Zehn Wegweiser: Sascha Lobo über…

1. Juni 2017

Er gehört zu den profiliertesten Analytikern der Republik, was Digitalisierung und ihre Chancen und Folgen angeht: der Autor, Blogger, Microblogger und Strategieberater. Aus einer Diskussion mit Führungskräften von Randstad Deutschland sind hier seine Kern-Aussagen zusammengefasst.

… die Gründe, warum das Aufgreifen von etwas Neuem wie der Digitalisierung für Unternehmen eigentlich nichts Neues ist.
Klar ist, man muss heute für den Umsatz von Morgen sorgen, denn wir leben in Zeiten schnellen wirtschaftlichen Wandels. Deshalb ist es gut, beim Thema Strategie einen Blick zurückzuwerfen und zu fragen: Wo kommen wir eigentlich her? Wenn man dieser Frage nachgeht, wird man feststellen, dass jede Entwicklung mit Flexibilität begonnen hat - das ist der unternehmerische Urwert.

… den richtigen Zeitpunkt für den Einstieg in die Digitalisierung.
Ab einer gewissen Firmengröße muss man sich umschauen, was die anderen machen. Viele Unternehmen werden kribbelig und nervös beim Thema Digitalisierung und wollen schnelle Lösungen. Deshalb muss man als Dienstleister auf Veränderungen vorbereitet sein. Und die Vorbereitung muss JETZT stattfinden.

… die Ausrichtung einer digitalen Strategie.
Durch die Digitalisierung haben wir die Chance, ein ständiges Feedback zu erhalten und Daten über die Qualität unserer Arbeit zu sammeln. Deshalb müssen Strategien auf der Metaebene formuliert werden. So können wir jeden Tag neu schauen, ob wir auf dem richtigen Weg sind und dementsprechend schnell handeln, wenn das nicht der Fall ist.

… die Wirkung von Social Media beim Ansprechen neuer Mitarbeiter.
Im Kampf um Talente wird Social Media immer wichtiger. Unternehmen müssen hier aktiv sein, sie müssen stattfinden und sie müssen vor allem aktiv kommunizieren. Dabei ist es notwendig, einen Austausch zu erreichen, um so Informationen zu erhalten. Außerdem gilt es, nicht um jeden Preis überall zu sein, sondern zu fragen: Was wollen und brauchen die Menschen, die ich ansprechen möchte, sowohl auf Kunden- als auch auf Kandidatenseite?

… angemessene Kommunikationsform und -stil in Social Media.
Nicht nur offene und ehrliche Kommunikation ist auf Social Media Kanälen bedeutsam. Für die Rekrutierung ist vor allem Zuhören wichtig. Man muss den Dialog mit Kunden und Kandidaten suchen und die Menschen und ihre Bedürfnisse verstehen lernen. Dazu ist es notwendig, die richtige Kommunikationsgeschwindigkeit für die jeweilige Zielgruppe zu finden – zu schnell und zu viel ist genauso schwierig wie zu langsam und zu wenig. Das gilt es, auszutesten. Und auch ein bisschen Unterhaltung ist von Vorteil, nicht immer nur die Weitergabe von Fakten. Damit kommt dann wieder die Touch-Komponente hinzu, die dem Ganzen mehr Leichtigkeit gibt.

… die Bedeutung der Digitalisierung für die Dialogfähigkeit eines Unternehmens.
Wir können mit Hilfe von Datenerhebung das Touch-Erlebnis (Kundenkontakt; d. Red.) schneller machen, da wir Zeit gewinnen. So können wir Problemlösungen zu Problemen anbieten, von denen der Kunde noch gar nicht weiß, dass er sie hat. Die Zentrale stellt dabei aber nicht einfach die Tools zur Verfügung und dann geht alles seinen gewohnten Gang. Auch die Mitarbeiter müssen lernen, mitzudenken und sich einzubringen, um gemeinsam Ziele zu erreichen.

… die Bedeutung der Digitalisierung für das Selbst- und Rollenverständnis von Mitarbeitern.
Die Haltung der Consultants, aller Mitarbeiter, muss sich mit der Digitalisierung ändern. Es geht um Austausch, um gemeinschaftliches Arbeiten, darum, vorauszudenken. Durch diese Anforderungen werden Berater auch einen Schritt weit mehr zu Betreuern, da die Digitalisierung einigen Leuten auch Angst macht und Unsicherheit mit sich bringt.

… den Einfluss der Digitalisierung auf die Unternehmenskultur.
Dieser Dreiklang aus „Kennen, dienen, vertrauen“ bekommt in Zeiten der Digitalisierung eine andere Färbung. Fakt ist, dass das „Kennen“ aktiv von allen vorangetrieben werden muss, sowohl intern als auch beim Kunden. Hier heißt es, den Wandel mitzumachen und Neues zu lernen, um dann auch wieder vertrauen zu können.

… die Veränderungen für das Außen- und Innenverhältnis eines Unternehmens.
Es ist in Zeiten von Digitalisierung schwieriger, erfolgreich zu bleiben, als erfolgreich zu werden. Deshalb ist es wichtig, sich umzuschauen, Branchen zu scannen und zu schauen, was passiert - um wiederum zu kennen. Konkurrenz kommt nicht mehr nur aus dem Bereich der Personalberatungen, mit der Digitalisierung rücken ganz andere Mitbewerber ins Rampenlicht, die sich ebenfalls Big Data zu Nutze machen (z.B. Google, Facebook usw.).

Deshalb ist es notwendig, das, was man für die Kunden macht, auch im eigenen Unternehmen durchzuführen: Workforce Solutions. Herausfinden, was die Mitarbeiter brauchen, was sie wollen, was sie benötigen – genau so, wie man das auch für ein Kundenunternehmen tun würde. Damit schafft man beste Voraussetzungen und bindet man seine Mitarbeiter an die Firma. 

… über den neuen Umgang mit Fehlern.
Die Fehlerkultur von Unternehmen und der Umgang damit werden immer wichtiger werden. Deutschland ist das Land des Perfektionismus. Wir müssen lernen, uns mit unseren Fehlern auch zu beschäftigen und sie nicht nur zu akzeptieren, sondern daraus zu lernen. Eine Unternehmenskultur braucht von Gemeinsamkeiten, deshalb müssen alle Mitarbeiter zusammen Positives und Negatives analysieren.

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