Sehr wichtig, aber...

Anderen uneigennützig helfen ist nobel. Aber tut das auch wirklich jemand? Was denken und wie handeln Arbeitnehmer, wenn es um ehrenamtliches Engagement geht? Das „Randstad Arbeitsbarometer“ fragte nach.

Edel sei der Mensch, hilfreich und gut – das forderte schon Goethe. Ein Leitsatz, der in einer Zeit, in der viele soziale Kälte beklagen, fast vergessen scheint. Die aktuelle Online-Umfrage im Auftrag von Randstad unter 835 Arbeitnehmern aus den Branchen Handel, Dienstleistung, Produktion/Industrie und öffentlicher Dienst ergibt ein sehr differenziertes Meinungsbild zum Thema Ehrenamt. Zum Beispiel wünscht sich eine große Mehrheit der Umfrageteilnehmer mehr Förderung der ehrenamtlichen Tätigkeit durch den Staat, aber auch durch die Unternehmen.

Völlig unumstritten – so das aktuelle „Randstad Arbeitsbarometer“ – ist der Wert von gesellschaftlichem Engagement: Nur vier Prozent der Befragten finden es überhaupt nicht wichtig. Für zwei Drittel spielt es offenbar eine bedeutende Rolle, darunter finden es 28 Prozent sogar „sehr wichtig“. Bedeutet das aber nun auch, dass sich alle diese Befragten uneigennützig für andere einsetzen? Das interessante Ergebnis: Von denjenigen, die dem Thema Ehrenamt immerhin eine „hohe Wichtigkeit“ beimessen, übt wiederum nur rund ein Drittel – 37 Prozent – selbst ein Ehrenamt aus. Hier sind, anders als vielleicht zu erwarten, die Männer in der Überzahl. Bei ihnen sind es 30 Prozent, bei den Frauen nur 23 Prozent.

Mehr Förderung gewünscht

Dabei ist die ganz große Mehrheit der Umfrageteilnehmer für eine stärkere Förderung des Ehrenamtes. 90 Prozent insgesamt plädieren dafür und wünschen sich, dass diejenigen, die ein Ehrenamt ausüben, auch finanziell stärker unterstützt werden. Woher diese Hilfe kommen soll? Hier denken 61 Prozent an eine wie auch immer geartete staatliche Förderung, aber immerhin auch 57 Prozent an mehr Engagement durch private Unternehmen. Möglicherweise, so die Schlussfolgerung, würden sich dann auch mehr Beschäftigte entschließen, tatsächlich neben ihrem Job ein Ehrenamt auszuüben. Denn bislang sind fast alle, rund 93 Prozent, zunächst in der eigenen Freizeit helfend tätig. 24 Prozent tun dies außerdem während eines bezahlten Urlaubs, aber nur 13 Prozent während der Arbeitszeit mit Freistellung durch ihr Unternehmen.

Wer sich aber tatsächlich bereits engagiert, tut das nicht erst seit Kurzem und bleibt meist beständig dabei – auch das ergab die Umfrage. Rund 38 Prozent derjenigen, die etwas für das Allgemeinwohl tun, sind schon seit zehn Jahren und länger aktiv. 19 Prozent seit fünf bis unter zehn Jahren. Und immerhin auch noch 15 Prozent seit einem bis unter drei Jahren. Neu dazugekommen sind elf Prozent der befragten Ehrenamtler: Sie haben sich in den vergangenen zwölf Monaten zu einem Engagement entschlossen.

Arbeitsbarometer zum Thema "Ehrenamt". Wie und wo gehen die freiwilligen Helfer ihr „Amt“ an? Die Hälfte entscheidet sich ganz klar nicht für Hilfe auf eigene Faust, sondern vertraut der Kompetenz und dem Organisationsvermögen eines Vereins. Darunter sind mit 45 gegenüber 41 Prozent mehr Männer als Frauen. Männer sind, sicher auch traditionell verankert, mit elf gegenüber zwei Prozent viel stärker bei der Freiwilligen Feuerwehr oder bei der Unfall- und Katastrophenhilfe tätig. Die Domäne der Frauen ist – auch eher traditionell – die Kinder- und Jugendarbeit oder der Natur- und Tierschutz, wo sie mit 16 gegenüber elf Prozent Männern in der Mehrheit sind. Noch deutlicher ist das Verhältnis in der Alten- und Behindertenpflege: Hier sind es elf Prozent Frauen, aber nur vier Prozent Männer, die helfen.

