So viel Bildungsurlaub steht Ihnen jedes Jahr zu

Machen Sie Bildungsurlaub? Nein? Dabei haben Sie wahrscheinlich einen gesetzlichen Anspruch darauf, je nachdem, in welchem Bundesland Sie wohnen. Dr. Christoph Kahlenberg, Leiter der Randstad Akademie, erklärt, worauf Sie beim Thema Bildungsurlaub achten müssen.

„Viele Arbeitnehmer wissen nicht, dass ihnen jedes Jahr mehrere Tage Bildungsurlaub zustehen“, so Dr. Christoph Kahlenberg. „Daher nehmen sie ihn natürlich auch nicht in Anspruch.“ 

Was ist Bildungsurlaub?

„Die korrekte Bezeichnung heißt Bildungsfreistellung. Denn verreisen muss man für den Bildungsurlaub nicht“, erklärt Christoph Kahlenberg von Randstad. Bildungsurlaub ist keine Freizeit. Er wird gewährt, um sich beruflich oder politisch weiterzuqualifizieren. Währenddessen wird der Lohn weiter vom Arbeitgeber gezahlt. Die Seminarkosten trägt der Arbeitnehmer. Häufig können diese von der Steuer abgesetzt werden.

Habe ich Anspruch auf Bildungsurlaub?

Der Anspruch auf Bildungsurlaub ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Grundsätzlich gilt: 

  • In Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Hessen haben Sie Anspruch auf fünf Tage Bildungsurlaub im Kalenderjahr, im Saarland sogar auf sechs. 

  • In Hamburg, Berlin, Bremen, Brandenburg und Rheinland-Pfalz stehen Ihnen zehn Tage innerhalb von zwei Jahren zu. Dadurch sind sogar zweiwöchige Kurse möglich.  

  • Im Süden und Südosten haben Sie keinen Anspruch auf Bildungsurlaub – das gilt für Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen und Sachsen.

Wenn Sie in einem Bundesland arbeiten und in einem anderen wohnen, dann gilt für Sie die Regelung an Ihrem Arbeitsort. 

Wie beantrage ich Bildungsurlaub?

„Der Antrag auf Bildungsurlaub sollte mindestens sechs Wochen vor dem Wunschdatum schriftlich beim Arbeitgeber eingereicht werden. Das Seminarprogramm und Unterlagen zum Seminarveranstalter beizulegen hilft bei der Genehmigung des Antrages“, empfiehlt Christoph Kahlenberg. Abgelehnt werden darf die Weiterbildungszeit nur aus wichtigen betrieblichen Gründen, beispielsweise wenn der Zeitpunkt ungünstig oder das gewählte Seminar nicht für Bildungsurlaub passend ist.

Was zählt als Bildungsurlaub?

Es gibt eine Vielzahl von Weiterbildungsangeboten, für die Bildungsurlaub beantragt werden kann. „Besonders beliebt sind Sprachkurse, Computer- und IT-Kurse, Coachings für Führungskräfte oder Persönlichkeitsseminare. Aber auch in den Bereichen Gesundheit, Ökologie oder Work-Life-Balance gibt es zahlreiche Angebote“, so Christoph Kahlenberg. Die Kursinhalte müssen dabei nicht immer in einem direkten Zusammenhang mit der aktuellen Arbeit stehen. Aber sie müssen mit ihr zu tun haben – Tauch- oder Fußballtrainerkurse werden häufig abgelehnt.

Was muss ich außerdem beachten?

Nach dem Bildungsurlaub benötigt der Arbeitgeber eine Teilnahmebestätigung, damit klar ist, dass Sie die Zeit auch tatsächlich zur Weiterbildung genutzt haben. Randstad Bildungsexperte Christoph Kahlenberg empfiehlt im voraus zu klären, ob der Veranstalter lizenziert ist und die Bestätigung für diesen Kurs ausstellen kann: „Dann steht Ihrem Bildungsurlaub nichts mehr im Wege.“