Willy Brandt weist der Personalarbeit den Weg

22. April 2015

Im Blog „HR-Impulse“ kommentiert Thomas Necke regelmäßig Entwicklungen in der Personalarbeit. Im Interview mit dem randstadkorrespondent blickt er zehn Jahre in die Zukunft der Zunft

In welchen Punkten wird sich aus Ihrer Sicht die Personalarbeit des Jahres 2025 wesentlich von der heutigen unterscheiden?

Thomas Necke: Fachkräftemangel, älter werdende Mitarbeiter, Kampf um Talente und fortschreitende Globalisierung und Internationalisierung sind Weltweite Trend, auf die HR reagieren oder viel mehr agieren muss. Die Personalarbeit im Jahr 2025 muss ganzheitliche und individuelle Problemlösungen finden und die Vielfalt und Individualität der Knowhow-Träger angemessen managen, anstatt Personal lediglich zu verwalten. Außerdem müssen Lösungen für variable Arbeitsbeziehungen und Arbeitszeitmodelle, virtuelle Teams und Strukturen gefunden werden.

Wird es neue Aufgaben für HR geben, die wir heute noch nicht kennen?

Thomas Necke: Die Unternehmenswelt wandelt sich in einem rasanten Tempo, die HR muss dieses Tempo mindestens mithalten, um sinnvoll agieren zu können. Dazu zählt auch zunehmend die Erhaltung der Arbeitsfähigkeit älterer Mitarbeiter und Führungskräfte zu befähigen, ihre Aufgaben optimal wahrzunehmen.

Werden andere Aufgaben verschwinden?

Thomas Necke: Es werden weiterhin Aufgaben an Führungskräfte abgegeben. Besonders in der Personalentwicklung und Stellenbesetzungen wird HR entlastet. Durch fortschreitende Technologisierung und Digitalisierung werden Aufgaben wie Stellenplanung automatisiert und fallen weg.

Werden bis dahin alle Routinearbeiten digital oder automatisiert ablaufen?

Thomas Necke: Viele Routineaufgaben werden digitalisiert, allerdings gibt es individuelle Aufgaben, die ein System nicht erfassen kann.

Worin sollen die freiwerdenden Kapazitäten aus Ihrer Sicht idealerweise investiert werden?

Thomas Necke: Man könnte ketzerisch fragen, ob das Bestreben Kosten einzusparen nicht größer ist, als der Wunsch die Kapazitäten neu zu investieren. Sinnvoll wäre sicherlich die Investition in eine systemische, ganzheitliche Betrachtung der HR Arbeit.

Wird die Personalabteilung innerhalb des Unternehmens eine neue, andere Rolle spielen? Welche?

Thomas Necke: Die Personalabteilung wird vom Verwaltungsapparat zum strategischen Partner: Sharedservice Center of Competence, HR Buisnesspartner. Diese Entwicklung dient zur Steigerung des Wertbeitrages und steht für mehr Effektivität und Effizienz. Die Gefährliche dabei ist, dass Prozesse zerschnitten werden und am Ende nur noch Stückwerk heraus kommt, weil es Schnittstellenverluste gibt und der Kommunikationsaufwand enorm ist.

Wird sich das Controlling bzw. die Kosten-Nutzen-Rechnung bei der Personalarbeit verschärfen?

Thomas Necke: Auf der einen Seite ja, da der Kostendruck steigt. Auf der anderen nein, da immer teurer werdende Fachkräfte hohe Investitionen rechtfertigen.

Info zur Person Thomas Necke

Thomas Necke (M.A., Mater HR-Management) ist Geschäftsführer von http://www.impulse-leipzig.de Organisationsentwicklung in Leipzig. Sein Studium hat er in Leipzig und Paris absolviert. Er ist Hochschuldozent für Führungs- & Kommunikationskompetenz, Organisationsentwicklung, Organisationspsychologie und Rhetorik. Zu seinen Spezialgebieten zählen Teamtraining sowie Personal- und Persönlichkeitsentwicklung. Necke ist systemischer Coach (Professional Coach DBVC).

investor relations