Das 3-Stufen-Qualifizierungsmodell des BAP.

Der BAP hat ein dreistufiges Modell entwickelt, um Zeitarbeitskräfte ohne abgeschlossene Ausbildung berufsbegleitend zu qualifizieren. Dieses Modell setzt bei den umfangreichen praktischen Erfahrungen an, die Zeitarbeitnehmerinnen und Zeitarbeitnehmer in ihren Einsätzen sammeln, und reichert diese mit theoretischem Wissen an.

Die drei Stufen des Qualifizierungsmodells

Die durch Learning by Doing erworbenen Kompetenzen der Zeitarbeitskräfte sind in den meisten Fällen nur schwer nachweisbar. Das Qualifizierungsmodell des BAP setzt an dieser Stelle an. Es ermöglicht die Zertifizierung von persönlichen Kompetenzen, die während der Einsätze und im Rahmen eines berufsbegleitenden eLearning-Kurses erworben wurden.

Mittels der berufsbegleitenden Qualifizierung können Zeitarbeitnehmerinnen und Zeitarbeitnehmer über drei Stufen – 1. Stufe Fachhelfer/in, 2. Stufe Fachassistent/in, 3. Stufe Fachkraft – einen Berufsabschluss erlangen. Der Aufbau in Stufen kommt den vielfältigen Erfahrungshorizonten der Zeitarbeitskräfte entgegen, und sie erhalten nach jeder bestandenen Stufe einen Nachweis (Personenzertifizierung) einer anerkannten Prüforganisation über ihre erworbenen Fertigkeiten. Somit wird bereits ab der ersten Stufe der Kompetenz- und Wissenszuwachs dokumentiert. Teilnehmerinnen und Teilnehmer bekommen ein Zertifikat, auch wenn sie – aus welchen Gründen auch immer – die nächsthöhere Stufe nicht abschließen. Durch den mehrstufigen Aufbau erfolgt ein niedrigschwelliger Lerneinstieg, und ein behutsames Heranführen von Personen mit negativen Lernerfahrungen an einen Berufsabschluss ist möglich. Das 3-Stufen-Modell des BAP ermöglicht so ebenfalls eine Qualifizierung auch unterhalb der Berufsausbildung.

Die eLearning-Plattform "ZetQ"

Herzstück des 3-Stufen-Qualifizierungsmodells ist die von den Mitglieder des BAP-Arbeitskreises Bildung initiierte eLearning-Plattform „ZetQ“. „ZetQ“ steht für zertifizierte Qualifizierung, denn mit Hilfe dieser eLearning-Plattform können ungelernte Zeitarbeitskräfte ihr Wissen erweitern und sich durch eine anerkannte Prüforganisation – dem TÜV Rheinland – ihre Kenntnisse und Fertigkeiten zertifizieren lassen.

Bei der Programmierung der eLearning-Plattform „ZetQ“ wurde auf bedienungsfreundliche und einfache Nutzbarkeit geachtet. So können Zeitarbeitskräfte orts- und zeitunabhängig auf Lerninhalte einfach zugreifen und sich neben den im Job erworbenen Fertigkeiten auch theoretisches Wissen aneignen. Die Lerninhalte sind thematisch in kurze Einheiten untergliedert und jedes Kapitel schließt mit einem Selbsttest ab. Durch diese Funktion erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer regelmäßig Rückmeldung über ihren Lernerfolg. Nach Bearbeitung aller Inhalte einer Lernstufe folgt ein komplexer Abschlusstest. Die Anmeldung zur Personenzertifizierung beim TÜV Rheinland wird nach erfolgreichem Abschlusstest empfohlen. Die Entscheidung hierüber trifft der Personaldienstleister, der als Lernbegleiter fungiert. D.h., unterstützt durch die praktischen Funktionen von „ZetQ“ begleitet er Lernprozesse der Zeitarbeitskräfte und kontrolliert Lernfortschritte.

