Digitale Kompetenzen und agiles Arbeiten sind Pflicht

20. November 2017

5. Randstad Qualifizierungsforum

Prof. Dr. habil. Christoph Igel beim Vortrag zum agilen Arbeiten.

Die Digitalisierung verändert unsere Arbeitswelt grundlegend – und das nicht erst in ferner Zukunft. Viele Bereiche sind bereits im Umbruch, Tätigkeitsprofile und Aufgaben wandeln sich, neue Berufsbilder kommen hinzu. Ein Trendthema ist dabei „Agiles Arbeiten“. Hierbei geht es um neue Ansätze, mit denen Projekte effizienter umgesetzt werden und Unternehmen schneller auf Veränderungen reagieren können. Was bedeutet dieser Prozess für Unternehmen und Mitarbeiter? Welche Berufsgruppen sind davon besonders betroffen? Und wie kann Arbeit in Zukunft aussehen? Antworten und Beispiele auf diese und weitere Fragen gaben Experten aus Wissenschaft und Praxis beim 5. Randstad Qualifizierungsforum auf dem Gelände der Zeche Zollverein in Essen.

Digitale Arbeitswelt: Innovative Prozesse vorantreiben und Mitarbeiter schulen

Der Abend stand unter dem Thema „Smart, Agil, Vernetzt - Digitale Arbeitswelt von morgen“ und beleuchtete die notwendige Veränderung von Arbeitsmechanismen und Leistungsmerkmalen im Kontext der Digitalisierung aus unterschiedlichen Perspektiven - einmal wissenschaftlich, einmal aus der Praxis. „Wir sind aufgefordert, innovative Prozesse voranzutreiben und unsere Mitarbeiter mit dem notwendigen Wissen auszustatten, um sie für die vernetzte Welt fit zu machen und damit die Umsetzung agiler Arbeitsmethoden zu ermöglichen“, so Olaf Harbert, Geschäftsführer bei Randstad Deutschland in seiner Begrüßungsrede.

Arbeitsmethoden an vernetzte Welt anpassen

Die zunehmende Vernetzung der Welt nimmt zu. Schlagwörter wie Liquides Lernen, Big Data, Crowdsourcing, SEO und Smart Services sind allgegenwärtig. Das stellt Menschen vor eine große Herausforderung, da u.a. durch Entwicklungen wie Industrie 4.0, Plattformökonomie und Internet der Dinge, Dienste und Daten in vielen Jobs und Branchen sehr grundlegende Veränderungen in der Gestaltung von Arbeit, Organisation, Prozessen und Erwerbstätigkeiten prognostiziert werden kann.

Arbeitsmethoden müssen daher bereits heute angepasst und deutlich agiler werden. Das zeigte Prof. Dr. Christoph Igel, Wissenschaftlicher Leiter des Educational Technology Lab des Deutschen Forschungs-zentrums für Künstliche Intelligenz DFKI, in seinem Vortrag.

Fachwissen mit digitalen Skills anreichern

„Was heute zählt, ist nicht mehr ausschließlich Fachwissen, sondern in zunehmenden Maße individuelle Kreativität, Kommunikation und Kollaboration, kritisches Denken und digitale Skills. Das führt zu neuen, produktiven Formen der Zusammenarbeit. In Deutschland stehen wir hier erst am Anfang der Erkenntnis und Umsetzung. In anderen Teilen der Welt sind wir schon einen deutlichen Schritt weiter“, so Prof. Dr. Igel.