Freunde überzeugen

Wie viel Zeit lassen sich denn die freiwilligen Helfer ihren „Zweitjob“ kosten? Das verblüffende Ergebnis: Im Durchschnitt sind es 16 Stunden im Monat. Eine Minderheit von 16 Prozent der Befragten bringt es sogar auf mehr als monatlich 20 Stunden. Rund ein Drittel – 29 Prozent – auf elf bis 20 Stunden, ebenso viele auf sechs bis zehn Stunden und 26 Prozent auf bis zu fünf Stunden im Monat.

Auch die Frage nach dem Bildungsabschluss bringt interessante Ergebnisse. Kurz gesagt ist die Bereitschaft zum Ehrenamt umso höher, je größer auch die Bildung ist. Befragte mit niedrigem Bildungsabschluss üben nur zu 15 Prozent eine solche Tätigkeit aus, Arbeitnehmer mit hohem Bildungsgrad zu 34 Prozent. Wie sieht die Verteilung nach Branchen aus? Hier liegt der öffentliche Dienst weit vorn: 32 Prozent der befragten Beschäftigten, die sich ehrenamtlich engagieren, kommen aus diesem Bereich. Gefolgt von 27 Prozent Arbeitnehmern aus dem Sektor Dienstleistungen, 22 Prozent aus Produktion und Industrie und nur 18 Prozent aus dem Handel. Was vermutlich auch etwas mit den Arbeitszeiten zu tun hat.

Wie sind die Ehrenamtler überhaupt auf ihr Tätigkeitsfeld aufmerksam geworden? 73 Prozent antworten auf diese Frage mit: „Durch Freunde, Verwandte und Kollegen.“ Personen, denen man vertraut, sind also am ehesten in der Lage, andere vom Sinn des Engagements für einen bestimmten guten Zweck zu überzeugen. „Anonym“, etwa über das Internet, hat das nur bei acht Prozent der Umfrageteilnehmer funktioniert. Identifizieren sich diejenigen, die sich ehrenamtlich betätigen, mit dem, was sie tun, und reden sie darüber? Ja, 83 Prozent sprechen auch mit Familie und Freunden über ihr Ehrenamt, wenn sich die Gelegenheit ergibt, und versuchen dabei, diese davon zu überzeugen, sich selbst ehrenamtlich zu betätigen. Immerhin 70 Prozent ist es nach eigenen Aussagen auch schon gelungen, eine andere Person dafür zu gewinnen und zu motivieren. Damit bestätigt sich, dass man am ehesten im Freundes- und Familienkreis auf die Möglichkeit, ein Ehrenamt auszuüben, aufmerksam wird. Die Motivation scheint hier hoch, selbst diesem Beispiel zu folgen und für das Allgemeinwohl tätig zu werden.

Was wird die Zukunft bringen? Werden sich mehr oder weniger Menschen entschließen, sich ehrenamtlich zu betätigen? Und wenn sie das tun, wo werden sie sich engagieren? Klare Antwort: Die große Zahl derer, die bislang kein Ehrenamt ausüben, rund 88 Prozent, planen das auch im kommenden Jahr nicht. Immerhin zwölf Prozent der Befragten aber, also ungefähr genauso viele wie im Jahr 2009, denken ernsthaft daran, sich ein Einsatzgebiet zu suchen. Da die Mehrheit aller Ehrenamtler bereits jetzt ihrer selbst gewählten Aufgabe lange treu bleibt, ist davon auszugehen, dass sich die Gesamtzahl der Engagierten weiter erhöhen wird.

Und: Der Anteil derer mit hohem Bildungsabschluss, die den festen Vorsatz haben zu helfen, ist mit 17 Prozent höher als der derjeniger mit niedrigem Bildungsabschluss: Er liegt nur bei acht Prozent. In der Gunst der Interessenten für ein Ehrenamt liegen auch hier mit 36 Prozent die Kinder- und Jugendarbeit, mit 31 Prozent der Umwelt, Natur- und Tierschutz und mit 25 Prozent die Vereinstätigkeit weit vorn.
Für die Obdachlosenhilfe interessieren sich nur acht Prozent, für Auslandseinsätze sieben Prozent, für die Unfall- und Katastrophenhilfe magere sechs Prozent.