Hat der lineare Karriereweg – eine Karriere mit regelmäßigen Aufstiegsmöglichkeiten in einem oder mehreren Unternehmen – ausgedient? Darauf deuten die Ergebnisse des diesjährigen Randstad Arbeitsbarometers hin. Auch klassische Arbeitsmodelle werden durch Arbeitnehmende zunehmend hinterfragt.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • 63 % der Beschäftigten in Deutschland stimmen der Aussage zu, der traditionelle Karrierepfad sei veraltet bzw. nicht mehr zeitgemäß (global: 72 %)
  • 39 % der Befragten haben sich keine Karriereziele für die nächsten fünf Jahre gesteckt (global: 41 %)
  • 63 % von ihnen stufen zudem eine gute Work-Life-Balance als „wichtig“ oder „sehr wichtig“ in ihrem Berufsleben ein (global: 78 %)
  • Die gute Nachricht: 74 % der Arbeitnehmer schätzen ihre Work-Life-Balance bereits als „gut“ ein.
Randstad Infografik „Beschäftigte wollen neue Wege gehen“
Randstad Infografik „Beschäftigte wollen neue Wege gehen“

Klassische Vollzeitstelle adé?

Anstelle klassischer Karrierewege setzen immer mehr Arbeitnehmende auf „Portfolio”-Karrieren, indem sie durch vielfältige Berufserfahrungen Qualifikationen für unterschiedliche Jobs erlangen. Das macht sich auch in den bevorzugten Arbeitsmodellen bemerkbar: 56 % der befragten deutschen Beschäftigten arbeiten heute in einer klassischen Vollzeitstelle, aber im Idealfall würden dies nur 33 % tun. Stattdessen wären 10 % lieber selbstständig (aktuell sind es nur 5 %). Weitere 12 % hätten neben ihrer Vollzeitbeschäftigung gern einen Nebenjob – viermal so viele wie es heute tatsächlich haben (3 %). 

„Arbeitnehmende wollen immer weniger den Pfad des klassischen Aufstiegs in Unternehmen antreten. Hinzu kommt, dass mehr von ihnen aufgrund gestiegener Lebenshaltungskosten unter finanziellem Druck stehen. Arbeitgeber müssen sich darum bemühen, die individuellen Bedürfnisse ihrer Beschäftigten zu verstehen und Entwicklungspfade zu bieten, die nicht unbedingt dem klassischen Aufstieg – gebunden an Führungsverantwortung –  im Unternehmen entsprechen. Dies bedeutet auch Offenheit für neue Beschäftigungsmodelle im eigenen Betrieb mit Strukturen, die der Expertise der einzelnen Mitarbeitenden gerecht werden“, sagt Verena Menne, Director Group HR bei Randstad Deutschland.

Flexibilität und Authentizität werden immer wichtiger

In diesem Kontext werden Freiräume und Gestaltungsmöglichkeiten wichtiger: Work-Life-Balance hat im Vergleich zum Vorjahr weiter an Bedeutung gewonnen und liegt auf Platz 4 auf der Liste der beruflichen Prioritäten (2025 nur Platz 5). 54 % der Befragten sagen außerdem, dass sie bei der Arbeit produktiver sind und sich stärker einbringen können, wenn sie „ihr authentisches Selbst“ sein können.

„Der Wunsch vieler Beschäftigter ist klar: Sie möchten, dass Arbeitgeber den Raum für mehr Individualität im Arbeitskontext schaffen. Das ist natürlich nur bis zu einem gewissen Grad möglich, da Unternehmen auch betriebliche Anforderungen berücksichtigen müssen. Doch mit einer Kultur der Wertschätzung und des konstruktiven Feedbacks ist bereits viel erreicht – im Wettbewerb um Talente kann sie langfristig den entscheidenden Unterschied machen“, so Verena Menne.

 

Über das Randstad Arbeitsbarometer

Das Randstad Arbeitsbarometer wurde 2003 eingeführt und deckt inzwischen 35 Länder auf der ganzen Welt ab. Die Studie erscheint einmal jährlich und macht sowohl nationale als auch globale Trends auf dem Arbeitsmarkt sichtbar. Verschiedene Pulse Surveys in ausgewählten Ländern ergänzen im Jahresverlauf das Randstad Arbeitsbarometer mit Einblicken in aktuelle Entwicklungen. Die Befragung wird online unter Arbeitnehmern im Alter von 18 bis 67 Jahren durchgeführt, erwerbstätig oder Einzelunternehmer sind, oder arbeitslos, aber eine künftige Beschäftigung anstreben. Die Mindeststichprobengröße beträgt 250 Interviews pro Land. Jetzt mehr über das Randstad Arbeitsbarometer erfahren!

Zur Person
Verena Menne, HR Group Director der Randstad Gruppe Deutschland
Verena Menne, HR Group Director der Randstad Gruppe Deutschland

Verena Menne

Director Group HR der Randstad Gruppe Deuschland

Verena Menne leitet seit Dezember 2022 als Director Group HR den Personalbereich der Randstad Gruppe Deutschland. In ihrer Funktion trägt sie die Gesamtverantwortung für die operative und strategische Ausrichtung des Personalbereichs der Gruppe. Seit 2011 ist die diplomierte Wirtschaftswissenschaftlerin in unterschiedlichen Rollen bei Randstad aktiv. Zuletzt war sie als Human Resources Manager Operations tätig für Randstad Enterprise Group, Randstad Outsourcing, Randstad Sourceright GmbH und Tempo-Team Deutschland.