Was Werte werthaltig macht

1. Februar 2016

Unternehmen, die sich ein Wertegerüst geben, ziehen daraus ideellen wie materiellen Nutzen. Eine durchdachte Nutzung der Ressourcen macht sich auch hier bezahlt.

Unternehmenswerte unter der Lupe

Werte stärken finanziellen Erfolg und Kundenorientierung

Werte stehen auf der Agenda vieler Unternehmen ganz oben. Das zeigt eine weltweite Befragung von 365 Unternehmen durch die internationale Strategie- und Technologieberatung Booz Allen Hamilton und das Aspen Institut. Dabei gibt es Indizien für die Korrelation zwischen gelebten Unternehmenswerten und überdurchschnittlichem finanziellem Erfolg. So sind etwa börsennotierte Unternehmen mit branchen-überdurchschnittlichem finanziellen Erfolg („Financial Leader“) besonders erfolgreich bei der Verbindung von Werten und operativem Geschäft.

Fast alle befragten Unternehmen betrachten sich als werteorientiert und besitzen feste institutionelle Standards für das Verhalten der Mitarbeiter und des Unternehmens. So fixieren 98% ihre Unternehmenswerte schriftlich. 90% bezeichnen integres Verhalten als wichtiges Prinzip. Die Bereiche Unternehmensreputation sowie Beziehungen zu Mitarbeitern und Kunden sehen die Befragten am stärksten durch Werte beeinflusst. So glauben etwa 8 von 10, dass sich ihre Kundenorientierung damit weiter verbessere. Bei der unternehmensinternen Durchsetzung der Werte spielt die Unternehmensführung, namentlich der Vorstandsvorsitzende, die maßgebliche Rolle.

Zusammen mit seinen Führungskräften muss er diese definieren, vorleben und gegebenenfalls neuen Bedingungen anpassen. Davon sind 75% aller Befragten überzeugt – gleich aus welcher Region, Branche oder Unternehmensgröße. Ein schriftlicher Werte-Kodex kann den CEO dabei unterstützen, so glauben 90% der Befragten. Dass das Papier allein schon effektiv sei, glauben aber nur 37%.

Werte, ihr Nutzen und ihre Glaubwürdigkeit unter der Lupe

2013 haben die Mitglieder des ECCO Agenturnetzes untersucht, welche Werte Unternehmen in den Mittelpunkt Ihres Handelns stellen. Dazu wurden in 13 Ländern die Websites von insgesamt 4.348 Unternehmen untersucht.

„Qualität”, „Umwelt” und „Kundenzufriedenheit” stehen in Deutschland an der Spitze der Werteskala. Der internationale Spitzenreiter „Innovation” folgt bei den deutschen Unternehmen erst auf Platz 4.

Rund 80 Prozent der Mitarbeiter in Deutschland sehen in der Formulierung eines Wertekanons einen klaren Nutzen für das Unternehmen.

Wird über die Hierarchien hinweg nach Unternehmenswerten gehandelt?

Rund Dreiviertel der Mitarbeiter geben an, ihr eigenes Handeln an den Grundwerten ihres Unternehmens auszurichten. Dieses Vertrauen in die Werte schwindet jedoch, je weiter es in der Hierarchie hinaufgeht.

Beim Vorstand bzw. der Geschäftsführung des Unternehmens gehen nur noch zwei Drittel der Befragten davon aus, dass sich das Handeln an den selbstformulierten Wertvorstellungen ausrichtet.

Leitbilder sind vorhanden – es hapert an ihrer konsequenten Umsetzung

Anwendungsbereiche, für die ein Unternehmen bestimmte Werte formuliert, gibt es viele: Am häufigsten geht es einer InterSearch-Studie vom Frühjahr 2014 zufolge um Vorgaben für das interne Miteinander (52%). Dahinter folgen der Umgang mit Kunden und Dienstleistern (49%), allgemeine gesellschaftliche Werte (46%), gewünschte Verhaltensweisen der Mitarbeiter (44%) sowie die Qualität von Produkten und Dienstleistungen (42%).

