"Viele Aufgaben werden heute von der Technik übernommen"

22. April 2015

Wie wird sich die Personalarbeit des Jahres 2025 von der heutigen unterscheiden? Für Dr. Matthias Meifert werden das jene Faktoren sein, bei denen HR dazu beiträgt, dass die Organisation flexibler, innovativer und erfolgreicher auf Veränderungen ihrer Umwelt reagiert.

Nach unserer Prognose wird sich die HR-Funktion bis 2025 dramatisch verändern. Durch die technologischen Möglichkeiten aber auch das Nutzerverhalten werden nahezu sämtliche administrative HR-Prozesse automatisiert und über mobile Endgeräte ansteuerbar sein. Der mündige Mitarbeiter kommuniziert nicht nur mit seiner virtuellen Personalbetreuung in Form einer App auf dem Mobiltelefon, sondern erledigt administrative Aufgaben wie Adressänderungen, Ausstellen von Bescheinigungen etc. selber. Unterstellen wir, dass diese zukünftigen Technologien in den HR-Servicecentern stabil laufen und von wenigen Menschen betreut werden, dann werden wir einen radikalen Abbau dieser Personalkräfte erleben.

Neue Ansätze beim Lernen und in der Weiterbildung

Auch das Lernen wird sich deutlich verändern. Die Deutungshoheit einer Bildungsabteilung über die Lehrinhalte wird in Frage gestellt. Konkurrierende Angebote auf sozialen Medien und Internetplattformen sind verfügbar und können im Widerspruch zu den „betrieblichen Ansichten“ stehen. Organisationales Lernen muss sich dieser Herausforderung stellen, diese Medien verwenden und gleichzeitig Kompetenzen im Umgang damit vermitteln – unter anderem durch Inhalte wie Umgang mit der Ambivalenz von Informationen.

Begleitung von Teams rückt ins Zentrum

Daneben wird die „Frage nach der Zukunft“ für Personalfunktionen bedeutsam. Konkret: Was kann HR beitragen, damit die Organisation flexibler, innovativer und erfolgreicher auf Veränderungen ihrer Umwelt reagieren kann? Die anspruchsvolle Begleitung von Teams bei Veränderungen, dem Ausprobieren neuer Arbeitsformen, neuen Methoden etc. werden in das Zentrum rücken. Diese Beratungsaufgaben sind deutlich anspruchsvoller als die klassischen HR-Fragestellungen. Daher ergibt sich dort ein erheblicher Professionalisierungsbedarf.

Klassische Tätigkeiten werden weniger

Alle genannten, beispielhafte Entwicklungslinien münden in einen zentralen Punkt: Braucht eine moderne Organisation eine klassische Personalabteilung? Ich meine, ja und nein. Ja, weil die administrative Technik hocheffizient betreut werden muss, juristische Themen noch zu bearbeiten sind und die Organisation in ihrer permanenten Veränderung zu begleiten ist. Nein, weil viele Aufgaben durch die Technik übernommen werden und die Führungskräfte als Unternehmer vor Ort viele Betreuungsaufgaben übernehmen werden.

Info zur Person Dr. Matthias Meifert

Dr. Matthias Meifert ist Partner der HRpepper GmbH & Co. KGaA in Berlin. Er ist Berater, Trainer und Coach. Seine Beratungsschwerpunkte liegen insbesondere in den Themen Business Transformation, Executive Coaching, Management Diagnostik sowie strategische Personalentwicklung. Sein Consultingansatz ist systemisch akzentuiert, praxisorientiert und berücksichtigt seine zwölfjährige Managementerfahrung in einer deutschen Großbank. Er ist Autor zahlreicher Publikationen und lehrt u.a. an der European Business School und der Ludwig-Maximilians-Universität München.

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