Ansteckender Arbeitswille

Wer sich trotz Grippe und Erkältung ins Büro schleppt, belastet die Gesundheit seiner Kollegen. Im Sinne der Produktivität ist Bettruhe für alle die bessere Lösung.

  • Hygiene und Raumklima regeln das Ansteckungsrisiko.
  • Angebot aus der Kantine oder vom Arbeitgeber regt Vitaminkonsum an.
  • „Präsentismus“ stiftet mehr Schaden als Nutzen.
  • Krankenzimmer dient nicht als Home Office.

Aus Übereifrigkeit oder aus Angst um ihren Arbeitsplatz erscheinen viele Mitarbeiter in der kalten Jahreszeit trotz Krankheit im Büro und verwandeln es in eine gefährliche Keimzelle. Dabei bergen nicht nur schniefende Kollegen ein hohes Ansteckungsrisiko – die gesamte Arbeitsumgebung ist häufig virenbelastet. Bereits durch die Beachtung einiger einfacher Hygiene- und Verhaltensregeln lässt sich die Infektionsgefahr im Büro deutlich minimieren. Die Kommunikation dieser Regeln durch die Personalabteilung regt zu Vorsorge an und reduziert den hohen Aufwand beim Managen der Krankheitsmeldungen.

Die Gesundheitsexpertin Dr. med. univ. Annina Jenal von http://www.erkaeltet.info, dem unabhängigen Verbraucherportal rund um Erkältung und Grippe, stellt die wichtigsten Tipps vor. 1. Tipp: Heizung niedriger einstellen. Trotz klirrender Kälte sollte im Büro die Heizung nicht zu hoch aufgedreht werden. Überheizte Räume können Erkältungen begünstigen, da Keime in trockener Luft flugfähiger sind und dadurch leichter eingeatmet werden. Zudem trocknen so die Schleimhäute schneller aus, wodurch die Flimmerhärchen der Nase und Lunge Erreger schlechter abtransportieren. 2. Tipp: Hände waschen und vom Gesicht fernhalten. Da Viren und Bazillen am häufigsten über Hände übertragen werden, gilt in der Erkältungszeit regelmäßiges Händewaschen als Pflicht. Sicherheitshalber sollten Arbeitnehmer ihre Hände von Augen, Mund und Nase fernhalten, da sonst die Viren über Schleimwege eindringen können. 3. Tipp: Auf vitaminreiche Ernährung setzen. Berufstätige können ihre Abwehrkräfte stärken, indem sie eine gesunde vitaminreiche Ernährung wählen. Mehr Vitamine zu essen gelingt leicht, wenn gesunde Snacks wie Äpfel und Orangen mit ins Büro genommen oder vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt bzw. in der Kantine angeboten werden. 4. Tipp: Für genügend Bewegung und Schlaf sorgen. Nach dem Mittagessen sorgt ein Spaziergang an der frischen Luft dafür, dass die Schleimhäute angefeuchtet und das Immunsystem angekurbelt wird. Ausgleichende Bewegung während der Arbeitszeit ist grundsätzlich vorteilhaft, ebenso wie ausreichender Schlaf in der Freizeit die Immunkräfte stärkt. 5. Tipp: Virenbelastete Stellen im Büro reinigen. Erkältungserreger werden häufig über Türklinken, Lichtschalter und Tastaturen weitergegeben, weswegen sie mehrmals die Woche gereinigt werden sollten. Besondere Vorsicht gilt bei Abfalleimern: Ein Papierkorb voll benutzter Taschentüchern ist hochinfektiös – vor allem ohne Deckel, wie er in vielen Büros zu finden ist. Ein regelmäßiges Ausleeren, Auswaschen und eine Abdeckung hilft, das Ansteckungsrisiko deutlich zu senken.

Gefährlich ansteckend: Der „Präsentismus“-Trend

Wenn sich trotz Vorbeugungsmaßnahmen eine Erkältung anbahnt, ist falscher Arbeitseifer fehl am Platz, sagt die Gesundheitsexpertin Dr. Jenal von erkaeltet.info: „Berufstätige sollten nicht nur an die zu erledigende Arbeit denken, sondern auch an die eigene Gesundheit und die der Kollegen. Sie müssen prinzipiell abwägen: Werden die Kollegen mehr durch die Ab- oder die Anwesenheit belastet?“ Um die Zeit des Arbeitsausfalls für die Kollegen zu vereinfachen, sollten Termine verschoben und eine Mailumleitung eingerichtet werden.

Trotzdem gehen immer mehr Berufstätige krank zur Arbeit: „Viele haben schlichtweg Angst um ihren Arbeitsplatz. In der Psychologie gibt es mittlerweile einen Begriff dafür: Präsentismus. Dies ist ein gefährlicher Trend, den Arbeitgeber nicht unterstützen sollten“, so Jenal. Doch bei einigen Berufen ist es besonders wichtig, bei einer Erkrankung zu Hause zu bleiben: Durch den regen Kundenkontakt in der Pflege, Gastronomie oder Lebensmittelindustrie steckt ein erkälteter Mitarbeiter schnell nicht nur Kollegen, sondern auch viele Kunden an.

Krankenzimmer nicht zum Homeoffice umfunktionieren

Was viele Arbeitnehmer nicht wissen: Bei einer Krankschreibung müssen sie nicht jederzeit für den Arbeitgeber telefonisch erreichbar sein. Falls der Erkrankte jedoch wichtige Informationen besitzt, die für den geregelten Ablauf nötig sind, sollte das Handy angeschaltet bleiben – Anrufe des Arbeitsgebers müssen in diesem Fall angenommen werden.

Darüber hinaus ist der Arbeitnehmer nicht an das Bett gefesselt – kürzere Wege zum Einkaufen, Arzt oder zur Bank sind mit Krankschreibung erlaubt. Falls die Erkältung früher auskuriert ist, darf der Arbeitnehmer zudem vorzeitig wieder arbeiten gehen und muss nicht alle Tage der Krankschreibung in Anspruch nehmen. Dazu benötigt er keine ärztliche Bescheinigung.