Schwerpunkt: Teamarbeit

30. November 2009

Wird 2009 als das Jahr der großen Krise in Erinnerung bleiben? Als das Jahr, in dem Personalabbau als passende Antwort auf schlechte Wirtschaftsdaten galt? Oder haben Personalchefs die vergangenen Monate mit innovativen Konzepten gemeistert? Eine Zwischenbilanz zeigt: Teams trotzen Schwierigkeiten besonders effizient. Investitionen in ihre Weiterentwicklung machen sich bezahlt.

Fußballspielen kennt weder Grenzen noch Sprachbarrieren. Für Flüchtlinge aus dem Camp in Rockolding bedeutet es vor allem Integration und Abwechslung im sonst eher tristen Alltag. Einfach mal Spaß haben und alles andere vergessen, das können sie jetzt dank Thomas Wibmer und dem Freizeit-Fußballverein „Sauwa Kicker“. „Wir laden zu den Trainings seit einiger Zeit Flüchtlinge aus dem nahegelegenen Camp ein, um ihnen eine Freizeitmöglichkeit mit sportlicher Betätigung zu bieten. Dabei wechseln wir die Gruppen regelmäßig durch, damit jeder, der interessiert ist, auch drankommt. Allerdings sind die Voraussetzungen noch nicht ideal, da die Flüchtlinge weder über passende Fußballbekleidung noch Schuhe verfügen“, erklärt Thomas Wibmer, der beim Personaldienstleister Randstad als Aviation Consultant in der Niederlassung Ingolstadt arbeitet. Er hat sich deshalb bei seinem Arbeitgeber um finanzielle Unterstützung für seine Fußballidee gebeten. Randstad fördert das Projekt im Rahmen der Initiative „Ehrensache“ und hilft so bei der Anschaffung der Basis-Ausrüstung für die Spieler und übernimmt die Startgebühren und die Verpflegung auf Turnieren.

Integration aktiv fördern

Am 23. Juli 2016 fand ein solches regionales Fußballspaßturnier mit 20 Mannschaften auf dem Sportplatz in Menning statt. Hier konnten die Flüchtlinge dank der Unterstützung durch Thomas Wibmer und die Sauwa Kickers teilnehmen. Ihre Mannschaft „Syria United“ lief in den neuen, leuchtendgrünen Trikots auf und war mit großem Eifer dabei - auch, wenn es am Ende nur zum vorletzten Platz reichte. „Es war für alle ein wirklich toller Tag mit vielen spannenden Matches und fairen Zweikämpfen. Fußball ist eine tolle Möglichkeit, um zu zeigen, dass Spaß am Spiel uns alle verbindet. Mir ist es wichtig, den Jungs in der Mannschaft neben dem Fußball auch den Start in Deutschland zu erleichtern. Integration darf man nicht nur erwarten, man kann diese auch aktiv fördern“, betont Thomas Wibmer. „Über die letzten Monate haben sich sogar richtige Freundschaften entwickelt. Wir alle hoffen, dass wir unser Engagement langfristig weiterführen können und freuen uns schon auf das nächste Jahr.“

Wo immer Kristina Taffner (22) von ihren Schafen Rosi, Purzel, Horni, Gerda, Paula und Knuddel-Wuddel und deren Leben erzählt, ist ihr die Aufmerksamkeit gewiss. Und am meisten dann, wenn die angehende Industriekauffrau berichtet, dass „Happy sheep“ Teil ihrer Ausbildung bei der Firma SBS-Feintechnik in Schonach ist. Kristina Taffner hat die Koordination des Projektes übernommen, an dem sich freiwillig rund 20 Auszubildende der Burger-Gruppe beteiligen, zu der SBS-Feintechnik gehört. Was Schafe zu versorgen, zu füttern und zu scheren mit einer kaufmännischen Berufsausbildung zu tun hat? Hier viel. Denn das mittelständische Unternehmen geht beim Training seines Nachwuchses ungewöhnliche Wege – mit jährlichen gemeinsamen Outdoor-Events, regelmäßigem karitativem Engagement der Azubis oder Auszubildenden-Stammtischen, bei denen auch sehr kritische oder private Themen besprochen werden. 

