Wir kennen da einen Weg für dich

4. März 2015

Wenn ein Mitarbeiter bei einer Aufgabe in der Sackgasse steckt, lässt er sich durch das Wissen von Kollegen oft leicht wieder herausholen. Die Methode dazu nennt sich „Peer Group Coaching“.

Peer Group Coaching – Kleine Gruppen, geringer Zeitbedarf und einfacher Einstieg

Ganz neu ist die Methode nicht mehr. Aber so weit verbreitet, dass sie zu den vertrauten Instrumenten der Personalentwicklung zählte, ist sie auch wieder nicht. Die Rede ist vom „Peer Group Coaching“, wie der internationale Fachbegriff lautet. Im deutschen Sprachraum entspricht sie in etwa dem Prinzip der „kollegialen Fallberatung“. Das Verfahren ist ähnlich, wobei die klassische kollegiale Fallberatung meist umfassender und aufwendiger ausfällt.

Über die üblichen Beziehungen hinausdenken

Im Wesentlichen geht es darum, dass sich ein Mensch bei der Lösung einer Aufgabe oder eines Problems Hilfe bei anderen Menschen holt. Allerdings nicht bei den üblichen Verdächtigen, den direkten Kollegen oder dem Chef. Im Gegenteil: Bevorzugt werden bei dieser Methode jene als Ratgeber herangezogen, die nicht unmittelbar mit der Person zusammenarbeiten und auch nicht mit ähnlichen Aufgaben befasst sind. Dies soll Neutralität sichern und die Tür zu kreativen Seitenwegen öffnen. 

Moderation nur anfangs nötig

In der Regel bestehen die Gruppen aus drei bis sechs Mitarbeitern. Zu Beginn braucht es dafür Anleitung und Führung; unter anderem sind hier Personalverantwortliche gefragt, die Runden mit Mitarbeitern zu versehen, die kommunikativ und kooperativ sind. Von diesen werden im Lauf der Zeit Impulse auch auf andere ausgehen, bei denen diese Eigenschaften weniger ausgeprägt sind. Anfangs wird auch eine gute Moderation hilfreich sein, um den Prozess eingängig zu erläutern und anzuleiten. Im fortgeschrittenen Stadium kann diese Form des Coachings dann eine Eigendynamik entwickeln und ohne externen Beistand auskommen.

Wenige Minuten genügen

Der Ablauf: Zunächst schildert der Ratsuchende in groben Zügen, was ihn beschäftigt. Dafür hat er zwei Minuten Zeit. Dann können die Kollegen kurz nachfragen, ob sie richtig verstanden haben bzw. Informationen einholen, die ihnen fehlen. Auch dafür sind zwei Minuten Zeit. Selbstverständlich kann der Zeitrahmen auch großzügiger gewählt werden. „Aber die Erfahrung lehrt, dass dies nicht zwingend zu besseren Ergebnissen führt“, merkt Stefanie Voss an, die schon einige solche Coachings angeleitet hat.

Gedankenblockaden überwinden und Auswege aus Sackgassen finden

Im dritten Schritt diskutieren die Kollegen die Situation und suchen nach Möglichkeiten, wie man damit umgeht oder die angesprochenen Probleme löst. Dafür haben sie eine Viertelstunde Zeit. Der Ratsuchende selbst darf sich nicht mehr einmischen; er soll sich ganz aufs Zuhören konzentrieren. „Ich empfehle sogar, dass er sich umdreht und den beratenden Kollegen den Rücken zeigt“, sagt Voss. „Damit ist seine ganze Aufmerksamkeit auf das genaue Zuhören gerichtet. Und er kann nicht nonverbal kommunizieren und seine Berater zum Beispiel durch zweifelnde Blicke beeinflussen oder von ihren Ideen abbringen.“

Im letzten Schritt fassen die Kollegen ihre Überlegungen zusammen und präsentieren die Lösung, auf die sie sich verständigt haben. Der Ratsuchende hat die Gelegenheit, dazu noch ein oder zwei Fragen zu stellen. Auch hierfür stehen zwei Minuten zur Verfügung.

Wiederholungen jederzeit möglich

Die Kompaktheit des Vorgangs deutet es an: Es geht hier um eine Hilfe beim Überwinden von Gedankenblockaden oder zur Umkehr aus Sackgassen der täglichen Routine. Das „Peer Group Coaching“ lässt sich in gewissem Abstand mehrfach wiederholen, um weitere Fortschritte zu erzielen. In zahlreichen Unternehmen, die sie zu diesem Verfahren beraten hat, sind aus den anfänglich einmaligen Ereignissen regelmäßige Runden geworden, sagt Voss. „Die Mitarbeiter schätzen die geistige Freiheit, in der sie zu Problemlösungen gelangen“, so ihre Analyse.

Motivierende Effekte sind gesichert

Zudem fühlten sie sich durch die bemerkenswerten Ergebnisse bestätigt, die sie aus der doppelten Kraft dieser Gespräche gewinnen. Zum einen ist dies die Teilhabe am Wissen der anderen, zum anderen die Effizienz der leicht und schnell erlernbaren Methode, weil sie nicht als Verlierer aus der Runde hervorgehen, sondern als Gewinner, der auf seine Kollegen baut. Umgekehrt werden sie selbst ein anderes Mal ihren Rat beisteuern können, wenn Kollegen Hilfe suchen. Dazu trägt bei, dass die Atmosphäre des Gesprächs frei von Bewertungen und Urteilen ist, dass von ihnen kein Druck ausgeht und sie außerhalb hierarchischer Ordnungen verlaufen.

Vertrauensvorschuss bringt Zinsen

„Für das Unternehmen bedeutet Peer Group Coaching, dass der Vertrauensvorschuss – „Das regeln unsere Leute untereinander“ – sich unmittelbar verzinst“, sagt Voss. „Denn das Vertrauen der Mitarbeiter untereinander wächst und damit auch das Vertrauen ins Unternehmen.“ Dies sei auch im Sinne einer verstärkten Collaboration von Vorteil, die damit erkennbar voranschreite. 

Dazu, so die erfahrene Beraterin, kommt ein weiterer Punkt, der vielen Personalverantwortlichen und -entwicklern zusehends Sorge macht: „Diese Form des Coachings ist auch mit kleinem Budget machbar – und damit auch für kleine und mittlere Betriebe gut geeignet.“

investor relations