Wissensmanagement fischt genormte Qualität

Lernende Unternehmen, die nach Strukturen für ihr Wissensmanagement suchen, finden diese in einer Qualitätsnorm. DIN EN ISO 9001:2015 ist das Fischernetz, um den Wissensschatz von Firmen zu heben.

Wissensmanagement fischt genormte Qualität
  • Eine Wissensbilanz hilft Wissen in Unternehmen aufzuspüren, zu analysieren und nutzbar zu machen.
  • Die Qualitätsmanagement-Norm ISO 9001:2015 liefert Hinweise für ein geordnetes und systematisches Vorgehen.
  • Das Managementinstrument „Wissensbilanz - Made in Germany“ steht als neutrales Werkzeug für alle Unternehmen zur Verfügung.

Dass Qualität mit Know-How zu tun hat, sagt einem der gesunde Menschenverstand. Wie beide Aspekte geordnet unter einen Hut zu bringen sind, lässt sich in der Qualitätsmanagement-Norm ISO 9001:2015 erfahren. Vor eineinhalb Jahren ist die Neufassung des, nach einhelliger Ansicht vieler Experten, weltweit wichtigsten Managementsystems in Kraft getreten. In dieser überarbeiteten Fassung wird erstmals die Anforderung an einen bewussten Umgang mit Wissen gestellt.

Vielfältige Wissensquellen anzapfen

Die Norm DIN EN ISO 9001:2015 fordert von den Organisationen explizit, Wissen zu erwerben und zu bewahren, sei es durch Lernen aus Erfahrungen (lessons learned), Benchmarks oder Beratung und Mentoring sowie von anderen internen oder externen Quellen. Dies soll die Qualität der Abläufe und damit die Qualität der Produkte und Dienstleistungen nachhaltig verbessern.

Systematik erzeugt Wertschöpfung

„Die Ergänzung der Wissensperspektive in der Norm ist eine echte Chance für Unternehmen. Dass wirtschaftlicher Erfolg und systematisches Wissensmanagement eng korrelieren, ist längst nachgewiesen“, sagte im Umfeld der Veröffentlichung Hans-Georg Schnauffer, Präsident der Gesellschaft für Wissensmanagement. „Wer die Anforderungen der DIN EN ISO 9001:2015 reflektiert, dem werden im eigenen Unternehmen viele Beispiele einfallen, die funktioniert haben. Die Herausforderung und der nachhaltige Nutzen entstehen aber erst mit der Systematisierung.”

Bewährtes Instrument zur Analyse

Als Handreichung zur regelgerechten Umsetzung der Norm gilt das strategische Managementinstrument „Wissensbilanz - Made in Germany“ (Toolbox zum kostenlosen Download unter https://bvwb.org/die-wissensbilanz-toolbox). Dabei handelt es sich um ein für kleine und mittelständische Unternehmen entwickeltes Instrument zur Analyse und Steuerung der immateriellen Vermögenswerte. Es hilft aber auch großen Unternehmen ihr Struktur-, Beziehungs- und Humankapital zu messen, zu steuern und das darin gebundene Potenzial gezielt weiter zu entwickeln. Das Managementinstrument wurde vom Arbeitskreis Wissensbilanz unter der fachlichen Leitung des Fraunhofer Instituts für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK) entwickelt.

Wissen nach außen kommunizieren

„Dieses Managementinstrument unterstützt Führungskräfte und Mitarbeiter dabei, Transparenz über die immateriellen Werte zu gewinnen, ihre Wirkung auf die Leistungserstellung zu bewerten und daraus die richtigen Maßnahmen abzuleiten“, heißt es aus dem federführenden Bundeswirtschaftsministerium im dazugehörigen Leitfaden. „So wird einerseits die gezielte und systematische Entwicklung der wichtigsten Erfolgsfaktoren im Unternehmen ermöglicht.“ Andererseits lasse sich die Wissensbilanz auch als Kommunikationsinstrument nutzen, um auch externen Zielgruppen den „wahren“ Wert des Unternehmens aufzuzeigen. „Wird in das Berichtswesen eine Wissensbilanz integriert, können Banken beispielsweise eine präzisere Unternehmenseinschätzung im Rahmen von Kreditverhandlungen vornehmen“, macht das Ministerium weitere nützliche Nebenwirkungen deutlich.

Grundlage für Blick in die Zukunft

Das Instrument „erfasst und bewertet das Know-How von Organisationen und weist es in strukturierter Form aus“, beschreibt Prof. Dr.-Ing. Kai Mertins, Präsident des Bundesverbands Wissensbilanzierung (BVWB), den Nutzen. Das implizite Wissen umfasse häufig nicht greifbare, aber für den Geschäftserfolg bedeutende Faktoren, wie den Erfahrungsschatz der Mitarbeiter, Produktinnovationen oder gute Beziehungen zu Kunden. „Die Wissensbilanz ermöglicht eine umfassende, zukunftsorientierte Ansicht und Bewertung der Organisation. Sie liefert die passenden Antworten auf die Fragen, die von den Auditoren der Zertifizierung nach ISO 9001:2015 hinsichtlich des Umgangs mit dem Know-how in der Organisation künftig gestellt werden“, so Mertins.

Konformität schützt vor Wissensverlust

Für Kai-Uwe Behrends von der Deutschen Gesellschaft für Qualität liegt auf der Hand, das mit dem überarbeiteten Regelwerk die Notwendigkeit geklärt sei, „den Wissensstand in Organisationen zu bestimmen und zu steuern, um sicherzustellen, dass sie dadurch die Konformität der Produkte und Dienstleistungen erreichen können“. So sollen sich Organisationen vor Wissensverlust - beispielsweise aufgrund von Mitarbeiterfluktuation - schützen und ermutigt werden, ihr Wissen aktiv zu managen. „Die Wissensbilanz ist ein praktikabler, oft geförderter Einstieg, um das Wissen in Unternehmen aufzuspüren, zu analysieren und nutzbar zu machen“, so Behrends. „Damit adressiert es die Anforderungen der neuen ISO-Norm an den Umgang mit Wissen und geht in der Praxis vielfach darüber hinaus.“