Anerkennung gibt’s nicht geschenkt

5. Dezember 2016

Mitarbeitern zu zeigen, dass man sie schätzt, ist eine anspruchsvolle Führungsaufgabe. Darum gibt es dafür auch mehr Optionen als die Weihnachtsfeier.

  • Wenn es um die Anerkennung durch die Führung geht, besteht kein Unterschied zwischen wichtigen und weniger wichtigen Mitarbeitern
  • Sich Zeit zu nehmen, ernsthaft zuzuhören und aufmerksame Gespräche zu führen, ist oft die höchste Wertschätzung für die Leistung Einzelner
  • Optionen für Anerkennung gibt es so viele, wie eine Führungskraft in ihrer Menschennähe und Kreativität entwickelt

Jetzt hat die Stunde wieder geschlagen für das ultimative soziale Highlight im Betriebsleben – die Weihnachtsfeier. Hier wird gewichtelt, dort verlost, das Büffet geht auf Kosten der Firma und der Chef schmeißt die eine oder andere Runde. Kurz bevor das Jahr zu Ende geht und die Bücher an ultimo geschlossen werden, springt in demokratischer Gleichheit für die ganze Mannschaft ein unmittelbar verzehrbarer Bonus heraus. Sieht so Wertschätzung aus?

Woran der Hausmeister denkt

In seinem Buch „Führen ohne Druck“ berichtet der Bank-Vorstand Ernst Kronawitter von einem Gespräch mit seinem Hausmeister. Über Jahre hinweg hat er ihn als ganz selbstverständlich wahrgenommen, im Vorübergehen gegrüßt und ansonsten seiner Arbeit überlassen. An einem Tag im Herbst bleibt etwas mehr Zeit für ein Gespräch und der Chef erfährt von seinem Mitarbeiter, dass er extra mit dem Kehren von Laub seinen Tag begonnen hat, damit es vor der Bank und in der Bank ordentlich aussieht. Was sollten sich sonst die Kunden über die dort herrschenden Zustände denken?

Besuchen statt kontrollieren

Kronawitter hat dies zum Anlass genommen, mehr mit seinen Leuten zu reden. Sie immer wieder mal während der Arbeit zu besuchen und nach den Dingen zu erkundigen, die gut oder schlecht laufen. Das Gefühl „Da kommt der Chef zum Kontrollieren“ war schnell beseitigt, weil er aufmerksam zugehört und die Gespräche nicht als Abfrage, sondern als Dialog geführt und sein ehrliches Interesse spürbar gemacht hat. Was ihm dabei geholfen hat? „Die Versuchung für Führungskräfte ist groß, ein Mitarbeiterteam in wichtige, weniger wichtige und unwichtige Mitarbeiter zu segmentieren – oder in unverzichtbare und verzichtbare. Wer genau hinsieht, wird erkennen, dass jeder Mitarbeiter wichtig ist und eine entsprechende Wahrnehmung und Wertschätzung verdient.“

Zahlreiche Ansätze für die Praxis

Neben der Gesprächsbereitschaft gibt es zahlreiche weitere Ansatzpunkte für Führungskräfte, nicht nur auf der Bonus-Ebene aktiv zu werden, sondern auch Mitarbeitern auf unteren Hierarchie-Ebenen ihre Anerkennung zu zeigen. Oft ist der dafür erforderliche materielle Einsatz überschaubar, während jedoch die persönliche Präsenz stark gefordert ist:

  • Wer das Wissen erfahrener Mitarbeiter zu schätzen weiß, sorgt dafür, dass sie es – zum Beispiel über Tutoring oder altersgemischte Teams – weitergeben können. Dies trägt gleichzeitig dazu bei, dass dieses Wissen im Unternehmen erhalten bleibt.
  • Wie es zu einer glaubwürdigen Fehlerkultur gehört, äußert sich echte Wertschätzung darin, über kleine Fehler großzügig hinwegzusehen und mit größeren Fehlern konstruktiv umzugehen – statt gleich die Qualität des Betroffenen in Frage zu stellen.
  • Wem die Gesundheit seiner Mitarbeiter am Herzen liegt, der verordnet nicht nur halbamtliche Maßnahmen, sondern kümmert sich darum, dass ausreichend Licht und frische Luft am Arbeitsplatz vorhanden sind, dass für Pausen ausreichend Freiraum und für Mahlzeiten gute Produktqualität verfügbar ist.
  • Was ein gutes Lob ist, das vertrocknet nicht in der Warteschleife von Scorecards und Bewertungsbögen. Je unmittelbarer Anerkennung erfolgt, desto ergiebiger sind ihre Folgen für alle Beteiligten.
  • Wem der Abstand zwischen „Business Class“ und „Economy“ kürzenswert erscheint, der legt Reiserichtlinien so an, dass Reisende, die im Auftrag der Firma unterwegs sind, ihrer Arbeit ausgeschlafen und wohlbehalten nachgehen.
  • Wer den Eltern unter seinen Mitarbeitern eine Sorge nehmen möchte, der hält für deren Kinder ein Ausbildungsversprechen aufrecht.
  • Wo es ernst gemeint ist mit Wertschätzung, gemeinsamen Zielen, dem Teamgedanken und der Augenhöhe, der gestaltet das „Jahresgespräch“ nicht als Abrechnung, sondern als Zusammenfassung dessen, worüber man sich das ganze Jahr über unterhalten hat.
  • Wer wirklich ein Herz für die Familien der Mitarbeiter hat, spendiert nicht den Angestellten ein Bier, sondern den Kindern einen Besuch im Zoo.
  • Wem es ernst ist mit dem Lob für geleistete Arbeit, der erinnert sich auswendig daran und braucht es nicht vom Manuskript abzulesen.
  • Wenn am Jahresende Werbeartikel übrig geblieben sind, handelt es sich nicht um wohlfeile Geschenke fürs Team.

Gelingt es einer Führungskraft einige oder alle dieser Anregungen in die Tat umzusetzen, wird auch die Weihnachtsfeier nicht mehr als Alibi verstanden. Sondern als das, was sie vielleicht ursprünglich einmal war: eine Vorfeier des Heiligabends mit der Betriebsfamilie.

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