Wie viel Sport und Gesundheit braucht die Firma?

21. Juni 2016

Gerade kleine und mittlere Unternehmen sind vielfach noch auf der Suche nach dem rechten Maß bei ihrem Angebot für fitte Mitarbeiter. Dabei finden sie inzwischen umfangreiche Hilfe in Netzwerken.

  • Betriebliche Gesundheitsförderung liefert „Return on Invest“
  • Zu wenig Gesundheitsangebote? Kündigung.
  • Fiskus leistet Hilfestellung für gesunde Mitarbeiter
  • Sportbund fördert Projekt „Bewegt im Betrieb“
  • Organisierter Sport als kompetenter Partner für Betriebe
  • Impulse durch das Deutsche Netzwerk für Betriebliche Gesundheitsförderung (DNBGF)

Betriebliche Gesundheitsförderung liefert „Return on Invest“

Ein Report der Initiative Gesundheit und Arbeit (iga) gibt einen Überblick, wie betriebliche Prävention einen Beitrag zur Gesunderhaltung der Belegschaften leistet und für die Betriebe auch ökonomischen Nutzen erziele – auf Basis von rund 2.400 Studien. Aus Unternehmenssicht besonders erfreulich: Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) lohnt sich. Die krankheitsbedingten Fehlzeiten sinken um durchschnittlich ein Viertel. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis (Return on Investment; ROI) ist überaus positiv: Mit jedem investierten Euro können im Ergebnis 2,70 Euro durch reduzierte Fehlzeiten eingespart werden. Für Investitionen in den Arbeitsschutz zeigt sich ein vergleichbar positives Kosten-Nutzen-Verhältnis. Für Mitarbeiter ist der Nutzen von BGF dann hoch, wenn Programme verschiedene Maßnahmen berücksichtigen, sei es, dass sie die Betroffenen darin unterstützen, ihr Verhalten zu verändern oder ein gesundheitsförderndes Umfeld zu schaffen. Besonders deutlich wird dies bei der Prävention psychischer Erkrankungen, aber auch bei Programmen der Bewegungsförderung, der Gewichtsreduktion oder der Nikotinentwöhnung. Der iga.Report 28 ist online für Sie abrufbar.

Zu wenig Gesundheitsangebote? Kündigung.

Für rund jeden zweiten deutschen Arbeitnehmer sind Angebote zur betrieblichen Gesundheitsförderung wichtig bei der Jobsuche. Neun Prozent würden wegen eines besseren Fit- und Wellnessangebots sogar die Firma wechseln. Weitere 40 Prozent der Arbeitnehmer sehen in Gesundheitsangeboten einen zusätzlichen Anreiz bei der Wahl ihres Arbeitgebers. Im Wettbewerb der Unternehmen um gut qualifizierte Arbeitskräfte sind Angebote zur Gesundheitsförderung ein wichtiges Argument. Fast drei von vier Arbeitnehmern wünschen sich, dass ihr Unternehmen das Angebot an gesundheitsfördernden Maßnahmen ausweitet. Das sind Ergebnisse der Studie „Gesundheitsförderung“ der Asklepios Kliniken. Konsequenz dieser Einstellung: Im Wettbewerb der Unternehmen um gut qualifizierte Arbeitskräfte sind Angebote zur Gesundheitsförderung ein wichtiges Argument, um Talente anzulocken. Wenn Unternehmen mehr Betriebssport, gesundes Kantinenessen, Vorsorgeuntersuchungen und Massagen anbieten, steigt ihre Attraktivität als Arbeitgeber.

Fiskus leistet Hilfestellung für gesunde Mitarbeiter

Seit dem 1. Januar 2008 wird die Förderung der Mitarbeitergesundheit seitens der öffentlichen Hand steuerlich unterstützt. 500 Euro kann ein Unternehmen pro Mitarbeiter und pro Jahr seither Lohnsteuerfrei für Maßnahmen der Gesundheitsförderung investieren. Dabei sind Maßnahmen steuerbefreit, „die hinsichtlich Qualität, Zweckbindung und Zielgerichtetheit den Anforderungen der §§ 20 und 20a Abs. 1 i. V. mit § 20 Abs. 1 Satz 3 SGB V genügen“. Hierzu zählen zum Beispiel:

  • Bewegungsprogramme
  • Ernährungsangebote
  • Suchtprävention
  • Stressbewältigung

Nicht darunter fällt die Übernahme der Beiträge für einen Sportverein oder ein Gesundheitszentrum bzw. Fitnessstudio.

