Attraktive Jobs leben von Mobilitäts-Ideen

17. August 2015

Wie weit darf der Weg zum Arbeitsplatz sein, wie lange darf er dauern? Wachsende Metropolen stellen Arbeitnehmer und Arbeitgeber vor eine neue Herausforderung.

Alternativen für den Weg zum Arbeitsplatz dringend gesucht

  • Arbeitnehmer von morgen wünschen mehr Flexibilität und andere Formen von Mobilität als bisher.
  • Zudem übernehmen sie mehr Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft.
  • Unternehmen, die Antworten darauf haben, gewinnen an Attraktivität und Produktivität.

Das Institut für Mobilitätsforschung (ifmo) hat seine Szenarien zur Zukunft der Mobilität in Deutschland ein drittes Mal fortgeschrieben. Die Forschungsfrage dieser Studie lautet: „Wie könnte die Mobilität in Deutschland im Jahr 2035 aussehen?“ Dabei geht es um alle Formen der Personenmobilität in Deutschland, beeinflusst durch die Bereiche Demografie, Wirtschaft, Energie, Verkehrspolitik, Technologie und Einstellungen.

Zwei Szenarien machen den Wandel deutlich

„Natürlich wird sich die Mobilität in den nächsten zwanzig Jahren verändern. Wie die Menschen sich 2035 in Deutschland bewegen werden, ist allerdings nicht mit Bestimmtheit vorherzusagen“, schreiben die Autoren der Studie. Und weiter: „Um möglichst ein breites Spektrum von plausiblen Möglichkeiten zu erarbeiten, haben wir uns wieder für die Erstellung von Szenarien entschieden statt für lineare Fortschreibungen oder Modellierungen, die stark auf Vergangenheitswerten basieren.“

Die beiden ausgewählten Szenarien „Musterschüler“ und „Mut zur Lücke“ beschreiben zwei unterschiedliche Bilder, wie das Leben in Deutschland im Jahr 2035 aussehen könnte, und speziell, wie die Menschen mobil sein könnten. Sie sind unter anderem durch die differierende Lebenseinstellung und die voneinander abweichende Bedeutung von Kosten geprägt. Die Szenarien unterscheiden sich klar im Wanderungssaldo, der Arbeitslosenquote und der Erwerbsquote Älterer.

Autos werden nicht die erste Wahl bleiben

Diese Entwicklungen haben gemeinsam großen Einfluss auf die Ausprägung des demografischen Wandels. Sie ist aber jeweils verschieden, was sich wiederum deutlich auf die jeweilige Personenverkehrsleistung auswirkt. Sie ist rückläufig, doch ist der Rückgang im Szenario „Musterschüler“ nur leicht, in „Mut zur Lücke“ dagegen erheblich. Darüber hinaus ist beispielsweise die jeweilige Verbreitung der Elektromobilität, die vor allem durch technische Entwicklungen bestimmt ist, sehr unterschiedlich. Gleich ist, dass in beiden Szenarien öffentlicher Verkehr, Fahrradverkehr und die Fortbewegung zu Fuß Anteile am Modal Split gewonnen haben.

Musterschüler und Mut zur Lücke

Ein Verfahren, das dieser Entwicklung Rechnung trägt, sind „Express-Radwege“ über die vor allem die großen Metropolregionen nachdenken, um damit parallel zum ÖPNV ihr Einzugsgebiet zu erschließen. Auf Express-Radwegen kommen Radler besonders flott voran, also besonders gut ausgebaute Radwege, aber im Idealfall noch mehr als das. Ähnlich wie Eisenbahntrassen führen sie durch ein Universum abseits des Autoverkehrs. Das macht Zugreisen angenehm: Sie vermeiden den Stress und das Gedränge im Straßenverkehr. Die Zugtrasse überbrückt Taleinschnitte auf Viadukten und Bergkämme über Tunnels, denn Züge vermögen keine größeren Steigungen zu überwinden.