Und eben auch mit dem Spiel „Happy sheep“, in dem die jungen Leute lernen, gemeinsam Verantwortung für die ihnen anvertrauten Lebewesen zu übernehmen. „In der Ausbildung wollen wir nicht nur Fachwissen vermitteln, sondern Teamgeist, Begeisterung und Verantwortungsbewusstsein junger Menschen fördern“, nennt Silke Burger als Ziel. Die Leiterin Human Resources des 153 Jahre alten Traditionsunternehmens, das unter anderem Antriebs- und Spritztechnik produziert, setzt aber nicht nur beim Nachwuchs auf Motivation, Mitarbeiterförderung und Anerkennung. „Unsere Mitarbeiter sind Mitdenker und Teil unseres Erfolges“, ist sie überzeugt. Und das sind sie erst recht, wenn es darum geht, schwierige Zeiten gemeinsam durchzustehen. Deshalb trägt sich das SBS-Management auch trotz anhaltender Wirtschaftskrise im Maschinenbau nicht mit dem Gedanken, an der bewährten Mitarbeiterförderung und -bindung etwas zu ändern. Selbst nicht in Zeiten, wo solche Ausgaben anderswo als überflüssig gelten.

Warum ändern, was sich bewährt hat?

Teamarbeit ist hier nicht nur in der Ausbildung längst etabliert: Abteilungen oder Projektgruppen finden sich zu regelmäßigen Sitzungen zusammen, in denen es auch darum geht, innovative Ideen zu entwickeln und voranzubringen. Oder darum, Kundenkontakte zu organisieren und zu verbessern. Das Management fördert diese Teamkultur bewusst. „Und das werden wir auch in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten weiter tun“, sagt Silke Burger. „Schließlich ist eine qualifizierte Belegschaft, ob nun Nachwuchs oder langjährige Mitarbeiter, unser wichtigstes Kapital.“ Keine grundsätzlichen Änderungen am Konzept, bestenfalls mehr Qualität statt Quantität beim breiten Angebot der Mitarbeiterbindungsmaßnahmen, das hat sich die Personalchefin für das Jahr 2010 vorgenommen.

Deshalb wird es auch weiter gemeinsame soziale und sportliche Aktivitäten für die Belegschaft geben, die die Firma finanziell unterstützt. „Und ganz sicher werden wir auch unser erfolgreiches Konzept der Burger Akademie, die wir 2006 gegründet haben, nicht ändern“, ist sich die Personalleiterin sicher. Dahinter steht ein umfangreiches Weiterbildungsangebot mit vielen Facetten, egal ob es um Produktschulungen, spezielles Fachwissen, Erste-Hilfe-Kurse oder sportliche Aktivitäten geht. Die werden seit rund zwei Jahren sogar von einer Diplom-Sportwissenschaftlerin betreut, die sich um das Gesundheitsmanagement insgesamt kümmert.

Bewahren, was tauglich ist, und neue Ideen gegen den Abschwung entwickeln: Diesen Spagat müssen Personalexperten derzeit bewältigen. Auch von ihrem Handeln hängt ab, ob das Unternehmen für die „Zeit danach“ gewappnet ist. Das aber bedeutet mehr denn je, gezielt zu rekrutieren und Talente zu halten und zu binden, ohne dabei notwendige Maßnahmen zur Kostensenkung wie Kurzarbeit oder Personalabbau aus dem Auge zu verlieren. Mehr und mehr geraten HR-Profis dabei in die Rolle, auch manch unangenehme Maßnahme wie die Flexibilisierung von Arbeitszeit oder sogar die Kurzarbeit glaubhaft als Kriseninstrument darstellen zu müssen, ohne Ängste zu schüren.