Sportbund fördert Projekt „Bewegt im Betrieb“

Im Rahmen des durch das Bundesministerium für Gesundheit geförderten Projektes „Bewegt im Betrieb“ hat der Deutsche Olympische Sportbund DOSB u.a. eine Broschüre entwickelt, die mit einem Vier-Wochen-Bewegungsplan und darin enthaltenen fünf niedrigschwelligen Job-Fit-Übungen zu mehr Bewegung im Betriebsalltag anregt. Darüber hinaus gibt es Tipps für mehr Bewegung im Arbeitsalltag. Die neue DOSB–Broschüre zeigt auf, dass Betriebe und Unternehmen auch ohne großen organisatorischen und finanziellen Aufwand erste Schritte in Richtung Betrieblicher Gesundheitsförderung machen können. Idealerweise ist dieses Bewegungsprogramm für den Betriebsalltag gewissermaßen der Auftakt zu einem dauerhaft verbesserten Bewegungsverhalten – längerfristig beispielsweise durch eine Vereinsmitgliedschaft der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer oder auch durch eine Kooperation mit einem vor Ort ansässigen Sportverein.

Organisierter Sport als kompetenter Partner für Betriebe

Mit seinen Erfahrungen in der Umsetzung von passgenauen Bewegungsangeboten für unterschiedliche Zielgruppen sowie fachlich gut ausgebildeten Übungsleiterinnen und Übungsleitern stellt der organisierte Sport für Betriebe einen kompetenten Partner im Themenfeld der Betrieblichen Gesundheitsförderung dar. Neben dem Deutschen Turnerbund (DTB), der Weiterbildungen speziell im Bereich Betriebliche Gesundheitsförderung anbietet (DTB-Zertifikat Betriebliche Gesundheitsförderung), sind es verschiedene Landessportbünde (z.B. Württembergischer Landessportbund, LSB Brandenburg etc.), die in verschiedenen Kooperationen erfolgreich bewiesen haben, dass eine Zusammenarbeit zwischen Sportvereinen und Betrieben nachhaltig umsetzbar ist. Diese Erkenntnisse und Kompetenzen werden vielerorts inzwischen dazu genutzt, systematisch Netzwerke aufzubauen, um Partnerschaften zu vermitteln.  

Impulse durch das Deutsche Netzwerk für Betriebliche Gesundheitsförderung (DNBGF)

Das DNBGF geht auf eine Initiative des Europäischen Netzwerks für betriebliche Gesundheitsförderung ENWHP zurück, die sich den Aufbau informeller Infrastrukturen und nationaler Netzwerke in allen Ländern Europas zum Ziel gesetzt hat. Im Gegensatz zu anderen Initiativen beschränkt sich das Netzwerk weder regional noch auf ein einzelnes Handlungsfeld. Vielmehr bündelt und vernetzt das DNBGF die bestehenden Aktivitäten und regt an, bislang vernachlässigte Bereiche stärker zu fokussieren. Weitere Aufgaben sind der internationale Erfahrungsaustausch sowie die Aufbereitung von Forschungsergebnissen und erfolgreichen Praxisbeispielen, um Entscheidungsträger vom Nutzen der betrieblichen Gesundheitsförderung zu überzeugen. Unter anderem bietet das Netzwerk ein „Forum Kleine und Mittlere Unternehmen“. Denn dort sind ohnehin nur knapp verfügbare zeitliche und personelle Ressourcen durch das Kerngeschäft gebunden, was die Integration von gesundheitsförderlichen Maßnahmen in den Betrieb oftmals unmöglich macht. Im Rahmen seiner Arbeit hat es die Problemstellungen dieser Firmen analysiert und Maßnahmen ergriffen, damit die Sensibilisierung für einen gesunden Arbeitsalltag auch dort durchdringen kann.

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