Zahlen im Vortrag verständlich machen

2. November 2016

In vielen Präsentationen sind sie der Inhalt, um den sich alles dreht: Zahlen. Was viele Vortragende übersehen: Die Mehrheit ihres Publikums ist nicht trainiert im Erkennen von Zahlenräumen und im Gewichten von Maßen und Werten. Mit ein paar einfachen Kniffen lässt sich dieses Defizit ausgleichen und die Verständlichkeit des Vortrags verbessern.

  • Vielen Menschen fehlt das Verständnis für Zahlen und Dimensionen.
  • Daraus resultieren Fehleinschätzungen und Irrtümer.
  • Präsentationen wirken besser, wenn Zahlen erläutert und in vertraute Zusammenhänge gestellt werden.

Die Firma will ein neues Werksgelände erschließen. 1,2 Millionen Quadratmeter soll es haben, also deutlich größer sein als bisher. In der Betriebsversammlung greift der verantwortliche Projektleiter zu einem Vergleich, den er seit Jahrzehnten aus den Medien kennt: „Das entspricht 168 Fußballfeldern.“ Er hätte auf 145 oder 221 sagen können – der Wert bleibt abstrakt, die Dimension tritt nicht zutage. Das gilt auch für die beiden nächstbeliebten Vergleichsgrößen, „das Saarland“ und „der Bodensee“.

Fußballfelder taugen nicht für Vergleiche

Warum solche Vergleiche nichts nützen? Keiner der Anwesenden hat schon einmal eine mehrstellige Anzahl von Fußballfeldern gleichzeitig vor Augen gehabt, geschweige denn sind die Dimensionen von Ländern und Seen bewusst. Das Verständnis setzt dort ein, wo vertraute Größen im Spiel sind. Der Projektleiter hätte besser wie folgt verglichen: „Das ist so groß wie unser jetziges Gelände plus dreimal die Halle 8 noch dazu.“

Große Zahlen brauchen eine Übersetzung

Ähnlich verhält es sich, wenn Zahlen ein Wachstum veranschaulichen sollen. Die IHK für München und Oberbayern hat ausgerechnet, dass die Metropolregion München bis 2031 um rund 280.000 Menschen wachsen soll, die neu dorthin ziehen. Der Wert an sich ist relativ abstrakt. Er wird (be)greifbar, wenn er in eine vertraute Dimension übersetzt wird, die anstelle des reinen Zahlenwertes tritt: „Bis ein dieses Jahr geborenes Kind seine Lehre beginnt, werden wir in Südbayern den Platz finden müssen, um ganz Gelsenkirchen hier unterzubringen.“ Da hätte der Referent auch noch die Lacher der Fußballfreunde auf seiner Seite.

Zahlenblindheit birgt Risiken

Das Phänomen, das bei Vorträgen selten auf dem Radar auftaucht, hat einen Namen „Dyskalkulie“ oder „Mathematischer Analphabetismus“. Der Wissenschaftler John Paulos hat ein erhellendes Buch darüber geschrieben, das den Titel „Zahlenblind“ trägt. Besonders kritisch wirkt sich dieser Mangel aus, wenn es darum geht, Risiken zu erkennen und zu verstehen sowie statistische Aussagen richtig einzuordnen – was nicht nur bei Vorträgen zu folgenschweren Missverständnissen und Irrtümern führt. Wie schwer das rechte Verständnis für Zahlen manchmal fällt, kennt jeder aus eigener Erfahrung: Womit muss ich denn bei einer 60-prozentigen Regen-Wahrscheinlichkeit nun rechnen?

Verständnishilfen beleben Vorträge

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, welche Begeisterung Präsentatoren daher auf sich und ihr Thema ziehen, wenn sie Zahlen nicht nur an die Wand werfen, sondern ihrem Publikum gleich auch noch Verständnishilfen geben, die sich ins Gedächtnis einprägen. Beispiele:

  • Der Faktor 1000. Eine Million Sekunden sind 11,5 Tage. Eine Milliarde Sekunden sind, na? Mehr als 33 Jahre. Das macht auch den Unterschied beim Zurückzahlen von Schulden erkennbar oder beim Nutzen von Speicherplätzen und Downloadraten.
  • Die zweite Stelle hinter dem Komma. Eine Fehlerquote von 0,01 Prozent bei den drei Millionen Bauteilen eines Airbus A340 würde bedeuten, dass an 300 Stellen im Flugzeug ein Risiko lauert.
  • „Das potenziert sich…“ wird gern verwendet, um einen dramatischen Anstieg anzudeuten. Die wahre Bedeutung von Potenzen, die über „hoch 2“ oder „hoch 3“ hinausgehen, ist indes kaum aus dem Stand abrufbar. Zehn Meter sind überschaubar, 102 Meter auch noch, bei 103 haben wir schon einen Kilometer Distanz – aber bei 107 sind wir schon auf dem „Pariser Meridian“ unterwegs, sprich: Entfernung Nordpol-Äquator.
  • „Exponentielles Wachstum“, ebenfalls Standard-Baustein in der Wirtschaftsrhetorik, spielt in der gleichen Liga. Wer ein A4-Blatt Papier 41 Mal hälftig faltet, hat am Ende einen Block in der Hand, der die Entfernung Erde-Mond ausfüllt. Er besteht aus 2,2 Billionen Lagen Papier! Die gute Nachricht: So weit wird es nicht kommen. Bei 7 Faltungen ist Schluss. Mehr lässt das Papier nicht zu.

Fazit: Zahlen erwähnen führt nicht zum Ziel besseren Verstehens, Zahlen erklären dagegen schon. Präsentatoren mit Sinn fürs Dramatische lassen ihre Zuhörer schätzen. Das führt auf Dauer zu vermehrter Erkenntnis über das jeweilige Verständnis von Zahlen und Dimensionen.

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