Arbeitgebermarken wirken immer früher

13. April 2016

Eine wachsende Zahl an Unternehmen erkennt, dass sie schon bei Schülern ansetzen muss, wenn ihr „Employer Branding“ langfristig wirken soll - strategisch und familienfreundlich.

  • Spielerischer Zugang zur Berufswelt über Teilhabe am Job-Leben der Eltern als Einstieg.
  • Problemlösung für Eltern erhöht die Werthaltigkeit einschlägiger Angebote.
  • Gewinn an Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit auf der menschlich-emotionalen Ebene als Konsequenz.

Wie gibt man einer Arbeitgebermarke einen familienfreundlichen Anstrich? Die meisten Unternehmen haben inzwischen gelernt, dass der Betrieb einer eigenen Kita oder die Zusammenarbeit mit Kindertagesstätten hierfür sehr gut geeignet sind. Nehmen sie doch den Eltern die Sorge, wo sie den Nachwuchs während der Arbeitszeit unterbringen. Vor allem dann, wenn die Arbeitszeit mal den vorgesehenen Rahmen überschreitet, sind firmeninterne Lösungen von Vorteil – Ausnahmen von der Regel lassen sich über den kleinen Dienstweg regeln. Die erste Hürde auf dem Weg zur „Familienfreundlichkeit“ ist damit genommen.

Bei Betreuung entlasten

Einen Schritt weiter sind inzwischen jene Firmen, die Kinder ihrer Mitarbeiter aktiv in ihr Leben einbeziehen. „Tage der offenen Tür“ sind da noch die einfachste Möglichkeit; beliebt dafür sind zum Beispiel Anlässe wie der „Buß- und Bettag“, der nur in Sachsen noch arbeitsfrei ist, aber fast überall schulfrei. Um die Betreuung an diesem Mittwoch im November nicht zur Belastung für die Eltern zu machen, holen Firmen einfach deren Nachwuchs ins Haus und lassen sie dort Werkstatt- oder Laborluft schnuppern: „Schau dir mal an, wo Mami und Papi tagsüber arbeiten und was sie so machen.“

Spielerischer Zugang zur Arbeit der Eltern

In staunende Gesichter blickte man an einem solchen Tag im Labor des Allgäuer Reinigungsmittelherstellers Buzil, als ein Mitarbeiter den Kindern zeigte, wie das Wasser aus dem Leitungshahn einem elektrostatisch aufgeladenen Lineal folgte. „Durch den Kidsday sollen die Kinder unserer Mitarbeiter auf spielerische Weise den Arbeitsplatz der Eltern kennenlernen und selbst Experimente mit dem Element Wasser und anderen Flüssigkeiten durchführen“, erklärte Carolin Rossi, Personalchefin bei Buzil.

Konzepte mit Erlebnischarakter

Das Projekt ist Teil eines Gesamtprogrammes des bayerischen Familienministeriums zum Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Buzil hatte sich auf die Ausschreibung beworben und direkt den Zuschlag erhalten. Zusammen mit der unabhängigen und gemeinnützigen Bildungseinrichtung Science Lab wurden verschiedenen Konzepte erarbeitet, wie zu den Themen Natur, Umwelt und Technik aktive Kinderbetreuung zum besonderen Erlebnis wird.

Eltern-Kind-Zimmer schafft Raum im Notfall

So bietet Buzil seit 2014 auch eine mobile Spielebox sowie ein Eltern-Kind-Zimmer an. Dieses kann genutzt werden, wenn etwa der Kindergarten außer der Reihe einmal geschlossen hat. „Das Wohl unserer Mitarbeiter liegt uns sehr am Herzen. Gleichzeitig wollen wir unseren wertvollen Fachkräften ein angenehmes Arbeitsumfeld schaffen, um diese an das Unternehmen zu binden und somit möglichst lange zu halten“, fügt Rossi abschließend hinzu.

