Bewerbungen ohne Bild und Name?

9. August 2010

Ein Pilotprojekt der Antidiskriminierungsstelle des Bundes soll die Vorteile von anonymen Bewerbungen aufzeigen.

Das Bundesfamilienministerium, das Integrationsministerium von Nordrhein-Westfalen, Procter & Gamble, L’Oréal sowie drei weitere DAX-Unternehmen nehmen seit Anfang August an dem Projekt teil. Ziel ist es, Bewerber nicht aufgrund ihres Alters, ihres Geschlechts, ihrer Herkunft, ihrer Religion oder einer Behinderung zu bewerten. Kriterien für die Einladung zu einem Bewerbungsgespräch sollen ausschließlich fachliche Qualifikationen sein.

Die teilnehmenden Unternehmen und Institutionen werden künftig in ihren Stellenausschreibungen explizit darauf hinweisen, dass die Bewerber die Unterlagen ohne Angabe von persönlichen Daten wie Name, Geburtsdatum und -ort, Familienstand oder einer Behinderung einsenden sollen. Auch ein Foto ist nicht erwünscht.

Die Vorteile einer solchen Handhabung von Bewerberverfahren sind laut Experten die Konzentration auf die wichtigen Kompetenzen – wie Ausbildung und Berufserfahrung –, die Bewertung der Bewerbungen ohne Vorbehalte wegen persönlicher Merkmale und somit die Vermeidung von diskriminierenden Entscheidungen.

Die Nachteile sind nach Meinung verschiedener Unternehmen jedoch auch nicht zu verleugnen. So würde die Bewältigung eines anonymen Bewerbungsverfahrens einen enorm hohen Verwaltungs- und Kostenaufwand bedeuten. Darüber hinaus untergräbe es alle Bemühungen, die Integration von Mitarbeitern mit beispielsweise Migrationshintergrund oder einer Behinderungen sinnvoll durchzuführen. Außerdem spielten für manche Arbeitsplätze das Geschlecht oder das Alter keine unerhebliche Rolle.

Frankreich führt die Maßnahme der anonymen Bewerbungen bereits schon länger erfolgreich durch, und auch in den USA ist es üblich, Bewerber nur aufgrund ihrer Fachkenntnisse zum Gespräch einzuladen. Ob sich diese Vorgehensweise in Deutschland ebenfalls durchsetzt bleibt abzuwarten.

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