An der Weiterbildung wird nicht gespart

Fakt ist: Kostensenkungen sind für so manches Unternehmen heute überlebensnotwenig. Aber wenn, wo soll dann gespart werden? Liegt es da nicht nahe, zuerst solche Maßnahmen zu kappen, die für das Wohl und Wehe aller nicht existenziell notwendig sind? Aber entgegen allen Erwartungen bleibt im Jahr 2009 bei 56 % aller Betriebe mit mehr als 150 Mitarbeitern das Budget für innerbetriebliche Qualifizierungsmaßnahmen unverändert zum Vorjahr. 12 % der Befragten planen sogar eine Erhöhung ihres Weiterbildungsetats. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen forsa-Studie im Auftrag des Instituts für Lernsysteme (ILS) und der Europäischen Fernhochschule Hamburg. Wurde früher in Krisenzeiten schnell an der Weiterbildung gespart, erscheint das Know-how von Fachkräften heute als ein schützenwertes Gut.

Denn anders als die europäischen Kollegen scheinen sich deutsche Personalchefs auch der demografischen Herausforderungen der kommenden Jahre bewusst zu sein – das jedenfalls legt eine Studie des Beratungsunternehmens Boston Consulting Group vom Sommer 2009 nahe. Um gut ausgebildete Mitarbeiter zu halten und zu fördern und um sich selbst zur Arbeitgebermarke zu machen, lassen sich die Unternehmen danach einiges einfallen.

Das Wir-Gefühl in schweren Zeiten stärken.

Kristin Forth, Personalleiterin der Firma „Jäger direkt“ im hessischen Reichelsheim, weiß warum: „Wir alle müssen uns darüber klar sein, dass unsere Produkte und unsere Angebote immer ähnlicher werden. Worin wir uns unterscheiden, das ist unser Service, und der steht und fällt nun mal mit unseren Mitarbeitern.“ Die Firmenphilosophie und Vision „Mit Herz und Seele gemeinsam Menschen begeistern“ sei deshalb mehr als ein schönes Motto auf der Homepage. „Es sagt eigentlich alles über den Geist aus, der hier in diesem Unternehmen herrscht.“ Und den haben ganz offensichtlich nicht nur die Angehörigen der Führungsebene verinnerlicht, sondern auch die Mitarbeiter.

Bester Beweis sind die zahlreichen Auszeichnungen, die das Unternehmen schon erhalten hat: Bürgerpreis, Großer Preis des Mittelstandes, zweimal Kundenchampion des Jahres, Mutmacher der Nation, Landessieger Hessen und Ausbildungs-Ass sind nur einige davon. Die werden offensiv im Unternehmen kommuniziert und „stärken ganz klar das Wir-Gefühl“, weiß Kristin Forth. Ob und wie Teams zusammenarbeiten oder ob es doch irgendwo Verstimmungen gibt, das soll möglichst frühzeitig das sogenannte „Stimmungsbarometer“ ergeben, eine regelmäßig durchgeführte Umfrage bei freiwilliger Teilnahme – ein Frühwarnsystem.

„Als Mittelständler mit rund 170 Mitarbeitern herrscht bei uns ohnehin ein familiäres Klima, das wir aber auch ganz bewusst fördern“, sagt die Personalleiterin. Nicht selten kennt sich die Belegschaft ohnehin auch privat, deshalb wird Arbeiten im Team hier weiter groß geschrieben, Entwicklung und Weiterbildung auch. Und das auch trotz schwieriger Zeiten. Kristin Forth: „Nein, unter dem Druck der Krise haben wir nichts an unseren Konzepten geändert. Womit wir im Jahr 2010 neu beginnen werden, das war schon lange vorher geplant.“ Zum Beispiel zusätzliche Maßnahmen zur Führungskräfteentwicklung mit vielen verschiedenen Bausteinen. Dazu gehört dann ein Coaching zu den Themen persönliches Auftreten und Selbstdarstellung ebenso wie zu Rhetorik oder ein Teamtraining bei einem Kochevent.

Illustration: Michael Kühni

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