Die verschiedenen Berufsbilder und Qualifizierungskurse

Derzeit können Zeitarbeitnehmerinnen und Zeitarbeitnehmer von BAP-Mitgliedsunternehmen exklusiv und kostenlos in der ersten Stufe die drei Kurse „Fachhelfer/in Lager und Logistik“, „Montagefachhelfer/in“ und „Fachhelfer/in Dialogmarketing“ absolvieren. Damit werden im gewerblichen Bereich zwei der wichtigsten Einsatzgebiete für Zeitarbeitskräfte und im kaufmännischen Sektor einer der gesuchtesten Berufe abgedeckt. Aktuell entwickelt der BAP zusammen mit der Deutschen Angestellten-Akademie (DAA) die Inhalte für die zweite Stufe. Ab Herbst 2016 sollen auf der eLearning-Plattform „ZetQ“ die drei aufbauenden Kurse „Qualifizierte/r Fachhelfer/in Lager und Logistik“, „Qualifizierte/r Montagefachhelfer/in“ und „Fachassistent/in Dialogmarketing“ zur Verfügung stehen.

Im Bereich Dialogmarketing haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach erfolgreichen Abschluss der ersten Stufe ca. 12 Prozent der Inhalte des zweijährigen Ausbildungsberufs „Servicefachkraft Dialogmarketing“ vermittelt bekommen. Aufgrund der vergleichsweise schwierigeren Lernerfahrungen der potenziellen Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurde der Einstieg für die beiden gewerblichen Kurse niedrigschwelliger gewählt. In der ersten Stufe werden ca. 5 Prozent der jeweiligen gewerblichen Ausbildungsinhalte bearbeitet.
Nach Abschluss der zweiten Stufe sollen alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer ca. 50 Prozent der Ausbildungsinhalte ihres angestrebten Berufes erfolgreich absolviert haben. Für den Bereich Dialogmarketing bedeutet dies, dass in der zweiten Stufe ca. 38 Prozent der Ausbildungsinhalte vermittelt werden. Für die beiden gewerblichen Berufsbilder wären es ca. 45 Prozent. Da der Sprung von 5 Prozent auf 45 Prozent aus lernpsychologischer und pädagogischer Sicht zu groß ist, wird die zweite Stufe in diesen Fällen geteilt:

- Stufe 2a, mit zusätzlichen 15 Prozent des jeweiligen Ausbildungsinhalts führt zum Abschluss „Qualifizierte/r Fachhelfer/in Lager und Logistik“ bzw. „Qualifizierte/r Montagefachhelfer/in“

- Stufe 2b, mit zusätzlichen 30 Prozent des jeweiligen Ausbildungsinhalts führt zum Abschluss „Fachassistent/in Lager und Logistik“ bzw. „Fachassistent/in Montagefachhelfer/in“

Die Personenzertifizierung durch den TÜV Rheinland

Die erste und die zweite Stufe werden mit einer Personenzertifizierung durch den TÜV Rheinland abgeschlossen. Um zum Beispiel ein Zertifikat als Fachhelfer/in zu erhalten, müssen Zeitarbeitskräfte in der ersten Stufe eine schriftliche und eine mündliche Prüfung bestehen. Darauf werden die Teilnehmer in den Kursen auf der eLearning-Plattform des BAP vorbereitet. So können Zeitarbeitskräfte laut Prüfungsordnung erst zur Prüfung angemeldet werden, wenn sie alle Kapitel des jeweiligen Kurses durchlaufen und die Abschlusstests mit einer Quote von mindestens 80 Prozent richtig beantworteter Fragen absolviert haben. Außerdem müssen eine abgeschlossene Schulausbildung oder zumindest eine einjährige allgemeine Berufserfahrung sowie wenigstens 90 Arbeitstage einschlägige Tätigkeit im jeweiligen Arbeitsbereich des eLearning-Kurses nachgewiesen werden. Mit der zweiten (Fachassistent/in) und dritten Stufe (Berufsabschluss) steigen diese Anforderungen dann natürlich.

