Schutzhelm für die Seele

Beim Arbeitsschutz spielt die Psyche inzwischen eine gleich bedeutende Rolle wie der Körper. Unterstützung für Unternehmen bietet das Projekt „Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt“.

  • Psychische Gesundheit der Mitarbeiter ist ein Erfolgsfaktor fürs Unternehmen
  • Spezielles Programm zur Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen
  • Augenmerk gilt Beschäftigten und Führungskräften gleichermaßen 

Seit im September 2013 das Gesetz zur Neuorganisation der Bundesunfallkassen (BUK-NOG) in Kraft getreten ist, erstreckt sich die Pflicht eines Arbeitgebers zur Durchführung von Gefährdungsbeurteilungen nun sowohl auf körperliche wie auch auf psychische Belastungen im Unternehmen. Denn in diesem Gesetz ist der „Schutz der Gesundheit bei arbeitsbedingter psychischer Belastung“ als Ziel verankert.

Belastbarkeit unter die Lupe nehmen

Ganz unabhängig von der Gesetzgebung liegt es im natürlichen Interesse jedes Unternehmens, sich um die psychische Gesundheit, das Wohlbefinden, die Belastbarkeit und die Motivation von Beschäftigten und Führungskräften zu kümmern - im Sinne der Arbeitskraft-Erhaltung. Denn Fehlzeiten und Frühverrentungen aufgrund psychischer Erkrankungen steigen seit Jahren stetig an und verursachen enorme wirtschaftliche Kosten.

Nach modernem Führungsverständnis sind das entscheidende Erfolgsfaktoren für Unternehmen und Organisationen. Allerdings mangelt es gerade in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) häufige an adäquaten und funktionierenden Lösungen, um genau diese Faktoren zu stärken. Hier bietet ein noch relativ unbekanntes Programm Hilfe. Das Projekt Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt (psyGA) liefert vielfältige Materialien und anregende Beispiele aus der Praxis.

„Kein Stress mit dem Stress“

Das Projekt psyGA der „Initiative Neue Qualität der Arbeit“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zeigt, wie Mitarbeitende vor zu viel Stress geschützt werden und sowohl Personalverantwortliche als auch Beschäftigte selbst Belastungen entgegenwirken können. Unter dem Motto „Kein Stress mit dem Stress“ bietet psyGA praxisnahe Handreichungen zum Thema psychische Gesundheit für Unternehmen und Organisationen aller Branchen und Größen. Die Projektleitung liegt beim BKK Dachverband e.V.

Besonders hilfreich sind Beispiele aus der betrieblichen Praxis, die zur Nachahmung anregen.

  • Beispiel Kleinunternehmen: Lessing Friseure
    Dennis Lessing, seine Frau Yvonne und ihre rund 20 Beschäftigten betreuen in zwei Friseursalons im hessischen Korbach ihre Kundinnen und Kunden. „Unsere Überlegungen drehten sich immer darum, was wir für die Kunden tun und durch welche Aktionen wir sie noch stärker an uns binden“, sagt Inhaber und Friseurmeister Dennis Lessing. Doch dann wurde ihm klar, dass es gerade in Zeiten des Fachkräftemangels genauso wichtig ist, auch das Wohlbefinden der Beschäftigten in den Blick zu nehmen, um Mitarbeiterzufriedenheit und Identifikation mit dem Unternehmen weiter zu steigern. Gemeinsam mit einem Berater erarbeiteten die Lessings ein Leitbild, verbesserten die Kommunikation im Arbeitsalltag und entwickelten Maßnahmen, um den Beschäftigten ihre Wertschätzung zu zeigen. Das Ergebnis: ein besseres Betriebsklima und Mitarbeitende, die sagen: „Der Salon ist mein zweites Zuhause“.
  • Beispiel Mittelstand: OKE Group
    Die OKE Group GmbH ist ein international tätiges mittelständisches Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen. Das Unternehmen produziert Kunststoffkomponenten vorrangig für die Automobil- und Möbelindustrie. Für sein vielseitiges Mitarbeiterprogramm OKE plus wurde das Unternehmen bereits mit dem Corporate Health Award ausgezeichnet. Denn ein Schwerpunkt des Programms liegt im Bereich Betrieblicher Gesundheitsförderung. Ziel ist, die Beschäftigten insgesamt zu entlasten und so auch ihre psychische Gesundheit zu stärken. Neben zahlreichen Angeboten für die körperliche Fitness spielen deshalb spezielle Coachings für Führungskräfte im Bereich psychische Gesundheit eine besondere Rolle. Außerdem stehen interne und externe Ansprechpartner bei Belastungen bereit.
  • Beispiel Handwerk: Reinecke Holzbearbeitung
    Die Firma Reinecke Holzbearbeitung in Ilsenburg/Harz hat sich auf die Anfertigung individueller und qualitativ hochwertiger Möbelstücke und Innenausbauelemente spezialisiert. Frank Reinecke führt den Betrieb mit zwölf Beschäftigten in dritter Generation. 2013 ließ Reinecke sich im Rahmen eines EU-Förderprogramms beraten. Alle Beschäftigten setzten gemeinsam Maßnahmen zur Verbesserung von Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz um und verbesserten so Kommunikation und Arbeitsklima merklich. Reinecke versucht auch, den Beschäftigten selbst ein Vorbild zu sein. Vom Alltagsstress befreit sich der passionierte Läufer mit Training in den Bergen.

Checkliste für Dienstleister-Auswahl

Externe Anbieter von Mitarbeiterberatungsprogrammen (engl.: Employee Assistance Programs; EAP) haben sich inzwischen darauf spezialisiert, KMU bei der anspruchsvollen Aufgabe zur Seite zu stehen. Hilfreich bei der Auswahl ist eine Checkliste der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK). Sie ist mit Unterstützung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) entstanden und liefert Entscheidungsgrundlagen, mit denen Unternehmen besser zwischen einschlägigen Dienstleistern auswählen können.  Sie sollen EAP-Anbieter finden, die Mitarbeiter so beraten und betreuen, dass sich aus psychischen Krisen oder Burnout-Beschwerden keine behandlungsbedürftigen oder letztlich sogar chronische Krankheiten entwickeln.