scherm und Lisa Fleischmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fernuniversität in Hagen, in einer Untersuchung ermittelt. Nicht alle sind überregional ausgerichtet. Manche bewerten die Personalarbeit als Ganzes, manche nur Teilbereiche wie die Weiterbildung oder sogar lediglich Projekte daraus. „Es gibt einige Ähnlichkeiten, aber auch viele Unterschiede“, sagt die Diplom-Sozialwissenschaftlerin Lisa Fleischmann. Das fängt schon bei den Kosten für die Teilnahme an: Von kostenlos über einige Hundert Euro bis zu mehreren Tausend Euro reicht die Spanne.

Unterschiedliche Leistungen

Aber auch das Servicepaket, das damit verbunden ist, variiert. Dazu gehören zum Beispiel offensive Vermarktung in den Medien und Pressearbeit, Veröffentlichung von Rankings, Auftritte auf Fachmessen, Benchmarkings und Analysen, Verbesserungsvorschläge, Preisgelder und nicht zuletzt „Gütesiegel“ oder „Auszeichnungen“, die die Firmen nach eigenem Gutdünken einsetzen können.

Fast alle Anbieter solcher Zertifikate arbeiten mit Fragebogen und Selbstauskünften. Nur wenige führen aber eine Mitarbeiterbefragung oder gar eine Unternehmensbesichtigung durch. Meist werden die Auszeichnungen durch eine Jury ermittelt, die sich aus Vertretern von Wissenschaft oder Wirtschaft zusammensetzt. „Fehlende Transparenz“, kritisiert Lisa Fleischmann nicht nur in diesem Zusammenhang. „Die Bewertungskriterien sind häufig so wenig spezifisch formuliert, dass sich ihre tatsächliche Bedeutung für einen Beobachter von außen nicht erkennen lässt.“

Tragen solche Wettbewerbe dazu bei, die Personalarbeit eines Unternehmens zu verbessern? Die Expertin bleibt skeptisch: „Wir halten die Aussagekraft der Bewertungen wegen ihrer methodischen und konzeptionellen Defizite für mehr oder minder gering.“ Starke Worte, denen die Veranstalter solcher Arbeitgeberwettbewerbe nicht zustimmen mögen. Joachim Schuble, Geschäftsführer der Compamedia GmbH, die den Wettbewerb TOP JOB durchführt, schaut trotz solcher Kritik gelassen in die Zukunft: „Wir wissen, dass sich in der aktuellen Lage sicher viele Unternehmer Gedanken machen, ob sie die Investition tätigen wollen, die mit einer Teilnahme am Wettbewerb und Benchmarking verbunden ist.“

Teil des Employer Brandings

Er verweist aber auf die Bedeutung einer professionellen Vermarktung als Arbeitgeber: „Vor allem im Bereich der Fach- und Führungskräfte wird die Zahl der Bewerber auch in der Krise nicht plötzlich sprunghaft ansteigen.“ Hier sei die Bedeutung eines professionellen Employer Brandings – mit den Wettbewerben als einem Element – gar nicht hoch genug einzuschätzen.

Diese Meinung scheinen viele Unternehmen zu teilen. Das jedenfalls legt eine HR-Trendstudie der Kienbaum Consultants International GmbH vom vergangenen Jahr unter 114 Personalverantwortlichen deutscher Unternehmen nahe. Die Teilnehmer kamen aus den Branchen Automobilindustrie, Energieversorgung, Finanzdienstleistung und Gesundheit, aber auch Maschinenbau und Handel und repräsentieren Unternehmen von einem bis zu 250.000 Mitarbeitern. Rund die Hälfte der Befragten räumt jeweils der Besetzung von Schlüsselpositionen und dem Employer Branding einen hohen Stellenwert ein. 47 Prozent bewerten dabei die Bedeutung von Top-Arbeitgeber-Rankings als mittel, 38 Prozent als hoch.

Auch für Randstad spielen Wettbewerbe und Auszeichnungen eine Rolle, um sich als guter Arbeitgeber in der Öffentlichkeit zu positionieren. So kam das Unternehmen auf Anhieb unter die ersten 20 beim renommierten Wettbewerb „Deutschlands beste Arbeitgeber“. Die Jury hob in der Begründung insbesondere die bei Randstad Deutschland gelebte Vertrauenskultur hervor. Im Vorjahr zählte das Unternehmen auch zu den „kundenorientiertesten Dienstleistern Deutschlands“, einer Auszeichnung, die unter anderem vom „Handelsblatt“ und der Universität Sankt Gallen verliehen wird.

Entscheidung im Einzelfall

Projektmanager Tobias Schmidtner vom Great Place to Work Institute aus Köln, das den Wettbewerb „Deutschlands beste Arbeitgeber“ betreut, sieht dessen Internationalität als großen Pluspunkt. Jedes Unternehmen ab 50 Mitarbeitern könne sich daran beteiligen. Als Bewertungsinstrument wird dabei eine standardisierte Mitarbeiterbefragung (Great Place to Work Trust-Index) durchgeführt, die in 60 Fragen übergeordnete Dimensionen wie Vertrauen, Stolz und Teamgeist am Arbeitsplatz erfasst.] Dazu kommt ein Kultur-Audit bei den Personalverantwortlichen.

Woran soll sich also ein Unternehmen orientieren, das sich für die Teilnahme an einem solchen Arbeitgeberwettbewerb interessiert? Das muss sicher im Einzelfall entschieden werden, aber Lisa Fleischmann von der Fernuniversität in Hagen rät dazu, auf drei Punkte zu achten: „Es ist wichtig, sehr genau die Teilnahmebedingungen, die Auswertung, die das Unternehmen erhält, und die Leistungen anzusehen, die damit verbunden sind. Dann kann erst entschieden werden, welcher und ob überhaupt Nutzen für die Firma daraus entstehen kann."

Auswahl überregionaler Wettbewerbe und Awards

BestPersAward durchgeführt von der Prisma Professor Scholz GmbH, Teilnahme kostenlos Link zur Website BestPersAward http://www.bestpersaward.de Deutscher Personalwirtschaftspreis durchgeführt von der Zeitschrift „Personalwirtschaft“ und der Messe „Zukunft Personal“, Teilnahme kostenlos Link zur Website Personalwirtschaftspreis http://www.personalwirtschaftspreis.de. Deutschlands beste Arbeitgeber durchgeführt vom Great Place to Work Institute, Kosten zwischen 3900 und 9000 Euro Link zur Website Deutschlands bester Arbeitgeber http://www.greatplacetowork.de TOP JOB durchgeführt von Compamedia GmbH, Kosten zwischen 3900 und 7800 Euro Link zur Website TOP JOB" http://www.topjob.de initiativpreis Aus- und Weiterbildung durchgeführt vom Deutschen Industrie- und Handels[-]kammertag, Teilnahme kostenlos Link zur Website Initiativpreis Aus- und Weiterbildung http://www.dihk.de/initiativpreis MUWIT Weiterbildungs-Award durchgeführt von IIR Deutschland GmbH, Teilnahme kostenlos Link zur Website MUWIT Weiterbildungs-Award http://www.muwit.de.

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