Vorfahrt fürs Fahrrad?

Der ideale Radweg wiederum erspart dem Radler schweißtreibende Anstiege, verläuft ohne Kontakt mit dem Autoverkehr und das beständige Warten an Kreuzungen und Ampeln hat ein Ende. Zudem wird Fahrzeit eingespart: Man muss sich nicht über Serpentinen einen Berg hinaufwinden und man muss nicht erst in ein Tal absteigen, um wenige Kilometer Luftlinie zu überbrücken. Ein einziges Radviadukt dieser Art kann schnell eine Stunde Fahrzeit beim Radeln einsparen. Für Unternehmen ein Infrastrukturprojekt, auf das es zu achten gilt. Zumal mit E-Bike-Stationen auf dem Firmengelände eine weitere Aufwertung des Umstiegs vom Auto gefördert werden kann.

Neue Chancen für das Home Office

Und noch ein Aspekt wird eine Rolle spielen: die wachsende Bedeutung des dezentralisierten Arbeitens, allen voran das Home Office. Schon deswegen, weil nur partiell genutzter Arbeitsraum in den kostenintensiven Zentren der Ballungsräume nicht mehr wirtschaftlich ist. Unternehmen setzen daher in Zukunft verstärkt auf Heimarbeit statt auf klassische Büroarbeitsplätze, greifen auf externe Spezialisten zurück und nutzen Videokonferenzen zur Zusammenarbeit in virtuellen Teams. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung unter 1500 Geschäftsführern und Personalleitern von Unternehmen aus allen Branchen im Auftrag des Digitalverbands Bitkom, die im Frühjahr vorgestellt wurde.

Demnach verliert der klassische Büroarbeitsplatz mit Anwesenheitspflicht künftig an Bedeutung. Davon geht jedes vierte Unternehmen (24 Prozent) aus. Nur vier Prozent rechnen mit einer Renaissance des Büros. Zugleich erwartet fast jedes dritte Unternehmen (30 Prozent), dass das Home Office wichtiger wird. Nur vier Prozent gehen von einem Bedeutungsverlust aus.

Hochschulabsolventen erwarten flexible Arbeitsmöglichkeiten

Die meisten Unternehmen, die bislang auf die Nutzung des Home Office verzichten, geben an, die Arbeit von zu Hause aus sei einfach generell nicht vorgesehen (64 Prozent). „Die Digitalisierung der Arbeitswelt ist ein zentraler Teil der d!conomy, der digitalen Transformation unserer Wirtschaft“, sagt Bitkom-Präsident Prof. Dieter Kempf. „Viele Unternehmen werden sich umstellen müssen. Das flexible Arbeiten, auch von zu Hause aus, ist etwas, was vor allem gut ausgebildete Hochschulabsolventen erwarten.“

Die Bewohner Deutschlands stehen neuen Technologien sowie der Nutzung verschiedener Verkehrsmittel aufgeschlossen gegenüber. Treiber der wachsenden multimodalen Orientierung sind gesellschaftliche Gründe wie die steigende ökologische Verantwortung und der Erwartungsdruck im sozialen Umfeld. Ökologisches Verhalten ist ein Lifestyle-Trend, unterstützt durch einen technologischen Schub in der Industrie. Ebenso hip ist die Bereitschaft zu nutzen, statt zu besitzen.

Je nach Zweck und Kosten setzen die Menschen in den Metropolregionen unterschiedliche Verkehrsmittel ein. In jeder Hinsicht effizient von A nach B zu kommen, ist wichtig. ÖPNV, zu Fuß gehen und die Nutzung privater Fahrräder profitieren davon. Insgesamt ist die Verkehrsleistung der Bevölkerung jedoch bedeutend geringer als noch vor zwanzig Jahren. Diese Entwicklung ist vor allem auf den demografischen Wandel zurückzuführen.

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