Jugendliche bei Berufswahl begleiten

Über dieses unterhaltsame Hineinschnuppern hinaus gehen Unternehmen, die unter den Kindern ihrer Belegschaft gezielt um Praktikanten und Werkstudenten werben. Eine anspruchsvolle Aufgabe: „Im Gegensatz zur Ansprache von berufserfahrenen Arbeitnehmern muss die Kommunikation mit Jugendlichen um den wichtigen Faktor der Unterstützung in der Berufsorientierung erweitert werden. Jugendliche wollen vor allem wissen, was sie im Beruf erwartet“, schreibt Carola Laun in einem Beitrag für die Fachzeitschrift „Arbeit und Arbeitsrecht“. Sie empfiehlt Unternehmen, sich als aktive Unterstützer in diesem Findungsprozess zu positionieren. Die Instrumente seien vielfältig:

  • „Praktika,
  • Betriebsbesichtigungen oder Praxisvorträge an Schulen,
  • detaillierte Beschreibungen, Fotos und Videos auf der Karrierewebsite,
  • einen Azubi-Blog und
  • die Möglichkeit, einfach und unverbindlich mit Mitarbeitern in Kontakt zu kommen – real oder virtuell.“
  • DB setzt auf Online-Motivation

Ein Unternehmen, das schon in großem Stil auf den Bedarf an Begleitung junger Menschen bei der Berufsorientierung reagiert hat, ist die DB. Sie hat im Herbst 2015 ihre erfolgreiche Employer-Branding-Kampagne „Kein Job wie jeder andere“ auf die Zielgruppe der Schüler auszurichten und die Arbeitgebermarke DB bei der jungen Zielgruppe mit speziellen Online-Kreativformaten und -Tools vorgestellt und emotionalisiert.

Von der Orientierung bis zur Bewerbung

„Mit unser Schüleroffensive gehen wir ganz neue, innovative Wege im Employer Branding: Eine rein digitale Kampagne auf Facebook, Youtube und Spotify spricht Schüler direkt und effizient in ihren Lebenswelten an und basiert auf dem zentralen Zielgruppeninsight, dass gerade Schüler bei der Berufswahl oft nach Hilfestellung suchen“, so Steve Goodwin, Leiter Personalmarketing bei der Deutschen Bahn. „Wir setzen alles daran, junge Menschen auf ihrem Weg durch den Dschungel der beruflichen Orientierung zu unterstützen und helfen dabei, diesen durch anspruchsvolle digitale Maßnahmen humorvoll zu beleuchten: von der Orientierung, über das Kennenlernen bis hin zur Bewerbung“, so Goodwin weiter.

Nachwuchs erkundet eigene Fähigkeiten

Kern der Offensive, die Mitte September startete, sind daher auch neue Tools auf der DB Karriere-Seite, die den Schülern Unterstützung bieten. Mit dem Job-Profiler, einem Self-Assessment-Tool, kann jeder Anwender unter 425 Ausbildungsberufen, die es laut Bundesagentur für Arbeit bundesweit gibt, sein individuelles Ranking an Berufen erstellen. Interessen sowie die individuellen Stärken und Fähigkeiten eines Bewerbers werden dabei analysiert und machen die große Black Box bei der Berufswahl transparent, heißt es bei der betreuenden Agentur Ogilvy & Mather Germany.

Tools im Internet erleichtern Berufseinstieg

Der Job-Profiler basiert dabei auf wissenschaftlichen Standards. Das Tool wurde optisch ansprechend gestaltet und anwenderfreundlich sowie spielerisch konzipiert. Ein zweites Unterstützungstool ist der Messe- und Eventkalender, der den Schülern hilft, beim Kennenlernen die richtige Veranstaltung zu finden. In der Bewerbungsphase macht es dann ein Online-Tutorial den Schulabgängern leicht, eine Bewerbung zu erstellen oder sich auf ein Bewerbungsgespräch vorzubereiten.

Baustein im Employer Branding

„Schülern in ihrer Berufsfindungsphase auf Augenhöhe zu begegnen und sie überraschend und sympathisch anzusprechen, das ist der Anspruch unserer Kommunikation", formuliert Gabriele Handel-Jung, Leiterin Konzernmarketing bei der DB, anlässlich des Programmstarts. „Wir sind von der Innovationskraft der Digital-Kampagne überzeugt. Unser Ziel ist es, weiter an Sympathie und Ansehen bei den Schülerinnen und Schülern zu gewinnen auf dem Weg in die Top-Ten der Arbeitgebermarken."
Positiver Nebeneffekt: Den Eltern, die ihren Kindern bei der Berufswahl helfen möchten, denen aber der Zugang zu den richtigen Werkzeugen fehlt, präsentiert sich die Bahn ebenfalls als „Freund und Helfer“.

investor relations