„Verantwortungsvolle Führung“ ist der Spitzen-Wert

Inmitten hoher Volatilität und zunehmender Unübersichtlichkeit des Umfelds wird verantwortungsvolles, auf Vertrauen und Integrität basierendes Führungsverhalten für den Unternehmenserfolg immer wichtiger. Die steigende Bedeutung von verantwortungsvoller Führung („Responsible Leadership“) wird von den Ergebnissen der Führungskräftebefragung 2015 der Wertekommission – Initiative Werte Bewusste Führung e. V. und des Reinhard-Mohn-Instituts für Unternehmensführung und Corporate Governance der Universität Witten/Herdecke (RMI) klar bestätigt: Danach sind Vertrauen und Verantwortung in den Augen von Führungskräften in Deutschland die wichtigsten Werte, gefolgt von Integrität.

Wenn sich die Kernwerte in der gelebten bzw. erlebten Führungskultur widerspiegeln, steigen zugleich die intrinsische Motivation und die Zufriedenheit mit der eigenen Situation im Unternehmen. Damit korrespondiert, dass – wie schon in der Untersuchung im Jahr zuvor – auch in der aktuellen Befragung die HR-Orientierung (Fokus auf Wertschätzung und Entwicklung von Führungskräften) von den Teilnehmern als die für sie persönlich wichtigste Wertedimension genannt wird.

Insgesamt liefert die Befragung der Wertekommission hierzu einen positiven Befund: Mit einem Durchschnittswert von 2,4 (auf einer Skala von 1 = sehr hoch bis 5 = sehr niedrig) ist verantwortungsvolle Führung in den jeweiligen Unternehmen bereits gut ausgeprägt. Das gilt insbesondere für kleinere Organisationen. Ein Grund dafür könnte die größere Anonymität in komplexeren Unternehmen und der größere Abstand zur Leitungsebene sein.

Die Befragung zeigt zudem, dass verantwortungsvolle Führung (vor allem gute Arbeitsbeziehungen) die Wertediskrepanz – also die Differenz zwischen den persönlichen und den im Unternehmen tatsächlich gelebten Werten – reduzieren kann. „Verantwortungsvolle Führung bringt individuelle und in der Realität erlebte Werte stärker miteinander in Einklang und wirkt sich positiv auf die intrinsische Motivation und die Arbeitszufriedenheit aus. Hier zeigt sich eindeutig: Unternehmenserfolg und Werteorientierung hängen direkt miteinander zusammen“, erläutert Prof. Dr. Ludger Heidbrink, Gastprofessor am RMI und Vorstandsmitglied der Wertekommission.

Ethik und Wirtschaftlichkeit sind keine Gegensätze

„Gutes Wirtschaften setzt sich zusammen aus ethisch und ökonomisch richtigem Handeln“, heißt es in einer Broschüre des Bundesverbands der Deutschen Arbeitgeber (BDA). Im Detail bedeute das: „Im Eigeninteresse des Unternehmens liegt es, seine Existenz nachhaltig zu sichern, seine Marktposition weiter auszubauen und sich zukunftsfähig zu machen. Dabei helfen ihm ethische Werte wie Verantwortung und Verlässlichkeit, Freiheit und Offenheit, Integrität und Wahrhaftigkeit u. a. m. maßgeblich. Es ist ökonomisch vernünftig, über den Tag hinaus zu kalkulieren statt sich in kurzfristigen Vorteilen zu verbrauchen.“

Führungskräfte müssten dabei Vorbilder sein, weil sie für das Verhalten anderer prägender wirkten als ein abstraktes Regelwerk. „Dies gilt in Eigentümerunternehmen ebenso wie in Kapitalgesellschaften, für die Leitung durch eine Familie wie durch angestellte Manager. Die Entscheidungsträger haben eine hohe Verantwortung für das ihnen anvertraute Unternehmen, der sie auch ethisch gerecht werden müssen.“ Die Broschüre ist vergriffen, steht aber als Download zur Verfügung.

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