4 ¾ Tipps: Echter gehts nicht

12. Oktober 2017

„Authentizität“ ist, dem Hörensagen nach, in den meisten Fällen leichter getan als ausgesprochen. Eine Stolperfalle für Führungskräfte ist „Echtheit“ auf jeden Fall – egal ob sie diese für sich selbst reklamieren oder ihren Mitarbeitern zugestehen.

Jetzt wollen wir einmal ganz offen sprechen…

Wer mit dieser Formel aufwartet, räumt indirekt ein, bis zu diesem Zeitpunkt das Gegenteil getan zu haben. Damit befindet sich die „sich öffnende Person“ nicht nur im Zwang zur Rechtfertigung, sondern weckt sämtliche schlafenden Misstrauens-Hunde: Wann, wie oft und bei welcher Gelegenheit war denn da jemand nicht offen im Gespräch? Andererseits sind die angeblichen Mitglieder „im Verein für klare Aussprache“ in der Regel nur darum besorgt, möglichen Beleidigungsklagen im Vorfeld den Wind aus den Segeln zu nehmen und ihre Opfer als schwache „Nicht-Mitglieder“ zu diskreditieren. Darum der Tipp: Gesprächspartner wahrnehmen, aufmerksam zuhören, nachdenken. Der Rest ergibt sich von selbst.

Wie kann ich Ihnen helfen?

Während externe Kunden dieser Hotline-Floskel aus Erfahrung überdrüssig sind, hören sie Mitarbeiter von ihren Führungskräften eher selten. Wobei es eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, dass Chefs ihren Teams zur Seite stehen, wenn sie Schwächen, Mängel oder Defizite erkennen – und dafür nicht nur Hausmitteilungen oder Dienstanweisungen verwenden, sondern selbst mit anpacken. Schließlich sollte eine Führungskraft mit allen Aufgaben und Tätigkeiten in seinem Bereich so vertraut sein, dass sie diese nicht nur theoretisch beherrscht. Zumal dann, wenn sie zur eigenen beruflichen Vergangenheit gehören. Tipp: Öfter mal im Sinne JFKs führen. „Frage nicht, was Dein Team für Dich tun kann. Frage Dich, was Du für Dein Team tun kannst.“

Unfehlbarkeit ist kein Dogma.

Fehlerkultur war auf diesen Seiten immer wieder mal ein Thema. An keiner Stelle im Unternehmen ist ihre Hebelwirkung so stark wie im Verhältnis zwischen Führungskräften und den ihnen vertrauenden Mitarbeitern. Das leidige Prinzip „Erfolge privatisieren, Misserfolge sozialisieren“ richtet dort größtmögliche Schäden an, kommt aber im Zuge kurzfristiger Bilanzfälschungen regelmäßig zum Zuge. Wer, ganz authentisch, Fehler an sich abgleiten lässt, macht sich (aus Sicht der Mitarbeiter) erkennbar: „Aha, wieder so einer.“ Wer sich zu Fehlern bekennt, bekommt seitens der Führungskollegen die Reaktion: „Der zeigt Schwäche. Auf ihn!“ Was bleibt? Erstens: Beim Recruiting-Gespräch die Fehlerkultur intensiv abtesten. Zweitens: Ab dem ersten Arbeitstag die Personalentwicklung auf konstruktiven Umgang mit Fehlern trimmen.

Versprochen ist versprochen.

Die beste Gelegenheit, dem Team zu beweisen, dass man Führung im Kreuz hat, ist das Einhalten gegebener Versprechen. Mit nichts anderem lässt sich so große Enttäuschung und so tiefes Misstrauen erzeugen wie mit Umkippern, Umfallern, Rückziehern und Abtauchern. Derlei gräbt sich ins kollektive Gedächtnis als Zeichen der Schwäche und des Versagens ein. „Falsche Fünfziger“ versuchen genau das aber trotzdem immer wieder, zunächst um zuerst mit dem Versprechen den Weg des vermeintlich geringsten Widerstands zu gehen und später mit dem Bruch des Versprechens unerwarteten Widerständen auszuweichen. Über kurz oder lang hilft dieser Weg stets, eine große Entfernung schnellstmöglich zurückzulegen – im freien Fall. Tipp: Die Zukunft nicht aus der hohlen Hand versprechen, sondern mit vereinter Kompetenz im Team planen.

Nicht das Wort, sondern der Sinn zählt.

Was unseren Großeltern „Fischers Fritz“ war, das ist uns heute die „Authentizität“. Selten so oft jemand mit der Zunge ins Schleudern kommen sehen wie mit diesem Fremdwort. Dabei hülfe schon eine kleine Silben-Gliederung in „Au-thenti-zität“ bei der flüssigen Aussprache. Besser noch: Eines der wohlfeilen Synonyme nutzen: Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit, Ernsthaftigkeit, Glaubwürdigkeit, Natürlichkeit, Echtheit. Damit verliert die Botschaft ihr Abstraktes, bekommt eine verständliche Richtung, lädt sich mit Sinnhaftigkeit auf – und wirkt authentisch.

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