Um den scheinbar passendsten Bewerber zu bestimmen, behelfen sich manche Unternehmen mit kuriosen Auswahlmethoden.

Jeder Betrieb möchte bei einem Bewerberverfahren den besten, den qualifiziertesten und den menschlich und charakterlich perfektesten Bewerber suchen und finden. Um bei diesem Vorgehen bloß keinen Fehler zu machen, nimmt so manch ein Unternehmen seine potentiellen Mitarbeiter nach ganz besonderen Kriterien unter die Lupe.

Mit Hilfe der Schädeldeutung, der Namenspsychologie, des Sternzeichens oder der Graphologie soll die wahre Persönlichkeit eines Bewerbers entdeckt werden. Uwe P. Kanning, Professor für Wirtschaftspsychologie an der Fachhochschule Osnabrück, hat in seinem Buch „Schädeldeuter und andere Scharlatane“ diese scheinwissenschaftlichen Methoden beschrieben. In einem Interview mit SPIEGEL ONLINE von Mai 2010 erklärt er, weshalb der Einsatz dieser Verfahren unseriös ist.

Nach Meinung Kannings werden die Begründungen für die Beweiskraft dieser Methoden meist sehr allgemein formuliert, wie beispielsweise „große Ohrläppchen deuten auf Geschäftstüchtigkeit hin“. Er betitelt solche Aussagen als Taschenspielertricks. Sie sind in keiner seriösen empirischen Studie bewiesen.

Die Verfahren werden laut Kanning bei der Personalauswahl deshalb gerne genutzt, weil der Bewerber davon nichts mitbekommt. Er kann auch während des Bewerberprozesses persönliche Merkmale wie Handschrift, Nasenform oder das Sternzeichen nicht kurzfristig ändern. Somit gelten sie für manche Personaler für absolut aussagekräftig. Immerhin bedienen sich anscheinend sogar große, namhafte Unternehmen in Deutschland solcher zweifelhafter Methoden.