Wenn es heiß wird am Arbeitsplatz...

... reicht es nicht, Fenster zu öffnen und den Ventilator einzuschalten. Arbeitgeber und Arbeitnehmer können sich bei steigenden Temperaturen an einem ausgefeilten Regelwerk orientieren.

21° Celsius – das ist annähernd die Umgebungstemperatur, bei der unser Gehirn seine maximale Leistungsfähigkeit hat. Zeigt das Thermometer mehr oder weniger Grad an, geht die Leistungskurve nach unten. Hitzewellen im Sommer bremsen daher nicht nur die körperlichen, sondern auch die geistigen Kräfte. Doch auch ohne Klimaanlage lässt sich vorbeugen.

Gesundheitlich zuträgliche Raumtemperatur gefordert

Schon aus eigenem Interesse an einer guten Produktivität nehmen daher Arbeitgeber ernst, was in der ASR A3.5 (ASR = Technische Regeln für Arbeitsstätten) in Sachen Raumtemperatur geregelt ist. „Diese Regeln gelten für Arbeits-, Pausen-, Bereitschafts-, Sanitär-, Kantinen- und Erste-Hilfe-Räume, für die keine spezifischen, strengeren Anforderungen gelten“, schreibt der Arbeitsrechtler Dr. Detlef Grimm in seinem sehr detailgenauen ArbRB-Blog. „Ausgangspunkt ist der Begriff der ,gesundheitlich zuträglichen Raumtemperatur‘ in Ziffer 4.1 Abs. 2. Gesundheitlich zuträglich ist eine Raumtemperatur, wenn die Wärmebilanz des menschlichen Körpers (Wärmezufuhr, Wärmeerzeugung und Wärmeabgabe) ausgeglichen ist“, heißt es dort. 

Maßnahmen sind verpflichtend

Den ASR zufolge sollten die Temperaturen in Arbeitsräumen, in denen sitzende Tätigkeiten ausgeführt werden, beispielsweise in einem Büro, in der Regel nicht mehr als 26 Grad Celsius betragen. Im Sommer ist dieser Grenzwert leicht mal überschritten. Dann müssen Arbeitgeber Maßnahmen ergreifen, die den Mitarbeitern das Arbeiten trotz Hitze erleichtern. Dazu zählen beispielsweise 

  • die Möglichkeit, Fenster und Oberlichter mit Jalousien beziehungsweise Sonnenschutz zu verdunkeln, 
  • die effektive Steuerung der Lüftung,
  • die Lockerung der Dress-Code-Regeln,
  • das Reduzieren des Betriebs technischer Geräte, die zusätzlich Wärme erzeugen,
  • zusätzliche Pausen z.B. für Schwangere und chronisch Kranke,
  • die flexible Anpassung der Gleitzeitregelung,
  • ein angepasster Speiseplan in der Kantine mit leichter, erfrischender Kost,
  • ·as Bereitstellen von Getränken oder gelegentlich einem „Eis für alle“.

"Gegenseitiges Einvernehmen" gefragt

Eine ganze Reihe von Möglichkeiten, wie Arbeitgeber wirksam und nachhaltig ihre Mitarbeiter vor Hitze schützen, nennt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin und macht darauf aufmerksam, dass nach § 4 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) der Arbeitgeber verpflichtet ist, „die Arbeit so zu gestalten, dass eine Gefährdung für Leben und Gesundheit möglichst vermieden wird und verbleibende Gefährdungen gering gehalten werden“. Die BAuA erinnert zudem daran, dass auch Kommunikation ist ein wichtiger Faktor beim Umgang mit belastenden Temperaturen ist: „Arbeitgeber und Beschäftigte müssen im gegenseitigen Einvernehmen durch geeignete Maßnahmen die Situation meistern.“

Kein Rechtsanspruch auf Hitzefrei

Steigt das Thermometer allerdings in Büroräumen doch einmal über 35 Grad Celsius und es können keine Ersatzräume zur Verfügung gestellt werden, gelten die Arbeitsschutzregeln für die Hitzearbeit, die im ASR detailliert geregelt sind – und eine Handlungspflicht des Arbeitsgebers nach sich ziehen. Wenn es auch für Beschäftigte keinen direkten Rechtsanspruch auf z. B. klimatisierte Räume oder "Hitzefrei" gibt: Den Mitarbeitern einen Eisbecher auf den Tisch zu stellen und sie zum „Weiter so“ aufzufordern, genügt nicht.