Unternehmergeist weht durchs Klassenzimmer

1. August 2017

Mit Initiativen wie dem „Network für Teaching Entrepreneurship“ lassen sich vor allem Schülern mit schlechteren Startchancen wirtschaftliche Zusammenhänge und Gründergeist nahebringen. Das verbessert ihre beruflichen Entwicklungsperspektiven und macht sie für spätere Arbeitgeber attraktiver.

  • Wissen über mögliche Selbständigkeit kommt im Unterricht zu kurz, mögliche Talente werden nicht erkannt
  • Private Initiativen unterstützen Lehrer darin, bei jungen Menschen Verständnis und Begeisterung fürs Unternehmerische zu wecken
  • Über das eigene Talent und persönliche Neigungen finden Schüler über Trainings den Weg zum Business-Plan

Mitarbeiter, vor allem Nachwuchskräfte, denen es an unternehmerischem Verständnis mangelt: Für viele Führungskräfte eine zusätzliche Hürde, die es bei der Kommunikation ihrer Ideen, Ziele und Konzepte zu überwinden gilt. Während die Chancen für ein breit angelegtes Fach „Wirtschaft“ in den Schulen weiterhin schlecht stehen, versprechen private Initiativen Abhilfe. Das gemeinnützige „Network for Teaching Entrepreneurship“ (NFTE) zum Beispiel hat es sich zum Ziel gesetzt, in jungen Menschen den Unternehmergeist zu wecken.

Programme stärken individuelle Persönlichkeit

Dabei setzt die Organisation vor allem an Haupt- und Realschulen und deren reformierten Formen an. Dazu kommen aber auch Berufsbildende Schulen, Gesamt- und Förderschulen sowie Gymnasien. „Seit 2004 stärken wir durch unsere Wirtschaftskurse Persönlichkeit und Auftreten von Jugendlichen. Sie lernen, wirtschaftliche Zusammenhänge zu durchschauen und beschäftigen sich erstmals mit der Option einer Unternehmensgründung“, umreißt Geschäftsführer Guido Neumann die Grundlagen der NFTE-Arbeit und verweist auf die englische Aussprache der Abkürzung als „nifti“: „Dieses Wort bedeutet ,geschickt‘ oder ,raffiniert‘ – und genau so sollen sich die Schülerinnen und Schüler im Umgang mit Wirtschafts- und Unternehmensthemen fühlen.“

Ansatz über die Lehrkräfte

Wobei NFTE nicht bei den jungen Menschen direkt ansetzt, sondern auf den Multiplikatoreneffekt setzt und Lehrkräfte fortbildet. Die zertifizierten Pädagogen tragen dann das NFTE-Programm in ihre Schulen. Außerdem bietet NFTE besonders intensive Businesscamps („BizCamps“) in den Ferien mit einem Entrepreneurship Programm an. Ein besonderer Fokus liegt Neumann zufolge seit der Gründung von NFTE „auf Jugendlichen mit eher schlechten Startchancen. Bei ihnen hat sich das NFTE-Programm in herausragendem Maße bewährt.“

Anleitung bis zum Business-Plan

In den Schulungen für die Lehrkräfte stehen Themen wie „Was ist ein Entrepreneur oder Unternehmer?“, „Unternehmerische Chancen erkennen“, „Produkt und Dienstleistung“, „Der eigene Wettbewerbsvorteil“, „Gewinn- und Verlustrechnung“ oder „Finanzierungsstrategien“ im Mittelpunkt. Damit erhalten die Pädagogen die Instrumente an die Hand, mit denen sie eigene Kurse in ihren Schulen aufbauen und ihre Schüler bis zur Erstellung und Präsentation eines Business-Plans führen.

Talent und Hobby im Einklang

Die jeweiligen Kurse, getragen von einer „Pädagogik der Ermutigung und individuellen Förderung“ helfen Jugendlichen mit einem praxisnahen, an ihren Fähigkeiten und Neigungen orientierten Unterricht bei der Entwicklung ihrer Talente und Interessen. Sie erarbeiten in einem kreativen Prozess jeweils eine eigene Geschäftsidee für ein Produkt oder eine Dienstleistung, die zu ihren Talenten und Hobbies passt. Zum Abschluss des Kurses präsentieren sie ihre Businesspläne vor einer regionalen Wirtschaftsjury „und erhalten ein Zertifikat, das für Bewerbungsgespräche sehr nützlich ist“, wie Susanna Klein weiß, Landesmanagerin NFTE für Bayern und Lehrerin an einer oberbayerischen Mittelschule.

Positive Einstellung zum Berufsleben

„Die praxisnahen, interaktiven Kurse verbessern die Ausbildungsfähigkeit der Schülerinnen und Schülern, machen ihnen Freude und verändern ihre Einstellung zum Berufsleben positiv“, berichtet Klein aus ihrer Erfahrung an der Schule. „Sie entwickeln den Mut, ihr Leben künftig aktiv in die eigene Hand zu nehmen. Durch NFTE wächst ihre Motivation für das Lernen und sie erwerben eine erste fundamentale Wirtschafts- und Gründungskompetenz.“

Stärkung für den Gründergeist

NFTE ist eingebunden in den Initiativkreis „Unternehmergeist in die Schulen“ unter der Federführung des Bundeswirtschaftsministeriums. Dort sind elf überregionale - überwiegend private - Initiativen damit befasst, Jugendliche dazu anzuregen, dass sie Selbständigkeit als berufliche Alternative wahrnehmen. Damit soll in erster Linie die Gründerkultur in Deutschland gestärkt werden, weil die gründungsbezogene Ausbildung hierzulande im internationalen Vergleich als Schwachstelle gilt.

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