Warum das Entgelttransparenzgesetz gescheitert ist

10. Januar 2019

Randstad ifo Befragung zu Lohnunterschieden in Unternehmen

Als das Entgelttransparenzgesetz vor einem Jahr verbindlich in Kraft trat, befürchteten Unternehmen, in Organisationsarbeit unterzugehen. Eine aktuelle Randstad ifo Personalleiterbefragung zeigt nun, dass diese Angst völlig unbegründet war. Denn kaum jemand nutzt die Möglichkeit, Gehaltsauskünfte zu verlangen.

Infografik zum Entgelttransparenzgesetz - randstad-ifo-Personalleiterbefragung

Mitarbeiter können durch das neue Gesetz von ihrem Arbeitgeber Informationen darüber anfordern, wie viel ihre Kollegen des anderen Geschlechts verdienen. In nur zehn Prozent aller Unternehmen machten Angestellte von diesem Angebot Gebrauch, und wenn, dann nur vereinzelt. Flächendeckende Anfragen und die namensgebende Transparenz blieben aus.

Richard Jager, CEO von Randstad Deutschland, sieht einen Grund dafür im Kleingedruckten: „Die Bedingungen, an die eine Auskunft geknüpft ist, sind zu kompliziert. In Deutschland ist die Hemmschwelle, den eigenen Chef nach Gehaltsinformationen zu fragen, ohnehin sehr hoch. Das wird durch so ein verschachteltes Gesetz nicht besser.“

Das Entgelttransparenzgesetz sollte eigentlich für mehr Lohngerechtigkeit zwischen Frauen und Männern sorgen. Allerdings müssen mindestens sechs „vergleichbar arbeitende“ Kollegen einbezogen werden und man erfährt den Median der gesamten Vergleichsgruppe, keine individuellen Gehälter. Ein Teil der Arbeitnehmer bekommt nicht einmal diese Auskunft, denn Unternehmen mit weniger als 200 Mitarbeitern sind vom Entgelttransparenzgesetz ausgenommen.

Dass Lohntransparenz auch anders geht, zeigt der „Equal Pay Act“ in Dänemark. Das bereits seit 2007 wirksame Gesetz verpflichtet alle Unternehmen mit mehr als 35 Mitarbeitern, ihre Gehaltsstrukturen offen zu legen. Eine Untersuchung von dänischen und amerikanischen Wissenschaftlern belegt, dass der Gender Pay Gap im Land seitdem merklich geschrumpft ist. In Deutschland dagegen hat sich die Lohnsituation seit dem Entgelttransparenzgesetz kaum verändert. Nur 14 Prozent der Mitarbeiter-Anfragen führten überhaupt zu einer Anpassung der Gehälter und lediglich drei Prozent der Unternehmen geben an, mittlerweile auf eine gerechtere Entlohnung bei Neueinstellungen zu achten.

Über die Randstad ifo Personalleiterbefragung

Die in Zusammenarbeit von Randstad und dem ifo-Institut entwickelte Randstad-ifo- Personalleiterbefragung untersucht, wohin der Arbeitsmarkt in Deutschland steuert. Dazu werden vierteljährlich mehr als 1.000 Personalleiter zu aktuellen Themen und dem Einsatz von Flexibilisierungsinstrumenten in der Wirtschaft befragt.