„Aktuellen Studien zufolge stehen etwa 15 Prozent aller Jobs in Deutschland langfristig auf dem Prüfstand. Tätigkeiten, die komplexer Wahrnehmung sowie sozialer und kreativer Intelligenz bedürfen, sind am wenigsten substitutionsgefährdet. Durch die Digitalisierung und Industrie 4.0 wird es quer über alle Berufe Veränderungen geben, was historisch gesehen ein Novum ist. Die Bedeutung digitaler Nutzungskompetenz gewinnt kontinuierlich an Bedeutung.“

Agiles Arbeiten in der Praxis

Doch wie kann „Agiles Arbeiten“ in der Praxis aussehen? Das zeigte Daniela Webel, HR Partner DB Vertrieb GmbH anhand eines internen Pilotprojektes, das auf zwei Jahre angesetzt ist und die klassische Aufteilung von Teams, Entscheidungsstrukturen und Kommunikationswegen im HR-Bereich des Vertriebs durch ein agiles Organisationsmodell ablöst. Das interdisziplinäre ca. 60-köpfige Team hat sich in einer Wahl mehrheitlich für dieses Modell mit hoher Selbstverantwortung entschieden und arbeitet agil über verschiedene Standorte hinweg zusammen.

Agile Methoden wie z.B. Kanban, DelegationPoker, Reviews und StandUp’s werden nach und nach im Team etabliert. Alle Mitglieder des Teams erhalten die Möglichkeit, Ideen und Kompetenzen zeitnah und ortsunabhängig einzubringen. „Diese Art des agilen Arbeitens ohne klassische Hierarchien war für uns alle neu – vor allem in einem Großkonzern wie der Deutschen Bahn. Doch mit den flexiblen Strukturen können wir schneller und effizienter Lösungen erarbeiten“, so Daniela Webel.

Mitarbeiterweiterentwicklung im Zentrum der Digitalisierung

In der anschließenden Podiumsdiskussion tauschten Prof. Dr. Christoph Igel, Dr. Lars Hewel, Director Business Intelligence, Conceps & Strategy, Randstad und Katharina Heuer, Vorsitzende der Geschäftsführung DGFP e.V. ihre Argumente aus.

Unternehmen brauchen bei der Einführung neuer Technologien und Arbeitsweisen Mut und einen veränderten Umgang mit der Fehlerkultur. „In Zeiten der digitalen und agilen Transformation geht es nicht darum neue Produkte, Leistungen und Wertschöpfungsprozesse über langwierige Projekte zu entwickeln und dann am Markt und im Unternehmen zu etablieren. Es geht vielmehr darum disruptiv zu denken und agil zu handeln. 

Es geht um Anfangen, Neues zu probieren, ggf. zu verwerfen und kontinuierlich mit dem Kunden und Mitarbeitern weiterzuentwickeln. Der Kunde und Mitarbeiter und sein Nutzen steht hier im Zentrum.“, so Katharina Heuer.

Ihrer Ansicht nach wird der Mensch bzw. der Mitarbeiter noch stärker in den Mittelpunkt von Unternehmen rücken. Alle technologischen und digitalen Weiterentwicklungen und Big Data Ansätzen werden die emotionale Intelligenz von Menschen nicht ersetzen können.  So sieht das auch Lars Hewel: „Mit unserer neuen Ausrichtung ‚Tech & Touch‘ machen wir einen wichtigen Schritt in die Zukunft. Dabei kombinieren wir die Vorteile des digitalen und agilen Arbeitens mit unserem Randstad-Kern – den Menschen, die bei uns arbeiten.“

Digitalisierung stellt auch HR vor Herausforderungen

Allerdings gibt es laut Prof. Dr. Christoph Igel einen entscheidenden Aspekt zu beachten. „Wenn es der HR in Deutschland nicht gelingt, die Personalentwicklung in Zeiten von Digitalisierung und Industrie 4.0 so neu zu denken und zu gestalten, dass daraus nachweislich Produktivitätssteigerung und persönliche Entwicklung entstehen kann, laufen deutsche Unternehmen Gefahr, ihre aktuelle Wettbewerbsfähigkeit am Markt über kurz oder lang einzubüßen. Fangen wir in Deutschland nicht bald damit an, in dieser Weise zu denken, wird die nachwachsende Generation vor großen Problemen stehen. Der Handlungsbedarf ist groß, die Zeit des Handelns ist da.“