Der Personaldienstleister meldet die Prüfungsteilnehmer über den BAP ([email protected]) zur Personenzertifizierung beim TÜV Rheinland an. Die Prüfungsgebühr für die Personenzertifizierung liegt bei 150 Euro pro Teilnehmer. Die Rechnungsabwicklung, nicht jedoch die Kosten selbst, übernimmt der BAP für seine Mitgliedsunternehmen.

Prüfungstermine bietet der TÜV Rheinland deutschlandweit und nach Möglichkeit in der Nähe der teilnehmenden Unternehmen an. Ab einer Anzahl von 15 Personen, die die Prüfung ablegen möchten, kann ein Termin vor Ort beim BAP-Mitgliedsunternehmen vereinbart werden. Selbstverständlich wird es auch regionale Prüfungstermine geben, an denen mindestens 15 Prüflinge teilnehmen, die bei unterschiedlichen Mitgliedsunternehmen des BAP beschäftigt sind. Je nach Anmeldestand werden für die verschiedenen Regionen Prüfungstermine angeboten. Der BAP übernimmt die Koordination der Prüfungstermine und informiert die teilnehmenden Unternehmen darüber.

Die Externenprüfung

Die dritte Stufe wird mit einer Abschlussprüfung eines anerkannten Ausbildungsberufes beendet. Diese wird von einer Industrie- und Handelskammer oder einer Handwerkskammer als sogenannte Externenprüfung durchgeführt. Prüfungsvoraussetzungen im 3-Stufen-Qualifizierungsmodell ist der Abschluss der zweiten Stufe als Assistent/in im entsprechenden Fachbereich und der Nachweis von mindestens vier Jahren fachbezogenem Einsatz im entsprechenden Arbeitsbereich (Nachweis über Arbeitgeber; Stufen 1 und 2 werden angerechnet).

Die kostenlose Teilnahme am Qualifizierungsangebot exklusiv für BAP-Mitgliedsunternehmen

Möchten Sie Ihren Zeitarbeitskräften die kostenlose Teilnahme an diesem exklusiven Qualifizierungsangebot ermöglichen? Dann melden Sie Ihr Unternehmen unter Angabe Ihrer Mitgliedsnummer kostenlos auf www.ZetQ.de an. Ihre Registrierungsdaten werden an den BAP übermittelt und Sie erhalten in Kürze Ihre Zugangsdaten sowie Benutzerhandbücher mit detaillierten Erläuterungen zur Nutzung von „ZetQ“ per E-Mail.

Mit Ihren Zugangsdaten können Sie bzw. der von Ihnen bestimmte „Unternehmens-Manager“ unterschiedliche Abteilungen bzw. Niederlassungen sowie Nutzerkonten für Teilnehmer und sogenannte Trainer, die die Zeitarbeitskräfte administrativ beim Lernen begleiten, kostenlos und in unbegrenzter Anzahl auf der eLearning-Plattform anlegen. Wie das funktioniert, wird in dem Benutzerhandbuch für „Unternehmens-Manager“ genau erklärt.

Weitere Informationen zum 3-Stufen-Qualifizierungsmodell des BAP

Das Qualifizierungsmodell ist das Schwerpunktthema in der nächsten Ausgabe des BAP-Branchenmagazins „Personaldienstleister“. Hier erfahren Sie unter anderem, was Wilhelm Oberste-Beulmann und Thomas Sattelberger zum 3-Stufen-Modell des BAP sagen. „Das ist ein Paradebeispiel, wie man qualifizieren kann“, war von Sattelberger bereits im „Handelsblatt“ vom 27.04.1016 zu lesen. Die ersten Zeitarbeitnehmer haben die erste Stufe übrigens schon erfolgreich durchlaufen und die Prüfung beim TÜV Rheinland abgelegt. Auch hierüber wird im „Personaldienstleister“ berichtet ebenso wie über die Teilnahmevoraussetzungen.

Quelle: BAP, 9. Mai 2016